Argentinien

Wissenswertes über Argentinien

Natur und Klima:

Argentinien weist eine Vielzahl unterschiedlicher Landschaften auf. Im Zentrum und Osten erstreckt sich das Tiefland mit der Pampa, dem Gran Chaco und dem Zwischenstromland, der Süden wird von den weiten Tafelländern Patagoniens eingenommen, im Westen erhebt sich die gewaltige Andenkette.

Das zentrale Tiefland - mal amphibisch feucht, mal trockenes Grasland:

Die Pampa war ursprünglich ein weites Grasland. Im feuchten Osten wird heute intensive Landwirtschaft betrieben; diese Region bildet die Kornkammer des Landes. Im trockenen Westen wachsen nährstoffreiche Gräser - Futtergrundlage für Millionen Rinder.

Im Norden des zentralen Tieflands liegt der Gran Chaco, eine weite Parklandschaft mit subtropischem Trockenwald, die nach Westen hin von einer Dornbuschsavanne abgelöst wird. Typischer Baum des Gran Chaco ist der Quebracho, der wegen seines hohen Gehalts an Tannin bei der Lederherstellung verwendet wird.

Östlich der Pampa erstreckt sich das von den Flüssen Paraná und Uruguay eingerahmte Zwischenstromland (Mesopotamia). Im äußersten Nordosten bedeckt subtropischer Regenwald die Ausläufer des Brasilianischen Berglandes. In dieser Region liegen die spektakulären Wasserfälle von Iguaçú.

Die eintönigen Ebenen Patagoniens:

Südlich des Río Colorado gehen die Grasländer der Pampa in die trockene patagonische Steppe über. Weite Tafelflächen mit cañonartigen Tälern charakterisieren diesen rauen Süden Argentiniens. Die kargen Böden lassen nur eine schüttere Grasvegetation gedeihen, die der Schaf- und Rinderhaltung dient. Im Osten fällt das dünn besiedelte Tafelland mit einer buchtenreichen, felsigen Steilküste zum Atlantik ab.

Ganz im Süden, durch die Magellanstraße vom Festland getrennt, liegt die Inselgruppe Feuerland. Der argentinische Teil der gleichnamigen Hauptinsel bildet mit den Inseln im Beaglekanal und der Staateninsel das stark vergletscherte und von Fjorden zerschnittene Territorium Tierra del Fuego.

Die mächtigen Vulkankegel der Anden:

Im Westen erheben sich die Anden, deren parallel verlaufende Gebirgsketten von breiten Tälern und Becken unterbrochen werden. Östlich der Anden erstrecken sich als einzelne isolierte Bergketten die Pampinen Sierren mit der Sierra de Córdoba (bis 2884 Meter) als Hauptzug.

Im Norden rahmen 5000 bis 6000 Meter hohe Gebirgsketten das abflusslose Becken der Puna ein. Weiter im Süden erhebt sich mit dem 6960 Meter hohen Aconcagua der höchste Gipfel des amerikanischen Doppelkontinents. Durch die Südanden ziehen sich gewaltige Gletscherfelder. Der Perito-Moreno-Gletscher zählt zu den wenigen noch vorstoßenden Gletschern der Erde. Im Abstand von mehreren Jahren schneidet seine Zunge einen Seitenarm des Sees Lago Argentino ab. Das aufgestaute Seewasser schlägt dann unter gewaltigem Getöse eine Schneise durch den Gletscher. Hier wie in anderen Abschnitten der Anden schützen Nationalparks die grandiose Berglandschaft.

Von den 50 Vulkanen der argentinischen Anden ist heute kein einziger mehr aktiv. Gefahr geht dagegen von den häufigen Erdbeben aus, die zum Beispiel 1861 die Stadt Mendoza und 1944 die Stadt San Juan zerstörten.

Klimatische Gegensätze:

Das Klima Argentiniens ist so vielfältig wie seine Landschaften und reicht von subtropisch-heiß im Norden bis zu subpolar-kühl im Süden. Der größte Teil des Landes befindet sich in den gemäßigten Breiten. Die Temperaturen nehmen von Norden nach Süden ab; von Osten nach Westen steigen sie zunächst an, um mit zunehmender Höhe in den Anden wieder zu sinken. Auch die Niederschläge nehmen von Norden nach Süden ab. Zwei Drittel des Landes liegen im Regenschatten der Anden und erhalten nur relativ geringe Niederschläge.

Das Klimaphänomen El Niño kann in Argentinien zu starken Niederschlägen und Überschwemmungen führen. Der Pampero, ein kalter, polarer Südwind, bringt neben starken Temperaturabfällen ebenfalls starke Regenfälle mit sich.

Bevölkerung:

Argentinien war Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts ein beliebtes Einwanderungsland für europäische Emigranten, die Indios und Mestizen größtenteils verdrängten. Das zeigt sich heute in der Bevölkerungsstruktur: 90 Prozent der Einwohner sind Weiße, zwei Drittel haben spanische oder italienische Vorfahren. Im Gran Chaco, in den Anden und im Süden des Landes leben noch etwa 35.000 Indianer. Fünf bis zehn Prozent der Einwohner sind Mestizen, viele von ihnen wanderten in den sechziger Jahren aus den Nachbarländern Chile, Bolivien und Paraguay ein.

Trotz der Weite des Landes konzentrieren sich 70 Prozent der Bevölkerung auf nur 22 Prozent der Staatsfläche. 89 Prozent der Argentinier leben in Städten; allein der Großraum Buenos Aires umfasst 13,8 Millionen Einwohner. Mit einem jährlichen Bevölkerungswachstum von 0,8 Prozent bildet Argentinien das Schlusslicht unter den lateinamerikanischen Ländern.

Bildung:

Für alle Kinder im Alter von 6 bis 14 Jahren besteht Schulpflicht. Die Primarstufe umfasst sieben Jahre, die Sekundarstufe fünf bis sechs Jahre. Öffentliche Schulen und Universitäten sind gebührenfrei. Daneben existieren zahlreiche private Bildungseinrichtungen. Im Vergleich zu seinen lateinamerikanischen Nachbarn verfügt Argentinien über eines der am besten ausgebauten Bildungssysteme, das jedoch ein starkes Stadt-Land-Gefälle aufweist. Die Wirtschaftskrise 2002 führte auch zu Problemen im Bildungssektor, vielen Einrichtungen wurde die staatliche Unterstützung entzogen.

Staat und Politik:

Nach der am 24. August 1994 in Kraft getretenen Verfassung (Revision der Verfassung von 1853) ist Argentinien eine präsidiale Republik. Der Staatspräsident ist gleichzeitig Staatsoberhaupt und Regierungschef. Er wird für eine Amtszeit von vier Jahren direkt vom Volk gewählt. Eine einmalige Wiederwahl ist möglich. Die Legislative liegt beim Kongress, der aus zwei Kammern (Senat mit 72 Mitgliedern und Abgeordnetenhaus mit 257 Mitgliedern) besteht. Alle zwei Jahre wird die Hälfte der Mitglieder des Abgeordnetenhauses für vier Jahre neu gewählt. Der Senat wird alle zwei Jahre zu einem Drittel für eine Sechsjahresperiode erneuert.

Wichtige Parteien sind die Peronisten (Partido Justicialista, PJ) sowie die liberale Bürgerunion (Unión Cívica Radical, UCR). Argentinien verfügt über eine zweistufige Bundesgerichtsbarkeit, der Oberste Gerichtshof ist gleichzeitig Verfassungsgericht.

Wirtschaft und Verkehr

Die argentinische Wirtschaft wird geprägt durch die krassen Gegensätze zwischen einer kleinen wohlhabenden Oberschicht und einer breiten, relativ armen Bevölkerungsmehrheit sowie durch ein starkes Eingreifen des Staates in die Wirtschaft und eine extrem hohe Staatsverschuldung. Immer wieder musste das Land schwere Wirtschaftskrisen mit hoher Inflation und Arbeitslosigkeit hinnehmen. Die anhaltende Rezession der Jahre 1998 bis 2002 führte zur Einstellung der Zahlung von Zinsen und Tilgung an die ausländischen Kreditgeber. Langwierige Verhandlungen der argentinischen Regierung mit dem IWF und privaten Gläubigern ermöglichten schließlich 2005 eine Rekordumschuldung von mehr als hundert Milliarden Dollar Zins- und Anleiheschulden.

Seit 2003 verzeichnet Argentinien wieder ein hohes Wirtschaftswachstum. Die Industrieproduktion legte 2004 um 10,7 Prozent zu, auch bei den ausländischen Direktinvestitionen zeichnete sich eine Trendwende ab. Die offizielle Arbeitslosigkeit erreichte 2004 mit 13,6 Prozent den niedrigsten Wert seit 1998.

Ein Fünftel des Außenhandels wird mit den Ländern des Mercosur (Gemeinsamer Markt des südlichen Amerika) betrieben, enge Handelsbeziehungen bestehen auch zur Europäischen Union und der nordamerikanischen Freihandelszone Nafta.

Traditionell bedeutende Landwirtschaft:

Ein Drittel des Exports erwirtschaftet die Landwirtschaft. Den größten Anteil nehmen Rindfleisch und seine Nebenprodukte wie Fleischkonserven und Häute ein. 48 Millionen Rinder und zwölf Millionen Schafe grasen auf den Weiden der Pampa und Patagoniens. Die Viehzucht hat eine lange Tradition, schon die frühen spanischen Einwanderer hatten Rinder auf der fruchtbaren argentinischen Pampa weiden lassen. Mehr als die Hälfte der Staatsfläche dient als Weideland, ein Fünftel ist mit Wald bestanden, neun Prozent sind Ackerland.

In den vergangenen Jahren wurden die Ackerflächen stark ausgeweitet. Argentinien ist mittlerweile weltweit der drittgrößte Produzent von Sojabohnen und gehört zu den wichtigsten Exporteuren von Futtergetreide. Im Westen werden unter künstlicher Bewässerung Wein und Obst, im Nordwesten Zuckerrohr angebaut. Im Nordosten liegen Plantagen mit Mate- und Teesträuchern sowie Tungölbäumen.

Industrie mit hohen Wachstumsraten:

Nach der Kapitalflucht im Krisenjahr 2002 war die industrielle Produktion praktisch zum Erliegen gekommen. Heute profitiert sie von einer erhöhten Investitionsbereitschaft und erreicht Wachstumsraten von mehr als zehn Prozent. Zu den wichtigsten Industriezweigen gehören die Nahrungsmittelbranche sowie die Textil-, Leder- und Holzindustrie. Die Produkte des Metall-, Maschinen- und Fahrzeugbaus machen zusammen mit den Erzeugnissen der chemischen Industrie ein Viertel des Ausfuhrvolumens aus. Auch verfügt Argentinien über große Erdöl- und Erdgasvorkommen vor der Ostküste, die aber nur zum Teil erschlossen sind.

Wichtige Devisen durch den Tourismus:

Seit der Abwertung des Pesos 2002 hat der internationale Tourismus an Bedeutung gewonnen. Drei Millionen Ausländer reisen jährlich nach Argentinien. Die Einnahmen aus dem Tourismus belaufen sich auf mehr als Milliarden Dollar im Jahr. Durch die Errichtung moderner Freizeitanlagen versucht man, vor allem zahlungskräftige Touristen aus den Industrieländern anzulocken.

Zu den bevorzugten Reisezielen zählen die Wasserfälle von Iguaçú und die Nationalparks der Anden, hier vor allem die Gletscherregion Los Glaciares, ferner Feuerland sowie die Halbinsel Valdés mit ihrer Meeresfauna, die fossilienreichen Naturparks Ischigualasto und die Felslandschaft Talampaya. Im nationalen Tourismus spielen noch die Seebäder am Atlantik, die Sierra de Córdoba und die Weinregionen im Westen eine Rolle.

Ungleichmäßige Verkehrserschließung:

Das Straßen- und Schienennetz läuft strahlenförmig auf die Hauptstadt Buenos Aires zu. Die Pampa und das zentrale Andenvorland sind gut erschlossen, die Peripherie dagegen ist schlecht angebunden. Mit der Privatisierung des Schienennetzes 1992 wurde ein großer Teil des Personenfernverkehrs eingestellt, so dass dem nationalen Flugverkehr wachsende Bedeutung zukommt. Die Flusssysteme von Paraná und Uruguay dienen der Binnenschifffahrt.

Geschichte

Kolonialzeit:

Die Mündung des Río de la Plata wurde 1515 von dem Spanier Juan Díaz de Solís entdeckt. 1536 nahm Pedro de Mendoza das Gebiet für Spanien in Besitz und gründete Buenos Aires (1541 aufgegeben, 1580 neugegründet), das zur Hauptstadt des 1776 errichteten Vizekönigreichs Río de la Plata wurde. Zum neuen Vizekönigreich gehörten Teile des heutigen Argentinien, Uruguay, Paraguay und Südbolivien.

Schwierige Staatsbildung:

Als sich das spanische Mutterland mit Napoleon verbündete, versuchten die Briten 1806/1807 Buenos Aires zu besetzen. Die kreolische Oberschicht wehrte mit ihren Truppen die Angriffe ab. Bald darauf konnte sich in Buenos Aires eine liberale Junta etablieren, den Vizekönig absetzen und fortan weitgehend autonom regieren. Am 9. Juli 1816 wurde die Unabhängigkeit der Vereinigten Provinzen von Río de la Plata verkündet. Bürgerkriege zwischen Unitariern (Zentralisten) und Föderalisten bestimmten die Innenpolitik, bis Juan Manuel de Rosas die Föderalisten 1835 zum Sieg führte.

Bis 1828 hatten sich Paraguay, Bolivien und Uruguay abgespalten und wurden selbständige Staaten. Nach dem Sturz von Rosas gab sich Argentinien 1853 eine föderalistische Verfassung. Neue Bürgerkriege wurden durch die Präsidentschaft von Bartolomé Mitre (* 1821, † 1906) und den Krieg gegen Paraguay (1865 bis 1870) unterbrochen, lebten aber danach wieder auf, bis es Präsident Julio Argentino Roca (* 1843, † 1914) gelang, den Gegensatz zwischen Unitariern und Föderalisten zu beenden.

Einwanderung und Wirtschaftsaufschwung:

Von 1880 bis zum Ersten Weltkrieg profitierte Argentinien von der massiven Einwanderung aus Europa, die mit einem wirtschaftlichen Aufschwung einherging. Argentinien stieg zum weltweit führenden Getreide- und Wollexporteur auf. Im Ersten Weltkrieg blieb das Land neutral. Die Wahlen von 1916 gewann die von der städtischen Mittelschicht getragene Unión Cívica Radical unter Hipólito Irigoyen (1916 bis 1924, 1928 bis 1930). Die Phase wirtschaftlichen Aufschwungs beendete abrupt die Weltwirtschaftskrise 1929/30. Das Militär setzte Irigoyen am 6. September 1930 ab.

Aufstieg Peróns:

Die politischen und sozialen Verhältnisse blieben instabil. 1943 etablierte sich eine Militärdiktatur. Die Militärs ernannten Juan Domingo Perón zum Arbeits- und Sozialminister. Im Zweiten Weltkrieg blieb das Land zunächst neutral; es weigerte sich, die diplomatischen Beziehungen zu Nazi-Deutschland und seinen Verbündeten abzubrechen. Erst kurz vor Kriegsende unterstützte Argentinien auf Druck der USA die Alliierten. Peróns Sozialpolitik zugunsten der Arbeiter und der besitzlosen Schichten (Descamisados, "Ohnehemden") brachten ihm Sympathie ein. 1946 wählte das Volk Perón zum Präsidenten (erneut 1948 und 1951). Er führte, zusammen mit seiner Gattin Eva (Evita) Perón wirtschaftliche und soziale Reformen durch, die jedoch an der falschen Einschätzung der ökonomischen Möglichkeiten Argentiniens scheiterten. 1955 wurde Perón durch einen Militärputsch gestürzt.

In der folgenden Periode war das Militär die bestimmende Kraft. Die peronistische Bewegung blieb aber ein wichtiger politischer Faktor, vor allem in den Gewerkschaften. Die 1973 vom Militär zugelassenen Wahlen gewann der Peronist H. Cámpora, der nach wenigen Wochen zurücktrat, um Neuwahlen zu ermöglichen. In diesen siegte der aus dem Exil zurückgekehrte Perón; er wurde erneut Staatspräsident.

Militärdiktatur:

Nach Peróns Tod 1974 übernahm seine dritte Frau, Isabel Perón, das Präsidentenamt. Es gelang ihr nicht, die peronistische Bewegung zusammenzuhalten und den zunehmenden Terrorismus rechts- und linksextremer Gruppen (Stadtguerilla) einzudämmen. 1976 wurde sie vom Militär gestürzt. Erklärtes Ziel des Militärregimes war die Vernichtung der Stadtguerilla und die Schaffung eines marktwirtschaftlichen Systems.

Diese Politik wurde mit einer für Argentinien beispiellosen Härte und mit schweren Menschenrechtsverletzungen verfolgt. Es gelang den Militärs jedoch nicht, die zerrüttete Wirtschaft zu sanieren und die Verschlechterung des allgemeinen Lebensstandards zu verhindern. An der Spitze der Militärjunta standen nacheinander die Generale J. Videla (1976 bis 1981), R. Viola (1981/82) und L. Galtieri (1982). Galtieri musste nach der argentinischen Niederlage im Falklandkonflikt zurücktreten und den Weg für demokratische Reformen freigeben.

Die neue Demokratie:

1983 gewann die UCR die ersten freien Wahlen. Ihr Führer Raúl Alfonsín wurde Staatspräsident. Die Aufarbeitung der Diktatur führte 1985 zur Verurteilung mehrerer Mitglieder des Militärregimes. 1989 geriet das Land in eine tiefe Wirtschaftskrise, die im selben Jahr den Peronisten mit Carlos Saúl Menem an der Spitze die Rückkehr zur Macht ebnete. Eine Amnestie für inhaftierte ehemalige Junta-Mitglieder stieß auf scharfe öffentliche Kritik.

Seit 1992 verbesserte sich die ökonomische Lage Argentiniens zunehmend. Der wirtschaftliche Erfolg wurde jedoch mit großen sozialen Härten erkauft. Die Aufdeckung zahlreicher Korruptionsfälle in Politik und Verwaltung konnte die starke innenpolitische Position Menems nicht erschüttern. Nach der Verfassungsreform 1994 wurde er bei den Wahlen 1995 in seinem Amt bestätigt.

Seit 1998 litt Argentinien an einer deutlichen konjunkturellen Abschwächung, die die hohe Arbeitslosigkeit verstärkte. 1999 gewann Fernando de la Rúa, Kandidat der linksliberalen Opposition, die Präsidentschaftswahlen. Die neue Regierung sah sich mit einer schweren wirtschaftlichen Rezession konfrontiert, die das Land bis in die Zahlungsunfähigkeit führte. Nach schweren Unruhen trat Präsident de la Rúa 2001 zurück.

Nachfolger wurde zunächst Eduardo Duhalde. Vorzeitige Präsidentschaftwahlen 2003 gewann dann der Peronist Néstor Kirchner. Seiner Regierung gelang es im Gefolge des weltweiten Rohstoffbooms, von dem besonders die argentinische Agrarindustrie profitierte, die schwere wirtschaftliche Krise zu überwinden. Gleichzeitig schuf Kirchner durch die Aufhebung von Amnestiegesetzen die Voraussetzung für eine juristische Aufarbeitung der Menschenrechtsverletzungen während der Zeit der Militärdiktatur. In der Außenpolitik belastete ein Konflikt um den Bau zweier Zellulosefabriken an der gemeinsamen Grenze seit 2006 die Beziehungen zu Uruguay.

Die Präsidentschaftswahlen 2007 gewann Cristina Fernández de Kirchner, die Ehefrau des bisherigen Staatschefs und Kandidatin der peronistischen Gruppierung Frente para la Victoria. Eine von der Regierung per Erlass durchgeführte Erhöhung der Exportsteuer für bestimmte Getreideprodukte führte 2008 zu Streik- und Blockadeaktionen der Landwirte. Das Gesetz über diese Steuermaßnahme scheiterte schließlich im Juli 2008 im Senat. Damit musste die Präsidentin eine schwere innenpolitische Niederlage hinnehmen. Das von Frente para la Victoria repräsentierte Kirchner-Lager verzeichnete bei vorgezogenen Teilwahlen zum Kongress 2009 starke Stimmenverluste.


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