Gran Canaria Problemzone auf den Kanarischen Inseln

Armando Sosa Matos mag es, wenn die Touristen ihn mit "Don Pedro" anreden. Der 59-Jährige liebt Gran Canaria, doch statt die Insel in wenigen Stunden mit dem Auto zu umfahren, wandert und klettert Don Pedro lieber durch die Berge mit ihren duftenden Pinien- und Kiefernwäldern. Das ist, was ihn glücklich macht. Alleine deshalb liebt er seinen Beruf. Don Pedro ist Bergführer und auf Gran Canaria geboren. Hier lebt er und hier will er auch sterben. "Damit aber hat es noch einige Zeit", lacht Don Pedro.

Besonders wohl fühlt sich der 59-Jährige im Januar und Februar. Dann ist die Insel ein wahres Naturparadies mit prächtig blühenden Mandelbäumen, den Feigen-, Orangen-, und Olivenbäumen, den gewaltigen uralten Dattelpalmen, den Agaven mit bis zu zwölf Meter in den blauen Himmel ragenden Blütenständen. Nicht zu vergessen Ginster, Kakteen und Salbei. Das ist Don Pedros Welt.

Nur sehr wenige der jährlich 3,4 Millionen Touristen auf Gran Canaria wandern auf der Insel. "Die meisten unserer Gäste liegen faul am Pool", sagt Don Pedro. "Sie lassen sich von der Sonne braten und verlassen die Hotelanlagen nur ein einziges Mal - zur Abreise zurück in die Heimat. Es ist ein Jammer."

Gemächlich geht es mit Don Pedro bergauf, immer dem Roque Nublo entgegen. Vom Fuß eines riesigen Monolithen, dem Nebelstein, erblickt man weit in der Ferne über den Wolken den mächtigen Teide auf der größeren Nachbarinsel Teneriffa, den mit 3718 Metern höchsten Berg Spaniens. Östlich vom Berg des Nebels gleich gegenüber leuchtet der Pico de las Nieves. Er ist ziemlich genau der Mittelpunkt der Insel, mit 1949 Meter die größte Erhebung und im Winter gelegentlich sogar mit in der Sonne glitzerndem Schnee bedeckt.

Nach dem fantastischen Ausblick folgt eine ernüchternde Aussicht. Don Pedro fährt seine kleine Touristenschar nach Playa del Inglés ganz im Süden der Insel. Je näher der Ort kommt, desto schweigsamer wird der bisher so herzlich lachende Bergführer. Von Maspalomas geht es westwärts immer gefährlich dicht an der vulkanisch-steinigen Steilküste entlang in Richtung Puerto de Mogán. Spekulanten und Baulöwen haben hier mit ihren Betonklötzen Don Pedros schöne Insel schändlich zugemauert. Die Häuser mit Appartements und Hotels sind ziemlich wahllos in die Felsen hinein geklatscht - daneben stehen verrottende Investitionsruinen. "Touristen bringen eben mehr ein als Tomaten", bringt es Fremdenführerin María Lezcano auf den Punkt.

Noch immer scheinen die auf der Insel Herrschenden nicht wahrhaben zu wollen, was die Glocken auf Gran Canaria schlagen: Die Arbeitslosigkeit ist hoch. Viele Hotels sind nicht ausgelastet. Die Touristen bleiben nur noch wenige Tage auf der Insel. Mit günstigen Pauschalreisen ist wegen der großen Konkurrenz und des teuren Personals kein großes Geschäft mehr zu machen. Dass es Zeit ist für Gran Canaria, das Ruder herum zu werfen, weiß auch María Lezcano: "Wir haben hier keine Industrie. Wir müssen fast alles importieren. Die Landwirtschaft geht immer mehr zurück. Unser Leben ist der Tourismus. Wir müssen uns sehr schnell etwas mehr einfallen lassen als bisher."

Dabei hat die einst schmucke Insel von sich aus ungeheuer viel zu bieten. Es locken in der Hauptstadt Las Palmas nicht nur die Altstadt mit dem Kolumbus-Haus, dem Museum, der Kathedrale, sondern auch das einmalig schöne Konzertgebäude "Auditorio Alfredo Kraus" direkt am Meer. Und die Sonne, das bei weitem größte Geschenk für die Insel, scheint das ganze Jahr über. Die weiten welligen Dünen von Maspalomas allein sind eine Reise wert. Und - wie Don Pedro treffend sagt: "Das bergige Hinterland der Vulkaninsel ist für alle Naturfreunde und Wandersleute ein botanischer Garten der besonderen Art - wie ein Paradies."