Mit Stil Neue Nachbarn auf Mallorca

Als Außenminister bereist man ja ständig die ganze Welt. Heute New York, morgen Tel Aviv, übermorgen Doha. Und auch wenn es die Hauptstadt von Katar, in die man zur Libyen-Konferenz gezwungenermaßen auch mal hin muss, vielleicht nicht auf die "Must-See-Liste" schafft - ein paar andere hübsche Destinationen für den nächsten Sommerurlaub sind sicherlich dabei. Aber Guido Westerwelle lässt sich nicht beirren. Er weiß schon lange, wo es wirklich am schönsten ist und da ist sich der FDP-Mann ausnahmsweise mit mehr als zwei Prozent der Deutschen einig: auf Mallorca.

Zusammen mit seinem Ehemann Michael Mronz hat Westerwelle sich kürzlich eine 400-Quadratmeter-Villa mit Außenpool in Son Vida bei Palma de Mallorca gekauft, für 1,9 Millionen Euro. Jetzt könnte man natürlich fragen, wie man sich als deutscher Politiker so ein Ferienhaus eigentlich leisten kann, was übrigens spanische Zeitungen - im Gegensatz zu den meisten deutschen - auch taten und süffisant feststellten, bei deutschen Politikern gebe es offensichtlich keine Wirtschaftskrise. Über den Zeitpunkt des Immobilienkaufs könnte man sicherlich streiten, aber was kann Westerwelle schon dafür, dass die spanische Wirtschaft gerade den Bach runter geht? Angela Merkel würden die Spanier derzeit wahrscheinlich nicht einmal ein Studio in Benidorm vermieten, der Bundesaußenminister versucht immerhin den balearischen Immobilienmarkt wieder anzukurbeln.

Und die Insel ist ja auch wirklich schön. Ich war mittlerweile fünfmal dort, einmal in Cala Figuera, dem "schönsten Fischerdorf der Insel" wie überall zu lesen ist, aber das ist so lange her, dass ich mich nur daran erinnere, dass wir unter dem Fenster zwei penetrant maunzende Katzen hatten und aus dem Restaurant gegenüber Fischabfälle klauten, um sie zu einem anderen Apartment zu locken. Danach waren wir zweimal bei Freunden, die ein fantastisches Haus an der Costa de los Pinos besitzen. Dort in der Nähe ist übrigens ein Restaurant, das man unbedingt besuchen sollte: Das Ca'n Pau Jacques bei Son Carrio mit dem wahrscheinlich größten Filetsteak der Insel. Allerdings steht das Lokal offensichtlich gerade zum Verkauf, was aber wohl eher nichts mit der Finanzkrise zu tun hat.

Vor vier Jahren dann heiratete eine Freundin von mir in der Bucht von Puerto de Sóller, was wir erst ein bisschen umständlich fanden. Aber sie heiratete einen Engländer und nach Mallorca gibt es nun mal mehr günstige Flugverbindungen von ganz England und Deutschland als nach Köln oder Sussex. Pragmatisch gesehen traf man sich auf Mallorca also in der Mitte; und schöner als in Köln-Kalk war es sowieso. Die Hochzeit fand in einem Restaurant gleich am Strand statt. Das Hotel, in dem die meisten Gäste wohnten (außer uns, wir waren damals total pleite und gingen in eine Pension, deren Namen ich glücklicherweise verdrängt habe), war das "Esplendido" mit wunderschön terrassenförmig angelegtem Pool und Garten. Da wollten wir eigentlich immer noch einmal hin, aber vorletztes Jahr folgte schon die nächste Hochzeit auf Mallorca, diesmal in der Nähe von Artà, im Nordosten der Insel. Ein größerer Ort mit schöner Altstadt, für eine Hochzeitsgesellschaft von fast 200 Gästen allerdings dann doch zu klein. In jeder Bar, in jedem Zeitschriftenladen trafen wir irgendjemanden, mit dem wir am Abend vorher noch an irgendeiner Tresen gestanden hatten. Jedenfalls glaubten wir das, aber Menschen mittleren Alters sehen in Pareo und Badeshorts ja doch sehr anders aus als in Smoking und Abendkleid.

Für einen Bundesaußenminister hat eine Insel wie Mallorca natürlich noch andere, unbezahlbare Vorteile. Die schon erwähnten Flugverbindungen: Allein von Berlin fliegen täglich gefühlte 200 Maschinen nach Palma, da kommt man gar nicht in die Versuchung, die Flugbereitschaft zu bemühen, wie es SPD-Kollegen früher einmal taten. Nette Nachbarn wie Claudia Schiffer, Michael Schumacher und Jürgen Drews sind auch schon da und mit denen muss man wenigstens nicht über Politik reden. Und natürlich die Sprache: Auf Mallorca kommt man zur Not auch mal mit Deutsch weiter, da kann sich ein Guido Westerwelle wenigstens mal richtig entspannen.

Jetzt warten wir gespannt auf die ersten "Insider Tipps" der frisch Zugezogenen mit großer Fotoserie in der Mallorca Zeitung. Die Westerwelles in ihrer Lieblings-Tapas-Bar, beim Kunst kaufen für das neue Domizil in einer Galerie, beim Golfen im exklusiven Club Son Vida. Nur Fotos beim Planschen im eigenen Außenpool wird es wohl eher nicht geben.

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Autor:
Silke Wichert