Kanarische Inseln Lanzarote: Öko-Resorts und Windparks

Obwohl Lanzarote schon seit 1993 ein Biosphärenreservat der Unesco ist, grassierte auf der Insel bis zum Ausbruch der globalen Wirtschaftskrise das Baufieber: Die Ferienzentren expandierten in alle Himmelsrichtungen, und wo keine Großhotels möglich waren, entstanden raumfressende Villenresorts für betuchte Nord- und Südeuropäer. Dennoch blieb Lanzarote jenseits der drei großen Ferienorte weitgehend unverbaut, auf keiner anderen Kanareninsel wird die Landschaft so sehr gehegt und gepflegt.

Das New Yorker Museum of Modern Art erklärte das Weinbaugebiet La Geria zum "Kunstwerk ohne Künstler", und auch die Salzgärten von Janubio erscheinen als gigantisches Werk der Land Art - noch heute wird hier auf traditionelle Art mineralreiches Salz geerntet. Die weißen Dörfer sind perfekt in die Landschaft eingepasst, die von Aloe vera und Palmen gesäumten Straßen eine Augenweide. Erneuerbare Energien sind im Aufwind: Der Windpark nordöstlich von Teguise ist einer der größten Spaniens, investiert wird in High-Voltage-Solarzellen sowie in ohne Einsatz von Erdöl arbeitende Meerwasserentsalzungsanlagen.

Übernachten

Finca de Arrieta

Ein Öko-Resort der feinen Art im Inselnorden: Auf einem großen Grundstück zwischen Strand und Gebirge stehen mehrere Natursteinhäuser, deren gesamter Energiebedarf mit Wind- und Sonnenkraft gedeckt wird; das Wasser stammt aus dem hauseigenen Brunnen. Besonders originell sind die Nomadenzelte ("Jurten"), die mit Samt und Seide ausgeschlagen und mit ausgesuchten orientalischen Möbeln eingerichtet sind - alle haben Küche, Bad und Terrasse. Die Unterkunftspalette reicht von der preisgünstigen Eco Chiquitita Yurta bis zum dreimal so teuren Königszelt. In allen lässt sich die Dachluke öffnen, sodass man mit Blick auf den Sternenhimmel einschlafen und sich von Sonnenstrahlen wecken lassen kann. Anschließend holt man sich im Hühnerstall ein Ei und schaut bei den Kaninchen vorbei, entspannt im Jacuzzi oder beheizten Pool. Die anderen Gäste trifft man im Gemeinschaftshaus, wo auch Paella und Tajine-Abende stattfinden, organisiert von Tila und Michelle, den rührigen Besitzern.

• Arrieta, Calle Lugar Diseminado 34 • Tel. 928826720 • €€/€€€

Arte de Obra

Andere Wege geht Bettina Bork im Palmendorf Haría. "Arte de Obra" (Kulturzentrum - Kunst am Bau): So nennt die einstige Mitarbeiterin César Manriques ihre Pension, in der regelmäßig Workshops zu Umweltschutz, Kunst und Architektur stattfinden. Die Ergebnisse werden in einer kleinen Galerie ausgestellt. Gäste, die Lust haben, ihren Urlaub in Kontakt mit der Bevölkerung zu verbringen, werden von Frau Bork unterstützt: Man frühstückt gemeinsam in der Dorfbar, in der sich vom Bauarbeiter bis zum Bürgermeister halb Haría einfindet; manch einen Abend verbringt man im lokalen Kulturzentrum bei Tapas und Wein. An allen Aktivitäten, die für Dorfbewohner organisiert werden, können auch die Pensionsgäste unkompliziert teilnehmen, sei es am Malkurs oder an der Salsa-Session. Wer auf derlei Aktivitäten keinen Wert legt, bleibt im Haus und erfreut sich an dem von Bettina Bork in klarem Stil schlicht und schön eingerichteten Zimmer; alles ist strahlend weiß und picobello blank, auch die Gemeinschaftsküche! Es gibt einen Garten und mehrere Terrassen, dazu nette Katzen und Hunde. Auch für Alleinreisende ist dies eine gute und dazu preisgünstige Wahl.

• Haría, Calle San Juan 12 • Tel. 92883 5405 • 5 Zimmer und 3 Apartments • € (ohne Frühstück)

Essen und Trinken

Hespérides

In einem alten Herrenhaus von Teguise betreiben Marciano und Kamila einen Demeter-Bioladen und Lanzarotes erstes Bio-Restaurant. Benannt haben sie es nach dem antiken "Garten der Seligen". Das Fleisch stammt von Tieren, die auf der Weide standen, Obst und Gemüse haben Bio-Zertifikat, der Reis ist wild und die Pasta aus Vollkorn. Auch vegane und glutenfreie Gerichte stehen auf der Karte. Die Weine kommen von Öko-Winzern, bei Bio-Bier hat man die Wahl zwischen Plankstetter Dinkel und Rapunzel Pils.

• Teguise, Calle León y Castillo 3 • Tel. 928594012 • So-Di 10-17, Mi-Fr 10-23, Sa 17-24 Uhr • €€

Einkaufen

Bodega Stratvs

Die größte Inselbodega ist so geschickt in die vulkanische Landschaft gebaut, dass man von außen nur ein kleines Haus sieht. Ein ehemaliger Bauernhof wurde in einen Gourmet-Laden mit angrenzendem Innenhof verwandelt, über den man in eine fantastische "Weinkathedrale" gelangt, errichtet aus Naturmaterialien wie Lavastein, Eisen und Holz. Zwar ist der Wein nicht ökozertifiziert, doch wird in der unterirdischen Kellerei größter Wert auf schonendste Behandlung gelegt, damit die Trauben ihr Aroma optimal entfalten können. Im Gourmet-Laden kann man außer Wein auch mehr als ein Dutzend Käsesorten der Marke "Finca de Uga" kaufen.

• An der LZ-30, km 18 • Tel. 92880 9977 • Laden tgl. 10-18 Uhr, Bodega-Besichtigung (mit Wein, Brot und Käse) nach Voranmeldung • Preis 10 €

Lanzaloe

Seit einigen Jahren wird im Norden Lanzarotes Aloe vera angebaut. Nach etwa fünf Jahren ist sie erntereif, dann wird ihren dicken, lanzenförmigen Blättern das gelartige Fruchtfleisch entnommen. Es ist reich an Aminosäuren, Vitaminen und Enzymen und daher ideal für die Pflege der menschlichen Haut. Das Gel wird kalt gepresst und anschließend allerlei Kosmetika beigefügt: Tag- und Nachtcremes, Körperlotionen, Sonnenschutzmilch und Shampoos. Der Aufschwung von Aloe vera ruft Nutznießer auf den Plan: Was sich etwa in Arrieta mit viel Werbeaufwand als "Museo de Aloe" präsentiert, ist nichts als eine kleine Verkaufshalle mit ein paar Schautafeln zur Geschichte der Pflanze. Eine sympathische Adresse ist hingegen "Lanzaloe" südlich von Órzola, wo Besucher "live" in die Produktion eingeführt werden. Die zugehörige Plantage liegt unmittelbar vor der Haustür, eine endlose Folge von aufgereihten Aloevera-Pflanzen. Ihr blasses Grün passt vortrefflich zu den Ocker- und Rottönen der umliegenden Berge.

• Órzola, La Quemadita 96 • Mo-Sa 11-17 Uhr

El Mirador de las Salinas

Wo man den schönsten Blick auf die Salinen hat, hat sich ein (nicht-ökologisches) Restaurant angesiedelt, das zugleich die einzige Verkaufsstelle für das hier gewonnene Meersalz ist: Da das "weiße Gold" nicht erhitzt wurde, ist es reich an Mineralien, was den Speisen eine spürbar herbe, würzige Note verleiht.

Yaiza, El Hervidero 7, Salinas del Janubio • Tel. 928173070 • Di-So 11-20 Uhr

Quesería Rubicón

Tausende von Ziegen und Schafen durchstreifen die Täler und Höhen Lanzarotes. Aus ihrer Milch wird Käse gewonnen, der regelmäßig internationale Preise abräumt - so auch beim "World Cheese Award", dem wichtigsten internationalen Ranking. Weder Konservierungs- und Farbstoffe noch andere künstliche Substanzen werden ihm beigemischt, zur besseren Konservierung wird die Rinde mit Paprika, Olivenöl oder Gofio eingerieben. Es gibt Käse aus roher und pasteurisierter Milch, mit Lab oder Artischockensaft fermentiert, in allen Reifegraden und auch geräuchert. Bio-Käse aus Lanzarote bekommt man auf dem Samstagsmarkt in Haría und den überdie Insel verstreuten Bauernmärkten, die aber oft nur einmal pro Monat abgehalten werden. In der Quesería Rubicón, im Ortszentrum von Femés (ausgeschildert), kann man jeden Tag vorbeischauen. Fragen Sie nach Señor Basilio - bei ihm können Sie Käse kosten und kaufen!

Femés, Plaza de San Marcial 3 • Mo-Sa 10-20, So 10-15 Uhr

Aktivitäten

Lanzatrekk

Im Rahmen einer Wanderung über die "Insel der schlafenden Vulkane" kann man viel erfahren über Geschichte und Botanik. Zu empfehlen sind die Touren durch das Famara-Massiv!

• Guatiza, Calle Aroma 18 • Stephan Isenmann: Tel. 696083345 • 25/28€ (bei eigener Anreise zum Ausgangsort)

Museo de Cetáceos

Puerto Calero wartet mit dem einzigen Walmuseum der Kanarischen Inseln auf. Geht man zum Hafen hinab, weist das Originalskelett eines Riesenwals den Weg zum Eingang. Im Museum sind lebensgroße Reproduktionen von mehr als 20 Walarten zu sehen, darunter dem Pottwal, dem Glatt- und dem Schnabelwal. Man sieht sie in Videos und hört ihre Gesänge, erfährt, wo sie Futter finden, wie sie sich vermehren und ihren Nachwuchs schützen. Die Ausstellung geht zudem der Frage nach, wie man die vielen Wale in kanarischen Gewässern besser schützen kann. Alle Informationen gibt es auch in deutscher Sprache.

• Puerto Calero, Ed. Antiguo Varadero • Tel. 928849560 • Di-Sa 10-18 Uhr • Eintritt 8€, Kinder 5€

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Dieser Text von Dieter Schulze ist ein Auszug aus dem MERIANlive-Reiseführer "Lanzarote"