Balearen Ibizas Strände

Die Baleareninsel Ibiza ist mit 571 Quadratkilometern nun wirklich nicht groß, dafür ist ihre Strandvielfalt umso überraschender. Die fast 60 Strände auf der Insel könnten unterschiedlicher nicht sein. Im Norden trifft man auf zerklüftete Felsbuchten mit seltenen Vogelarten und urigen Fischerhütten, im Süden auf lange weiße Sandstrände im Naturgebiet der Salinen.

Außerdem gibt es zu vielen Buchten durchweg spannende Geschichten: So ist die Cala Benirras für ihre Vollmond-Trommelkonzerte berühmt und die Cala d'Hort für schräge Mythen von gelandeten Ufos und Sirenen. Vor der Weiterfahrt in die Cala Olivera muss man einen Checkpoint passieren, und in der Cala d'Albarca landeten früher Piraten an. MERIAN.de stellt die schönsten Strände auf Ibiza vor.

Platja ses Salines - für die Schönen und Reichen

Natürlich ist der Platja ses Salines, dessen Namenspate das nahegelegene Salzgewinnungs- und Naturschutzgebiet "Ses Salines" ist, auch so bekannt, weil Kate Moss und andere schöne und reiche Menschen schon ihre Zehen ins kristallklare Wasser gesteckt haben (oder im Restaurant "Malibu" zu Tisch saßen). Allerdings ist der fast ein Kilometer lange Strand mit dem feinen hellen Sand nicht ohne Grund so beliebt: Seine mit Pinien- und Wacholderwäldchen bewachsenen Dünen schirmen ihn von der Straße und den Parkplätzen ab, und auch sonst stört kein Beton-Apartmenthotel den Blick auf die Natur, wie am nahegelegenen Partystrand Platja d'en Bossa; der Strandabschnitt an der Südspitze der Balearen-Insel gehört zum Naturpark, eine Bebauung ist untersagt.

Dafür reihen sich in der Hochsaison ein Heer von Liegen und weißen Schirmen in der Bucht aneinander. Von der legeren Strandbude "Jockey Club" schallen Lounge-Beats über den Strand, direkt davor legen Yachtbesitzer mit ihren Dingis an, im flachen und sauberen Wasser planschen Kinder. Im "Sa Trinxa" am Ostende des Strands trifft sich die jugendliche Partyszene und entspannt sich für die nächste Nacht im Amnesia oder im Space. Wer lieber seine Ruhe hat, sollte es mal ganz im Osten probieren, dort schließen sich Felsklippen mit Mini-Buchten an den Strand an. An der Spitze der Landzunge steht ein alter Wehrturm, der auch den Übergang zum FKK-Strand Platja des Cavallet markiert.

Cala Xarraca - Revier für Schnorchler & Romantiker

Ein bisschen Möwengekreische, Grillenzirpen und das laute Rauschen des Meeres: Mehr Lärm gibt es an diesen hübschen kleinen Buchten meistens nicht. Südwestlich des großen Ferienorts Portinatx an der landschaftlich wilden Nordküste reihen sich drei Strände mit teils urigen Bootshäusern, Restaurants und Felsformationen an der Küstenstraße aneinander.

Wer nicht unbedingt den feinkörnigsten Sand zum Glücklichsein braucht, kann hier seine Urlaubstage ungestört von Pauschaltouristen und Partyvolk mit Kontemplation, Baden und Schnorcheln verbringen. Sei es in der halbmondförmigen Bucht Cala Xarraca, die sich so weit ins Landesinnere zieht, dass sie trotz ihrer Nordlage vor stärkeren Wellengang geschützt ist, oder einen Kilometer weiter am Strand S'Illot des Renclí, der eigentlich so winzig ist, dass man ihn fast nicht mehr zur Kategorie Strand zählen dürfte.

Danach folgt die kieselige Bucht Cala Xuclar, zu der eine auf den ersten Blick furchterregend steile Zufahrtstraße führt. Doch davon sollte man sich nicht abschrecken lassen, besonders diejenigen nicht, die mit Flossen und Brille auf die Suche nach Barschen, Oktopussen, Meerpfauen und Barracudas gehen wollen: Trotz ihrer Nordlage sind die Strände durch Felsklippen vor starkem Wellengang geschützt und bieten so ideale Bedingungen für einen Schnorchelausflug in die Unterwasserwelt.

Cala d'Hort - Strand der Mythen

Besonders Mystery-Fans könnten dieser beschaulichen Bucht viel abgewinnen: Denn neben ihrem von Kieseln durchsetzten groben Natursandstrand und dem herrlich türkisfarbenen Wasser verdankt der etwa 150 Meter lange schmale Cala d'Hort im Westen Ibizas seinen Ruhm wohl vorrangig dem 382 Meter großen Felsenkoloss Es Vedrà, der steil aus dem Meer ragt und Gegenstand allerlei abenteuerlicher Mythen ist: Odysseus' Sirenen sollen von dort aus Seefahrer in die Klippen gesungen haben, Menschen seien hier verschwunden und Ufos haben den Felsen angeblich als Landeplatz genutzt. Obendrein wird er auch noch als Spitze des untergegangenen Atlantis gehandelt. Ein starkes Kraftfeld vermuten die esoterisch veranlagten Touristen, die hier am frühen Morgen oder abends gerne meditieren - mit Blick auf den nur von Ziegen bewohnten Felsen und seinen gänzlich unenergetischen kleinen Nachbarn Es Vedranell.

Doch nicht nur für Meditierende und Naturliebhaber ist die 2002 zum Naturpark erklärte Landschaft erfrischend, auch für Freunde von dramatischen Sonnenuntergängen lohnt ein Abstecher zum etwa 200 Meter langen Strand, der an beiden Seiten von Felswänden eingefasst ist. Auf den Terrassen des "Chiringuito del Carmen", einem Strandlokal, hat man bei einer Paella einen guten Blick auf den ins glutrote Licht getauchten Felsen und kann sich ausmalen, warum so viele wilde Legenden ihn so farbenprächtig in Szene setzen. Nur zum Felsen schwimmen sollte man nicht - die gefährliche Strömung und die Entfernung hat schon so manch geübter Schwimmer hier unterschätzt.

Cala Es Bol Nou - Mini-Grand Canyon mit Glückserde

In schönen Orangetönen leuchten die aus Lehmfelsen geformten Steilküsten, die die kleine, nur 70 Meter lange und mit etwa 15 Metern sehr schmale Natursand-Bucht der Es Bol Nou umgibt. Besonders bei spanischen Familien ist der Strand, der mit seinen zerfurchten Felswänden wie ein Mini-Grand-Canyon wirkt, sehr beliebt. Manche Badegäste machen sich aus dem Lehm der Felswände eine Art Fangopackung. Auch die Stranderde findet hier neben einer weichen Fläche fürs Handtuch noch andere Verwendung. Einige Bewohner von Ibiza glauben, dass sie Glück bringt und tragen ein Säckchen mit dem Sand um den Hals.

In der östlich gelegenen Bucht säumen Fischerhütten und Bootsgaragen die Felsen. Um die Ecke vom Parkplatz liegt das Strandlokal "Sa Caleta", das für seinen alkoholhaltigen "Cafe Caleta" und seinen frischen Fisch berühmt ist. Benannt ist das Restaurant nach der nahegelegenen phönizischen Siedlung, die zum Weltkulturerbe gehört, deren Überreste allerdings umzäunt und etwas spärlich sind. Der Strand ist in den meisten Karten auch nach dieser Siedlung benannt.

Cala Benirràs - Jam-Sessions am Finger Gottes

Der 160 Meter lange Strand an der nördlichsten Spitze Ibizas hat eine gewisse Prominenz: Nina Hagen hat 1987 hier geheiratet, und in manchem Werbespot spielt er die heimliche Hauptrolle. Kein Wunder, bei einem wolkenfreiem Sommerhimmel leuchtet das Meer hier geradezu karibikblau, kleine Boote schaukeln im Wasser und man hat einen schönen Blick auf die dem Strand vorgelagerte bizarre Säuleninsel Es Cap Bernat, die im Volksmund auch "Finger Gottes" genannt wird. Wer auf dem groben Sand- und Kiesstrand keinen Platz fürs Handtuch findet, kann bei den Klippen eine härtere, aber auch ruhigere Bleibe finden.

Doch nicht Rockerbraut Hagen machte diese Bucht so beliebt. Hippie-Flair, Vollmondpartys und spontane Jam-Sessions sorgten dafür bereits in den 1960er Jahren. Ein Geheimtipp ist diese Bucht deshalb schon lange nicht mehr, aber ein Abstecher, gerade gegen Abend hin, lohnt trotzdem. Auch heute noch begleiten Bongo-Trommler und Gitarrenspieler an vielen Abenden den Sonnenuntergang mit musikalischen Perfomances und sorgen dafür, dass die kleine Zubringerstraße hoffnungslos zugeparkt ist. Am besten, man kommt früh, denn später am Abend sind Parkplätze oft Mangelware.

Cala Mastella - mit dem besten Fischlokal

Unaufgeregt kommt diese kleine Bucht im Nordosten daher und ist darum für Freunde von Wassersport-Manövern, Selbstdarstellern, Anbaggerei und Chillout-Bars denkbar ungeeignet. Für alle anderen ist das hohe Schilf des Sumpfgebietes, das den klitzekleinen Strand säumt, die wenigen Liegenreihen vor dem Ozean und der schöne unverbaute Blick Grund genug, hier in Ruhe Sonne zu tanken und sich bei einem guten Buch zu entspannen. Wenn der Strand schattig wird, und das wird er leider relativ früh, ist es an der Zeit ein weiteres triftiges Argument kennen zu lernen, warum man zumindest einmal am Cala Mastella gewesen sein sollte.

Geht man nämlich auf dem Pfad auf der linken Seite der Bucht entlang, kommt man direkt zum rustikalen Restaurant Cala Mastella mit Holzbänken und kräftigem Landwein, besser bekannt als "El Bigote" ("der Schnurrbart"). Juan ist berühmt für seine leckeren Fischsuppen mit Reis aus einem Riesenkessel. Er verwendet ausschließlich frischen Fang aus der Region und findet mittlerweile in jedem Reiseführer als "Geheimtipp" Erwähnung. Telefonische Reservierung ist hier zwecklos, bei "El Bigote" muss man persönlich vorbeischauen und bestellen. Und dabei gibt es keine Ausnahmen. Gerüchten zufolge hat der Schnurrbart selbst dem spanischen König Juan Carlos, der einst mit seiner Yacht vor der Bucht ankerte, eine Absage erteilt. Er hatte tags zuvor nicht persönlich reserviert.

Cala Olivera - Märchenstrand mit überwachter Zufahrt

Wer an dieser romantischen ursprünglichen Mini-Bucht baden will, muss mit seinem Fahrzeug erst einmal eine Sicherheits-Schranke passieren: Vorsichtsmaßnahmen der Nobelsiedlung "Roca Llisa", die auf dem Weg zum Strand liegt, und mit Videoüberwachung und Checkpoint abgesichert ist. Doch die Unannehmlichkeit lohnt sich, denn der Kieselstrand am Ende der zwei Kilometer langen steilen Schotterpiste hat Charme, kristallklares Wasser und ist vor allem als einer der wenigen Strände Ibizas bar jeder touristischen Infrastruktur.

Es schadet also nicht, einen Sonnenschirm und einen kleinen Picknickkorb zur Selbstverpflegung dabei zu haben. Alleine ist man in der Hochsaison trotz alledem nicht - mit etwas Glück zumindest am ganz frühen Morgen, dann, wenn die Bewohner des Nobeldorfs noch ihr Frühstücksei kochen.

S'Aigua Blanca und Platja d'es Cavallet - hüllenlos

Gleich zwei schöne FKK-Strände sind auf der Baleareninsel zu entdecken. Auf dem unverbauten 110 Meter langen Platja d'es Cavallet im Süden Ibizas an der Grenze zum Kultstrand Platja des ses Salines kann man ganz offen die Hüllen fallen lassen. Der Strand erinnert mit seiner (abgesperrten) Dünenlandschaft und dem starken Wind vom offenen Meer ein wenig an die Nordsee.

Besonders bei hoher Brandung kann man dort außerdem viele Kitesurfer bei wagemutigen Sprungmanövern beobachten. Am südlichen Ende trifft sich die Homosexuellen-Szene Ibizas,vor allem am Strandlokal Chiringay. Der zweite offizielle Nacktbadestrand ist der S'Aigua Blanca mit vielen kleinen Buchten im gegen Abend hin schattigen Nordosten der Insel bei Santa Eulalia. An diesem schönen 300 Meter langen Sandstrand sind allerdings oft Bikini und Short in der Überzahl.

Cala d'Albarca - Windige Piratenbucht mit Ginsterkatzen

Einsamer geht's kaum: Die von hohen rötlichen Felswänden und dichtem Pinienwald eingerahmte Cala d'Albarca an der Nordküste, an der früher oftmals Piraten anlandeten, ist erst nach bis zu einer Stunde Wanderung über einen Grat zu erreichen. Vom Wanderweg aus hat man schöne Ausblicke über Hügel, Wälder und Felsenlandschaften, die senkrecht ins Meer abfallen.

Auf dem steinigen Weg zum Strand, der ab der kleinen Ortschaft Sant Mateau ausgeschildert ist, trifft man höchstens mal seltene Vogelarten wie einen europäischen Bienenfresser oder, wenn man Glück hat, ein seltenes Raubtier wie die nordafrikanische Ginsterkatze. Manchmal schreckt der Weg allerdings auch Party-Volk nicht ab, das Einsamkeit unter lauschigen Bäumen sucht und den ganzen Nachmittag seinen Körper zu Trancemusik wiegt.

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Autor:
Bettina Hensel