Kanarische Inseln Gran Canaria: Sauberer Strom

Sonne und Wind haben die Kanaren im Überfluss, doch Pioniere in der Entwicklung erneuerbarer Energien wurden sie nicht. Erst als großzügige EU-Subventionen winkten, legte die Kanarenregierung ein entsprechendes Programm auf. Immerhin soll nun bis 2020 ein Viertel des Stromverbrauchs auf Gran Canaria sauber generiert werden. Die Kanarier müssen sich sputen, um die Sünden der Vergangenheit aufzuarbeiten. Bis vor Kurzem standen zahlreiche Bewohner allem, was ökologisch ist - von der Mülltrennung bis zum Recycling - recht gleichgültig gegenüber. Nur den Aktivitäten der Umweltschützer ist es zu danken, dass sich die Tourismusindustrie über Puerto de Mogán nicht weiter nordwärts hat ausbreiten können - so gelang es, den Bau der schon genehmigten Bettenburgen in Veneguera zu verhindern.

Im Landesinneren wurden inzwischen weite Gebiete unter Naturschutz gestellt, 40 Prozent der Inselfläche sind zum Biosphärenreservat der UNESCO erklärt worden. Mittlerweile gibt es einen Universitätslehrstuhl für Biodiversität, eine Meeresforschungsstation und ein Zentrum für bedrohte Arten. Und in der Hauptstadt Las Palmas haben zahlreiche Bio-Läden (span. Bezeichnung: "herbolario") eröffnet.

Übernachten

Hotel Las Calas

Eine romantische Landunterkunft auf ca. 1100 m Höhe mit drei restaurierten Natursteinhäusern, die sich um einen Garten voller Apfelsinen- und Zitronenbäume gruppieren. Die Anlage befindet sich in einem kleinen Weiler 3 km oberhalb von Vega de San Mateo, rasch gelangt man von hier mit einem Leihwagen über die Wetterscheide.

• La Lechuza, El Arenal 36 • Tel. 92866 1436 • 7 Zimmer • €€€

Essen und Trinken

Inselwein - Bodega Martell

Seit der Eroberung vor 500 Jahren wird auf Gran Canaria Wein angebaut. In seinem Drama "King Henry IV" legt Shakespeare einer Wirtin die Worte in den Mund: "Ich schwör', du hast zu viel kanarischen Wein getrunken; das ist ein wunderbar eindringlicher Tropfen, er parfümiert das Blut, noch eh' man fragen kann, was das denn sei" Nach einer langen Phase des Niedergangs knüpft man jetzt mithilfe der EU wieder an alten Ruhm an. Nicht nur im klassischen Weinanbaugebiet zwischen

Santa Brígida und Bandama, sondern auch im Süden und gar in den Gipfellagen werden Trauben angebaut. Knapp 40 verschiedene Rebsorten sind zugelassen, eine enorm hohe Zahl, die sich dem Umstand verdankt, dass es auf den Kanaren nie eine Reblausplage gab. Das ganzjährig milde Klima, der vulkanische Boden und der Passatwind sorgen für kräftige, gehaltvolle Weine, von denen sich einige mit dem staatlichen Gütesiegel Denominación de Origen ("geschützte Herkunftsbezeichnung") schmücken dürfen. Eine urige Adresse, um den hausgemach-ten Monte-Rotwein der Marke "Martell " nebst dazu passenden Fleischgerichten zu kosten, ist das von Señor Antonio Falcón geführte Lokal Martell 4 km südlich von Santa Brígida.

El Madroñal, GC-15, km 8,3 • Tel. 928641283 • tgl. 12-17, 20-23 Uhr (Sept. geschl.) • €€€

Bambú

Zwar befindet sich Gran Canarias einziges vegetarisches Restaurant in bester Lage am Canteras-Strand, doch kommt es mit so viel Understatement daher, dass man es leicht übersieht. Kein Schild weist den Weg in den kleinen, asketisch gestylten Raum, doch die "Fusion-Küche", die hier serviert wird, gehört zu den besten - und zugleich preisgünstigsten - der Insel. Gekocht wird mit Zutaten aus Bio- und Delikatessenläden, die Gerichte haben einen stark asiatischen Einschlag. Ein Menüvorschlag: vorneweg Salat mit schwarzen Pilzen und Roquefort-Vinaigrette ("ensalada de hongos negros"), danach Kichererbsen-Schnitzel mit Kapernsoße und Apfel-Erdbeer-Beilage ("escalope de garbanzos") und zum Abschluss Möhren-Kokos-Kuchen ("tarta de zanahoria"). Ein kanarischer Wein rundet schließlich die Mahlzeit ab.

Las Palmas, Paseo de las Canteras 63 • Tel. 928226146 • Di-So 12-17, 20-23.30 Uhr • €€

Rico Rico

"Möglichst Produkte von hier", so lautet die Devise von Señor Fran. Und da Vega de San Mateo das landwirtschaftliche Zentrum Gran Canarias ist, hat er leichtes Spiel: Gemüse und Kartoffeln, Obst und Kräuter kommen vom Garten des Großvaters, der obendrein aus der Milch seiner Ziegen köstlichen Käse zubereitet. Fleisch kauft Fran auf dem hiesigen Sonntagsmarkt und den Wein exklusiv bei den Winzern des Dorfes.

"Nur der Fisch", so Fran, "der kommt von der Küste!". Das Lokal besitzt zwar kein offizielles Bio-Zertifikat, doch entspricht sein Konzept exakt dem von "Slow Food": Außer den Produkten stammen auch die Rezepte aus der Region und werden zeitgemäß abgewandelt. Da die Preise sehr fair sind, bestellt man gern den einen oder anderen zusätzlichen Gang.

Vega de San Mateo, El Retiro 5, • Tel. 928661907 • tgl. ab 12.30 Uhr • €/€€

Einkaufen

Dulcería Nublo

An den warmen Südhängen der Berge wachsen Mandelbäume, die Ende Januar rosa-weiß blühen. Im Sommer, wenn die Früchte reif sind, werden ihnen die Samen, die wir "Mandeln" nennen, entnommen. Sie werden geröstet oder zu einer feinen Masse zermahlen, aus der allerlei Köstlichkeiten entstehen: Makronen und Mandelkuchen, in Schokolade getauchte Mandelbällchen und ein süßes Mousse namens Bienmesabe, das übersetzt "es schmeckt mir gut" heißt und noch dem fadesten Dessert eine raffinierte Note verleiht. Zubereitet und verkauft werden diese leckeren Mandelspezialitäten in der Bergkonditorei Nublo.

Tejeda, Calle Dr. Hernández Guerra 15 • tgl. 9-19 Uhr

Museo de Historia

Spanien ist der weltweit größte Hersteller von Olivenöl. Auch auf Gran Canaria wachsen Olivenbäume, doch bis vor Kurzem wurden nur die Früchte, pikant eingelegt, verwendet. Seit aber die EU das Anpflanzen von Olivenbäumen und die Anschaffung von Pressen subventioniert, hat man umgesattelt: Nun wird aus den Oliven erstklassiges, kalt gepresstes Öl ("virgen extra") gewonnen. Es hat einen milden, nussigen Geschmack und wird im Museo de Historia in Agüimes in dekorativen Fläschchen verkauft.

Agüimes, Calle Juan Alvarado y Saz 42 • Di-So 9-13, 16-18 Uhr

Bauernmärkte ("Mercadillos")

Hier erhält man Ware vom Erzeuger, was für alle Beteiligten Vorteile hat: Die Bauern verdienen mehr, weil die Zwischenhändler umgangen sind, und die Kunden freut's, dass sie erstklassige, frische Lebensmittel von der Insel bekommen - meist preisgünstiger als im Supermarkt. Je nach Saison gibt es knackige Orangen und Zitronen, Avocados und Mispeln, Mangos, Papayas und Guaven und weitere exotische Früchte. Außerdem werden Käse, Wein und Obstlikör angeboten, dazu hausgemachte Kaktus- und Tomatenkonfitüre, pikant eingelegte Oliven und Mojo-Saucen, Backwaren und Würste. Die urigsten Bauernmärkte finden derzeit in Artenara, Arucas und San Fernando de Maspalomas statt - die Termine bitte bei der Touristeninformation erfragen! Eine Institution auf der Insel ist der Markt am Sonntagvormittag in San Mateo, wo man sich auch mit Fisch und Fleisch vom Grill stärken kann.

Feste und Events

Fiesta del Queso

Auf den Almen des Nordwestens sieht man Schafe, im Landesinnern auch Ziegen, die aller Schwerkraft spottend die steilsten Hänge erklimmen. Aus ihrer Milch wird Käse gewonnen, der - je nachdem, in welcher Klima- und Vegetationszone die Tiere weideten - einen unterschiedlichen Geschmack hat. Meist wird er aus Rohmilch gewonnen und ist garantiert frei von Konservierungs-und Farbstoffen. Die schönste Gelegenheit, sich von der Qualität der einheimischen Molkereiprodukte zu überzeugen, hat man beim Käsefest, das jedes Jahr am letzten Aprilwochenende auf dem Marktplatz von Guía stattfindet: Außer Kostproben aller Anbieter gibt es Wein, Musik, Tanz und eine ausgelassene Stimmung. Eine Woche später wiederholt sich die Fiesta hoch oben in den Bergen von Montaña Alta, wo gewiss auch Doña Teresa ihre Produkte ausstellt - sie hat in den vergangenen Jahren immer wieder Preise für den von ihr erzeugten Käse "Lomo Gordo" gewonnen. Die im Bergdorf 2007 mit EU-Subventionen erbaute "Casa del Queso" öffnet vorerst nur für die Tage des Festes.

Aktivitäten

Zu Fuß von Hotel zu Hotel

Franz Miltenburg hat eine kluge Form des Wanderns konzipiert: "Selbst geführt" läuft man je nach Wunsch fünf oder sieben Tage quer über die Insel, lernt das touristisch unberührte und grüne Gran Canaria kennen und kehrt anschließend in romantischen Komforthotels ein. Man kann ganz unbeschwert marschieren, denn das Gepäck reist im Taxi voraus! Die Route beginnt im Guayadeque-Tal im Südwesten und endet im Agaete-Tal im Nordosten. Für Gruppen gibt es sie auch in geführter Form (6-16 Personen).

- Geführte und selbst geführte Wanderungen • Maspalomas, Apartado de correos 521 • Tel. 699124985

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Dieser Text von Dieter Schulze ist ein Auszug aus dem MERIANlive-Reiseführer "Gran Canaria"