Kanarische Inseln Fuerteventura: Das Biosphärenreservat

2009 wurde die gesamte Insel zum Biosphärenreservat erklärt. Damit bestätigte die Unesco, dass auf Fuerteventura eine "nachhaltige Entwicklung" angestrebt, d. h. die wirtschaftliche Erschließung nicht auf dem Rücken der Natur ausgetragen wird. Doch wer die Insel kennt, ist überrascht: Wurden nicht die schönsten Strände mit Bettenburgen zugepflastert? Begräbt nicht eine EU-finanzierte Schnellstraße zahlreiche Barrancos? Und gibt es auf der Wüsteninsel nicht mehrere "wasserfressende" Golfplätze? Die Lobby der Bauindustrie, in Spaniens Boomzeiten eine Art Staat im Staat, hat sich stets gegen Einwände des Umweltschutzes durchgesetzt. So mag es scheinen, das Label "Biosphärenreservat" sei nur eine weitere Strategie, um neue Touristenströme anzuzapfen.

Zum Glück wurde Fuerteventura erst relativ spät vom Tourismus "entdeckt", so dass weite Gebiete verschont blieben. Das gilt auch für die Dünen von Corralejo, das sanft gerippte Gebirge von Betancuria und den Saladar de Jandía, ein Feuchtgebiet. Am Strand von Cofete wurde jüngst ein ambitioniertes Programm zur Wiedereinführung der Karettschildkröte gestartet.

Übernachten/Essen und Trinken

Risco del Gato

Das Suite-Hotel wurde bereits mit vielen Umweltpreisen bedacht. Organische Abfälle speisen eine Biogasanlage, die aus ihnen Dünger und - zwecks Stromerzeugung - Methangas produziert. Abwässer werden in einer Pflanzenkläranlage gereinigt, auf dass sie der Bewässerung des Gartens dienen. All dies bleibt dem Auge des Gastes freilich verborgen. Was er sieht, sind bumerangförmige Bungalows, die innen und außen in Sand- und Ockertönen gehalten und so gestylt sind, dass sie auf der "Insel des starken Windes" ("fuerte ventura") stets Windschutz bieten. Der Garten präsentiert sich in meditativer Strenge, wie es sich für eine Wüsteninsel gehört. Das Frühstück genießt man auf der Terrasse unterm Mimosenbaum und das Abendessen in einem Kuppelbau, in dem nichts zu hören ist als das Plätschern von Wasser. Mit vergleichsweise wenigen Gästen gibt es im Risco del Gato so viel Weite und Intimität, dass man wunderbar zur Ruhe kommen kann.

• Costa Calma, Cañada del Río • Tel. 928547175 • 51 Bungalows • €€€€

Casa Isaítas

Das Natursteinhaus im Dorfzentrum von Pájara erinnert ein wenig an ein Kloster: Ein Gebäudeflügel mit vier einfachen Zimmern umspannt einen begrünten Innenhof, in dem die Gäste unter sich sind. Ein knarrendes Tor öffnet den Weg zum zweiten Hof, in dem sich das rustikale Restaurant befindet. Bekannt ist es für seine spanische Hausmannskost mit vielen Zutaten, die aus aus Öko-Anbau stammen; dazu gibt es besten Ziegenkäse, frischen Fisch und Fleisch.

• Pájara, Guize 7 • Tel. 928161402 • 4 Zimmer • €€€

Casa Marcos

Señor Marcos liebt alte Fuerte-Traditionen: In einem restaurierten Bauernhaus abseits der Durchgangstraße serviert er Tapas-Kreationen, immer dabei Thunfisch-Carpaccio und -Kroketten, Schinken und Lamm, Ziegenkäse in vielen Variationen, auch gebraten und mit Tomaten-Chutney. Abends wird das Mahl von kanarischer Folklore untermalt. In einem kleinen Laden können Delikatessen von der Insel erworben werden.

Ctra. FV-101, Km. 4.6 • tgl. außer So ab 12.30 Uhr • €€

Einkaufen

Aloe Vera Fresca

Die genügsame, wärmeliebende Pflanze findet auf Fuerteventura alles, was sie zum Gedeihen braucht: ein konstant warmes Klima mit viel Sonne. Sie wächst auf großen Plantagen heran, z. B. zwischen Tuineje und Tiscamanita. Frühestens nach fünf Jahren wird ihren dicken, lanzenförmigen Blättern jenes geleeartige Fruchtfleisch entnommen, das dank seiner Vitamine und Enzyme für die Pflege der Haut ideal ist. Mittlerweile wird Aloe Vera vielen Kosmetika beigemischt, seine Wirkung entfaltet es freilich am effektivsten, wenn es frisch oder in kaltgepresster Form ohne Zusätze gereicht wird. In mehreren Läden auf der Insel werden Aloe-Vera-Produkte verkauft. Sympathisch klein und sehr freundlich geführt ist der Laden in Betancuria.

• Betancuria, Calle General Moscardó 23 • Tel. 646251039

Mercado agrícola

Alles, was Fuerteventuras Bauern ernten und herstellen, wird am Wochenende auf kleinen Märkten angeboten: frischer und reifer Ziegenkäse, duftendes Anis-Brot und gebrannte Obstschnäpse, frische und getrocknete Früchte, Feigen und Granatäpfel, Orangen und Zitronen. Da man fest gestellt hat, dass Olivenbäume in Fuertes steifer, salziger Brise bestens gedeihen, werden sie verstärkt angepflanzt, so dass man immer öfter pikant eingelegte Oliven aus eigener Produktion sieht, aber auch kaltgepresstes Olivenöl der Marke Fuerteventura. Die Märkte finden von 10 bis 14 Uhr an verschiedenen Orten statt - zuletzt in La Lajita, Pájara und Puerto del Rosario.

Seife aus Ziegenmilch

Ein hundertprozentiges Naturprodukt: Die Milch wird mit Olivenöl kalt angerührt, so dass alle Vitamine, Proteine und Mineralstoffe (Kalzium, Magnesium) erhalten bleiben. Damit das Produkt besser riecht, werden ihm ätherische Öle beigemischt. Haut, die mit Ziegenmilchseife gereinigt wird, trocknet dank der in ihr enthaltenen Lipide nicht aus. Aus Ziegenmilch und Lavasand werden außerdem Peeling-Seifen hergestellt. Man erhält sie in vielen Kunsthandwerksläden, Parfümerien und Drogerien (Parafarmacias).

Ziegenkäse

Zehntausende von Ziegen durchstreifen die karge Landschaft Fuerteventuras. Aus ihrer Milch wird Ziegenkäse gewonnen, der 1995 als Erster in Spanien das begehrte staatliche Gütesiegel ("Denominación de Origen Queso Majorero") erhielt. Weder Konservierungs- und Farbstoffe noch andere künstliche Substanzen werden ihm beigemischt. Auf der Insel gibt es viele Käsereien, und nicht wenige stellen Weltklasseprodukte her - das jedenfalls attestiert ihnen alle Jahre wieder der renommierte World Cheese Award, an dem Molkereibetriebe aus aller Welt teilnehmen. Zu den bisherigen Gewinnern gehörten die Käserei La Montañeta in Casillas del Ángel, Maxorata in Tuineje und Guriamen in Villaverde. Käse aus roher und pasteurisierter Milch aller Reifegrade bekommt man beim Erzeuger oder im Lebensmittelladen. Achten Sie darauf, dass er mit dem Label "Denominación de Origen" ausgezeichnet ist.

Quesos Maxorata Tuineje, Llano La Higuera, Km. 5,5 • Tel. 928870890 (Jaime del Río)

Quesos Guriamen Villaverde, Las Huertas 47 • Tel. 648 075168 (Laura Alonso Hernández)

Quesos La Montañeta Casillas del Ángel 60-B, La Montañeta • Tel. 629014247 (Juan Manuel Rodríguez Morera)

Aktivitäten

Geführte Wanderungen

Von der Ost- zur Westküste quer durch die Dünen der Landenge, längs eines erloschenen Vulkans oder durch das Palmental von Vega de Río Palma zu bizarren Felsen: Dies sind nur einige der Touren, die Hannelore van der Twer seit vielen Jahren organisiert. In ihrem Haus bietet sie auch einfache, preiswerte Apartments an:

Villaverde, Villa Volcana • Tel. 608928380 • Preis 39-49€ inkl. Transfer und Picknick

Spaziergang durch den Saladar de Jandía

Ein schönes Bild: kristallklares, azurblaues Meer, dahinter ein weißer Sandstreifen und ein breiter blassgrüner Saum von Salzwiesen. Nahe der Straße wurde das Skelett eines Wals aufgestellt - Symbol für die Gefahren, die der Natur durch menschlichen Eingriff drohen. Nahe am Wal führt ein attraktiver Holzplankenweg - einer Brücke gleich - über die Salzwiesen zum Leuchtturm. Eine Brücke ist freilich auch nötig, denn bei starker Flut stehen die Wiesen unter Wasser. Das gilt auch für die (seltenen) Tage, wenn sich der Barranco de Vinamar nach winterlichem Regen in einen Fluss verwandelt. An die extremen Schwankungen zwischen Trockenheit und Feuchtigkeit, Salz- und Süßwasser haben sich nur wenige Pflanzenspezialisten 2021 angepasst. Dazu gehören die Küstenpetersilie und die Meerestraube, die in stark verdickten Blättern Feuchtigkeit speichern. Hört man Rascheln im Gebüsch, kündigt sich eine Fuerteventura-Echse an, vielleicht aber auch die seltene Lautenschildkröte ("Dermochelys coriace"), die hier gern Eier legt. Ein Feuchtgebiet dieser Größe (1 Mio. qm) lockt auch Vögel an, die im seichten Gewässer leicht Beute machen. Im Winter kommen Seiden- und Graureiher sowie Löffler, leicht zu erkennen am spachtelartigen Schnabel; ortsfest sind Kanarenschmätzer und -pieper, See- und Kiebitzregenpfeifer. Im Dornengestrüpp am Rand der Salzwiesen hört man zuweilen die Schreie des Kleinen Raubwürgers, der sich bei Nahrungsüberangebot einen Vorrat anlegt: Er spießt seine Beute, kleine Eidechsen und Mäuse, auf Dornen!

------------------------------------------------------------------------------------------

Dieser Text von Izabella Gawin ist ein Auszug aus dem MERIANlive-Reiseführer "Fuerteventura"

Schlagworte: