Slowenien Kleines Weinland Slowenien, groß im Kommen

Tief unter der Erde erstreckt sich über mehrere Kilometer ein weit verzweigtes Tunnelsystem. Es ist der Weinkeller von Ptujska klet, der vor über 500 Jahren angelegt worden ist. Die Angestellten sind dort unten mit den Mountainbikes unterwegs. Inzwischen wird der Verkehr im Untergrund sogar durch Ampeln geregelt, um Zusammenstöße zu vermeiden. Ptujska klet ist einer der Weinerzeuger in Slowenien, der den Übergang von der sozialistischen Planwirtschaft in die kapitalistische Marktwirtschaft problemlos gemeistert hat. Im ehemaligen Vielvölkerstaat Jugoslawien war Ptujska klet eine schwerfällige Genossenschaft, heute ist es ein aktives Unternehmen, das in Ptuj im Anbaugebiet Podravje auf 700 Hektar Weine erzeugt.

Slowenien und sein Weinbau wurden von wechselnden Einflüssen geprägt: Das Land war Teil der Donaumonarchie Österreich-Ungarn, dann Provinz des Königreichs Jugoslawien, später Teilrepublik von Titos Jugoslawien. Heute ist es ein Musterländle unter den EU-Mitgliedern. Im sozialistischen Jugoslawien waren die meisten slowenischen Weine noch schwer gezeichnet von der planwirtschaftlichen Sollerfüllung: Viel Masse, wenig Klasse. Diese Parameter gelten heute nicht mehr. Weine wie der frisch-fruchtige Sauvignon Blanc Pullus aus dem Jahrgang 2010 dürften die Winzer in den angrenzenden Ländern Österreich und Italien erschrecken. Der kleine Nachbar Slowenien, der nicht einmal die geographischen Ausmaße Hessens erreicht, ist auf einer Qualitätsstufe angelangt, die ihm nur Wenige zugetraut hätten.

Die Kellerei Ptujska klet ist nur ein Beispiel dafür, wie Slowenien mit ambitionierten Weinen auf sich aufmerksam macht. "Slowenien", sagt Jozep Zivko, "ist eines der Weinländer, in denen sich in den vergangenen Jahren am meisten getan hat." Zivko, Jahrgang 1973, handelt in Hamburg mit slowenischen Weinen, er legt strenge Maßstäbe an die Winzer und deren Erzeugnisse. Jozep Zivko ist ein Wanderer zwischen den Kulturen, er ist in Hamburg geboren, als Sohn eines slowenischen Winzers, der in Deutschland sein Glück suchte. Er lebte mehrere Jahre im slowenischen Ljutomer, bevor er wieder an die Elbe zurückkehrte. "Slowenien hat geeignete Lagen, um vor allem hervorragende Weißweine zu erzeugen", sagt Zivko. "Und interessante regionale Sorten, die man in Deutschland nicht kennt." Aus der Rebsorte Šipon beispielsweise lassen sich, ähnlich wie beim Riesling, Weine verschiedener Spielarten erzeugen, von trocken bis edelsüß.

Zwischen grünen Hügeln spielen Nebel und Sonne miteinander. Ein Klapotetz streckt seine hölzernen Arme weit von sich und ächzt im Wind, wenn er sich dreht. Klapotetz, so werden in Slowenien und der Südsteiermark Windräder mit mehreren Flügeln genannt, die mit ihrem Geklapper Vögel aus den Weinbergen vertreiben und Gäste anlocken sollen. Auch in der Nähe der Kellerei Radgonska Gorice steht ein Klapotetz. Radgonska Gorice ist der größte Produzent von Schaumweinen in Slowenien, schon seit 1852 werden sie an der Grenze zur österreichischen Steiermark hergestellt. Die Sekte reifen in einem besonderen Ambiente: Ein kleiner Wasserfall gleitet über Felsen in den Flaschenkeller. Der Rosé-Sekt aus Pinot-Noir-Trauben ist ein prickelndes und animierendes Vergnügen mit Aromen von Erd- und Himbeeren.

In den vergangenen Jahren haben einige Winzer aus Österreich das Potenzial slowenischer Lagen erkannt und Weinberge erworben. Einige engagierten sich auch in slowenischen Weingütern wie der burgenländische Winzer Erich Krutzler bei Dveri Pax, einem Weingut des Benediktinerstiftes Admont, das in der Ortschaft Jarenina liegt. Schon im 12. Jahrhundert kultivierten Benediktinermönche hier Reben, Dveri Pax setzt diese Tradition fort und hat sich mit seinen Weinen nicht nur in Slowenien einen guten Ruf erworben. Der Traminec 2009 ist ein trocken ausgebauter Traminer, der sich blendend macht als Aperitif und zu Vorspeisen. Mit einer Anbaufläche von 68 Hektar zählt auch Dveri Pax zu den größeren Erzeugern Sloweniens.

Mit einem kleinen Teil dieser Fläche gibt sich der Winzer Kmetija Šumenjak zufrieden, der in Jakobski Dol Grauburgunder, Sauvignon Blanc, Muskateller, Riesling, Chardonnay und Blauburgunder anbaut. Auf fünf Hektar betreibt er biologischen Weinbau und zwar so überzeugend, dass das kleine Weingut sogar als einziger slowenischer Vertreter von der Plattform der Bio-Weinbauern aus der Steiermark aufgenommen worden ist. Ein kurioses Ereignis, wenn man um die alten Ressentiments zwischen österreichischer Steiermark und slowenischer Štajerska weiß.

Zu Gast auf der Oscar-Verleihung

Kmetija Šumenjak ist ein zurückhaltender Mann, ganz anders dagegen gibt sich Zmago Petric, Eigentümer des Weingutes Guerila in Ajdovšèina an der slowenischen Adriaküste. Seine Weinberge erstrecken sich an den Südlagen der Hügel von Planina, auf fast 400 Meter Meereshöhe. Den Küstenbewohnern wird nachgesagt, dass sie lebensfroh und unbeschwert seien. Seinem Weingut hat Petri einen kämpferischen Namen verpasst, auch das Design der Etiketten ist bunt ausgefallen.

Aber die Weine, die Petric mit seinem Weinmacher Uroš Bolina erzeugt, haben diese schillernde Werbung gar nicht nötig. Guerila beeindruckt nicht nur mit dem aromatischen und charaktervollen Weißwein Pinela, einer autochthonen Sorte, die nur im Vipava-Tal wächst. "Das ist eine der neu entdeckten Perlen unserer Vergangenheit", sagt Petric, der auch Merlot, Barbera und Cabernet Sauvignon anbaut. Tradition und Moderne zu verbinden, das schafft Guerila und damit eine schillernde Facette im slowenischen Weinbau.

Guerila ist eines der Weingüter, die außerhalb Sloweniens gefragt sind, wie auch das Weingut Santomas, das ebenfalls im slowenischen Istrien liegt. Im Dorf Smarje bei Koper bewirtschaften Ludvik Nazarij Glavina und seine Kellermeister Claude Gros und Marino Morgan 25 Hektar Rebfläche, darauf stehen die regionalen Sorten Refošk und Malvazija, aber auch die international gefragten Cabernet Sauvignon und Merlot. Schon der einfache Cabernet Sauvigon zeigt, dass sich Santomas auf diese Rebe versteht, er wird geprägt von einer intensiven Holunderfrucht und einer angenehmen Säure. Santomas hat auch für die Träger dicker Geldbeutel Prestige-Cabernets im Sortiment, die schon bei der Oscar-Verleihung in Los Angeles serviert wurden. Zu den Kunden des Weingutes sollen auch Beyoncé und Bill Clinton zählen.

Eine andere Erfolgsgeschichte schreibt das Weingut Puklavec & Friends. Aus einer verschlafenen Genossenschaft ist das wohl lebendigste Unternehmen der slowenischen Weinbau-Szene entstanden, mit frischen Weinen, die keine Schläfrigkeit zulassen. Hinter dem Weingut steht die Familie Puklavec. Im Jahr 2009 erwarb Vladimir Puklavec das bereits bestehende Weingut mit zwei dazugehörigen Weinkellern in den Orten Jeruzalem-Ormož und Ljutomer.

Auf rund 1200 Hektar werden ausschließlich weiße Rebsorten angebaut, neben Welschriesling, Sauvignon Blanc, Riesling, Pinot Blanc, Pinot Grigio, Chardonnay und Traminer auch die autochthone Rebsorte Furmint. Mit Mitja Herga verantwortet ein junger und leidenschaftlicher Önologe den Ausbau der Weine, die in verschiedenen Linien angeboten werden: Die Premium-Weine sind unkompliziert und zugänglich, die Weine der Gomila-Exclusive-Linie tiefgründiger und ausdruckstärker. Aber sie tragen alle nicht zu schwer am Alkohol und bereiten viel Trinkspaß.

Slowenien erzeugt Weine, die außerhalb der Landesgrenzen bislang kaum wahrgenommen wurden. Aber die Nachfrage steigt langsam, wie auch Jozep Zivko zu berichten weiß. Und manchmal fragen unerwartete Kunden danach. Bevor das Pop-Duo Rosenstolz sich zu seiner letzten Deutschlandtournee aufmachte, verlangte es nach Rotwein. Aus Slowenien, dem kleinen aufstrebenden Weinland.

Autor:
Rainer Schäfer