Berner Oberland Peak Walk

Von unten sieht es bisweilen aus, als hänge ein Wolkenstreifen zwischen den beiden Gipfeln des knapp 3000 Meter hohen Berges Scex Rouge. Dabei ist der Streifen alles andere als eine luftige Wolke. Zwischen den Gipfeln spannt sich der "Peak Walk": die erste Hängebrücke der Welt, die zwei Bergspitzen miteinander verbindet. Das Material brachten Hubschrauber auf Europas höchste Baustelle, Bergspezialisten und Kletterer wurden mit der Arbeit auf den Gipfeln beauftragt. Die Brückenbauer befestigten zwanzig Anker tief in den Felsschichten. Denn die Konstruktion, nur 107 Meter lang und 80 Zentimeter schmal, muss selbst orkanartigen Windstärken von 250 Kilometern pro Stunde standhalten.

Glacier3000
Die Hängebrücke ist 107 Meter lang und 80 Zentimeter schmal
Die Stahlseile tragen bis zu 120 Tonnen Gewicht. Genug also, um alle Besucher zu schultern, die seit der Eröffnung 2014 das beeindruckende Alpenpanorama von hier oben bestaunen wollen: Matterhorn, Eiger, Mont Blanc, Jungfrau und zwanzig andere Viertausender sind bei gutem Wetter mit bloßem Auge zu erkennen. Dennoch löst das neue Bauwerk nicht überall Begeisterung aus.

Umweltorganisationen prangern seit Langem die Kommerzialisierung der Berge an. Der Projektleiter des "Peak Walk" bekräftigt jedoch, dass die 20 Felsanker die Erosion der Gipfel im Gegenteil sogar verlangsamen würden. Der Schutz der Alpen ist wahrlich ein schmaler Grat – hier kann man ihn noch ruhigen Gewissens entlanglaufen.

Autor:
Mila Krull