Wallis Kloster von Saint-Maurice

Ein Spaziergang durch die Jahrtausende: Das Kloster von Saint-Maurice ist nicht nur Wohn- und Lebensort von rund 50 Augustiner-Chorherren, sondern ein begehbares Geschichtsbuch, mit Stationen von der Römerzeit bis heute. Gegründet wurde die Abtei im Jahr 515 von Sigismund, Sohn des Burgunderkönigs Gundobad, zu Ehren des Märtyrers St. Mauritius, eines Hauptmanns. Dessen Legion war im 3. Jahrhundert wegen ihres christlichen Glaubens vollständig ausgelöscht worden.

Bald spielte die Abtei eine wichtige Rolle, war Zentrum der Märtyrerverehrung und Hauptkloster des burgundischen Reiches. Für kunst- und kulturgeschichtlich Interessierte lohnt sich ein Besuch heute gleich dreifach. Zum einen wegen der Ausgrabungsfunde aus römischer Zeit: In den Katakomben der Basilika finden sich Raritäten wie ein römischer Torbogen aus dem 1. Jahrhundert, der damals vermutlich den Eingang eines Nymphentempels markierte.

Zum anderen wegen der Basilika aus dem 17. Jahrhundert mit ihren Kunstschätzen aus mehreren Epochen bis in die Gegenwart: Die neuesten Buntglasfenster mit abstrakten Motiven stammen aus dem Jahr 1999. Höhepunkt ist der weltweit einzigartige Kirchenschatz, zu dem unter anderem der Theoderich-Schrein aus dem 7. Jahrhundert, eine Karl dem Großen zugeschriebene, reich verzierte Wasserkanne und ein Kopf-Reliquiar des heiligen Candidus aus dem 12. Jahrhundert gehören. Im Rahmen der Jubiläumsfeierlichkeiten wurde der Klosterschatz im Pariser Louvre ausgestellt, jetzt ist er an seinen Ursprungsort zurückgekehrt. 

An schönen Tagen ist der romantische Klostergarten einen Besuch wert.

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Autor:
Verena Carl