Schweiz Das erste Strohhotel Europas

MERIAN.de: Herr Papadopoulos, wie entstand die Idee, ein Hotel aus Strohballen zu errichten?
Louis Papadopoulos: Das ist schon viele Jahre her! Damals lebte ich im Allgäu und betrieb ein Restaurant. Eines Nachts sah ich in einem der dritten Programme einen nur zwei-Minuten-langen Bericht über einen englischen Landwirt, der seinen Stall aus Stroh baute. Was für eine tolle Idee! Das Stroh hatte er bereits, also kostete der Bau deutlich weniger. Als meine Frau und ich uns entschieden, im Wallis ein Hotel zu errichten, war klar, es würde aus Stroh sein. Heute ist das Maya Guesthouse das erste und einzige Strohhotel Europas.

Welche Vorteile bietet Stroh gegenüber regulären Baustoffen?
Stroh isoliert deutlich besser als andere Baumaterialen. Selbst im Vergleich zu einem Passivhaus benötigen wir nur ein Drittel der Energie, um unser Hotel zu wärmen. Ein Strohballen wiegt zwischen 110 und 320 Kilogramm. Wenn man mehrere übereinanderstapelt, erhöht sich der Druck und sie werden noch kompakter. Gleichzeitig bleibt Stroh ein lebendiges Material, das atmet und ein gutes Raumklima erzeugt. Insgesamt stecken 59 Tonnen Stroh in den Wänden unseres Hotels.

Haben Sie vor eine bestimmte Zielgruppe mit dem Strohballen-Hotel anzusprechen?
Wir wollen die Besucher ansprechen, die auf ihren Reisen Wert auf Nachhaltigkeit und Nähe zur Natur legen. Die Konstruktion aus Strohballen ist nur ein Aspekt des Hotels, der die Umwelt schont. Das Haus wird nur mithilfe von Solarröhren an den Balkonen und der überschüssigen Hitze des Brotofens erwärmt. Außerdem beziehen wir 90 Prozent der Zutaten unserer Speisen aus dem Wallis. Nur unser Stroh kommt nicht von hier – das kommt aus meiner Heimat, dem Allgäu.

Was sagte die Baubehörde zu ihrem Vorhaben?
Zum Glück hat uns die Gemeinde unterstützt. Der Bürgermeister hat schnell verstanden, dass dies ein wichtiges Projekt für die ganze Region ist. Nur einmal stoppte die Feuerbehörde den Bau. Wir mussten ihnen erst einmal erklären, dass ein Haus aus Stroh nicht unbedingt leichter Feuer fängt.

Wie ist die erste Resonanz auf ihr Hotel?
Wir hatten mit viel Skepsis gerechnet, aber die ersten Reaktionen sind gut! Die Einheimischen finden es toll, dass wir hauptsächlich traditionelle Walliser Gerichte anbieten – und dass unser Hotel, obwohl es aus Stroh ist, stehen bleibt. Im Moment beginnen die Reisenden uns zu entdecken und sind immer überrascht, dass in diesem archaischen Bau modernes Design steckt. Sie staunen, wenn sie in ihren Zimmern durch ein Fenster in der Wand das Stroh sehen können.

Haben Sie persönlich einen Lieblingsplatz im Maya Guesthouse?
Meine Familie und ich verbringen viel Zeit im Speiseraum. Die Tische und Stühle bestehen aus alten Weinfässern. Außerdem steht dort der Holzofen, also ist es immer gemütlich und warm. Die Küche ist nicht weit weg und man hat eine fantastische Aussicht über das Bergpanorama und hinunter ins Tal.

Mehr Informationen zum Maya Guesthouse unter: www.maya-guesthouse.ch

Autor

Kalle Harberg