Tessin Auf Spurensuche im Schweizer Geopark

Der erste Geopark der Schweiz liegt am Ufer der Breggia im Mendrisiotto.

Bisweilen wüssten wir schon gern, wie unsere Welt vor Millionen von Jahren einmal aussah. Die Zeugen von damals finden sich tief im Gestein – und nirgendwo in den Alpen lassen Felsformationen so weit in die Vergangenheit schauen wie hier im Becken des Monte Generoso, wo seit 2001 der erste Schweizer Geopark zu Hause ist.

In der südlichsten Region des Tessins, dem Mendrisiotto, haben sich die Wassermassen der Breggia buchstäblich in den Fels hineingefräst. Schicht um Schicht spülte der reißende Fluss dabei weg und legte so eine geologische Zeitleiste frei, die bis zum Jura vor 200 Millionen Jahren zurückreicht. Felsschichten mit Abertausenden Fossilien, ja sogar Überbleibsel, die von Vulkanausbrüchen im Ur-Meer oder gar von unterseeischen Lawinen zeugen, lassen sich in den zerklüfteten Schluchten der Breggia ebenso finden wie Beweismittel für Klimaveränderungen, die damals noch eintraten, ohne dass der Mensch seine Finger im Spiel gehabt hätte. Schwer vorstellbar: Zu jener Zeit hatte sich das Bergmassiv der Alpen noch nicht einmal aufgetürmt, und die Felsen, aus denen sich Europas größte Gebirgskette speist, lagen Tausende von Metern tief auf dem Grund der alten Ozeane, auf den nie ein einziger Lichtstrahl fiel.


In dem 1,5 Kilometer langen Parco delle Gole della Breggia, wie der Geopark auf Italienisch heißt, können Hobbypaläontologen und Naturliebhaber aber nicht nur die Erdzeitalter im Schnelldurchlauf passieren. Es gibt auch etliche von Menschenhand gemachte Sehenswürdigkeiten. Zum Beispiel die Rote Kirche aus dem 14. Jahrhundert, die 1606 erbaute Mühle des Ghitello oder die alte Zementfabrik Saceba mit dem dazugehörigen Lehrpfad. Dieser erklärt, wie der Mensch lange nachdem die Dinosaurier das Zeitliche gesegnet hatten, die Wasserkraft der Breggia für seine Zwecke nutzbar machte und bis heute nutzt – sei es auch nur zum Baden im Fluss.

Das Besucherzentrum des Parco Breggia befindet sich in Morbio Inferiore. Informationen (nur auf Italienisch) auf www.parcobreggia.ch.

Weitere Informationen über das Tessin: www.ticino.ch

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Autor:
Cornelia Heim