Schweden Ungewöhnliche Hotel-Tipps

Der Schwede ist naturverbunden, wie soll es auch anders sein, bedenkt man dass auf einen Quadratkilometer nur 21 Schweden kommen. In Deutschland sind es im Vergleich 229 Einwohner. Über 200.000 Inseln hat das Land. Über 54 Prozent der Fläche Schwedens ist mit prächtigen Waldbestand bedeckt, Bergland macht 16 Prozent aus und - fast bevor man denkt, es könnte nicht noch unverschämter werden - Schweden besitzt annähernd 100.000 Seen.

Dass einige der Hotels in dieser wilden unberührten und manchmal fast menschenleeren Landschaft ihrer Umgebung Tribut zollen, und manchmal auch etwas seltsame Ideen haben, verwundert da nicht. MERIAN.de stellt vier ungewöhnliche Hotels in Schweden vor. Und eines ist sogar in einer richtigen Stadt.

Ice Hotel - Kalte Betten

Wenn es draußen so richtig kalt wird, bis zu minus 30 Grad Celsius, hat das Eishotel Hochsaison. Zwischen Anfang Dezember, der Zeit des Polarlichts, und Mitte April öffnet es seine kalten Türen. Kunstvoll gearbeitete Leuchter aus gefrorenem Wasser hängen von der Decke des Empfangsaals, die Tresen der Bar mitsamt der Gläser sind aus Eis, in den 65 Zimmern und Suiten warten beleuchtete Skulpturen, dekorierte Wände und bläulich schimmernde Betten aus Eisblöcken auf den Gast.

Nein, richtig gemütlich wird es im Inneren dieser Herberge nicht, der Empfang hier ist reichlich kühl. Die Raumtemperatur beträgt zwischen minus fünf und minus acht Grad Celsius. Deshalb bekommt jeder Gast auch wattierte Overalls, blaue Thermoschlafsäcke und Rentierfelle als Bettwäsche. Die meisten Gäste verbringen auch nur eine Nacht in diesem ungewöhnlichen Hotel. Im Preis mitinbegriffen ist ein Besuch in der Sauna am nächsten Morgen, die natürlich nicht aus Eis ist.

"Eisfarmer" nennt sich der Betreiber des Icehotels in Jukkasjärvi, einem 500-Einwohner-Dorf, das zirka 200 Kilometer nördlich des Polarkreises in Lappland liegt. Und so falsch ist diese Bezeichnung nicht, denn jedes Jahr im Frühjahr schneidet er zusammen mit seinen Angestellten mit schwerem Gerät 5000 Tonnen klares Eis in Blockform aus dem Fluss Torne und lagert es anschließend in einem Kühlhaus. Zusammen mit fast 30.000 Tonnen Schnee ist dies das Bau- und Einrichtungsmaterial für seine kristalline Herberge, die im Herbst bei ausreichenden Minusgraden gebaut und designt wird. Skulpteure aus aller Welt senden Skizzen für die Ausgestaltung der Zimmer ein, aus denen die besten Entwürfe verwirklicht werden.

Die Idee für das Hotel entstand bei einer Kunstausstellung, bei der Skulpturen aus Eis gezeigt wurden. Zwei Jahre später, 1991, öffnete das Eishotel das erste Mal. Über die Jahre entstanden nach diesem Vorbild auch weitere Eishotels und Iglu-Dörfer. Unter anderem in Kanada und in Skigebieten in der Schweiz und Österreich. Da das Hotel mit einer Fläche von zirka 4000 Quadratmetern jedes Jahr im Frühling wieder schmilzt, lässt es sich immer wieder neu erfinden. Dazugekommen sind so ein Kino und eine Kirche aus Eis, in dem jedes Jahr rund 150 Paare getraut werden. Für die Saison 2012/2013 ist eine Moschee geplant.

Icehotel, Marknadsvägen 63, 981 91 Jukkasjärvi , Tel: +46 (0) 980 66 800, 65 Zimmer und Suiten, Doppelzimmer zwischen Dezember und März ab 200 Euro inkl. Saunabesuch.

Treehotel - In Baumkronen

Nur 600 Menschen wohnen im Ort Haralds, sechzig Kilometer südlich des Polarkreises, im stillen Reich der Elche und Kiefernwälder. Die nächste große Stadt, Jokkmokk, ist zirka 80 Kilometer entfernt. Und doch gibt es in dieser kleinen Gemeinde eine Touristenattraktion, die internationale Gäste, und besonders Designer und Architekten anlockt: das Treehotel. Wer jetzt an rustikale Holzkabinen auf Baumwipfeln denkt, Plumpsklos und Kerzenbeleuchtung wird beim Anblick der Herberge überrascht sein.

Fünf Unterkünfte gibt es bislang und jeder Wohnraum wurde von einem anderen Architekten geplant. Gäste gelangen über Treppen, Leitern oder Rampen zu ihrer Schlafstätten. Einzige Gemeinsamkeit: Die Zimmer hängen in vier bis zu sechs Metern Höhe über dem Boden. Da gibt es das "Vogelnest", das mit trockenen Kiefernzweigen umhüllt ist und eher wie ein gigantischer Adlerhorst wirkt, das "The Cabin", das mit Eisenklammern an den Stämmen von insgesamt vier Kiefern befestigt ist und ein futuristisches Ufo. Das spektakulärste Baumhaus ist jedoch ein Kubus, den man erst auf den zweiten Blick erkennt, da es mit einer Spiegelhaut verkleidet ist. In ihm spiegeln sich die Kiefernbäume, das Sonnenlicht und auch die gefiederten Bewohner des Waldes wieder, die zum Glück daran vorbeifliegen, aber nicht dagegen. Denn eine aufgeklebte Folie sorgt dafür, dass die Vögel den Kubus als Hindernis wahrnehmen können.

Auch wenn der Wind durch die Bäume geht und die Häuser leicht schunkeln lässt, ist das kein Grund sich Sorgen zu machen: Jeder der über 100 Jahre alten Bäume kann bis zu 20 Tonnen Gewicht tragen. An Komfort lassen die 15 und 30 Quadratmeter große Innenräume auch nichts missen. Im Winter gibt es sogar eine Fußbodenheizung, für Elektrizität sorgt ein lokales Wasserkraftwerk.

"Trädälskaren", "Baumliebhaber", so heißt der Film von Jonas Selberg Augustsen, der die Baumhotel-Gründer Britta Jonsson-Lindvall und ihren Mann Kent, die auch die Pension Britta im Ort betreiben, zum Bau inspiriert hat. Der Film erzählt von drei Männern, die die Nase voll haben von der Hektik der Stadt, sich gemeinsam in Harads niederlassen und dort ein Baumhaus am Fluss Lule bauen, natürlich auf ökologisch nachhaltiger Basis. Auch den Gründern des Baumhotels ist die Umwelt wichtig. Für das Hotel wurden keine Bäume gefällt, die Stahlkonstruktionen, die die Unterkünfte halten, werden immer wieder erweitert, damit die Anlage zusammen mit dem Bäumen in die Höhe wachsen kann. Bei sechs Baumhäusern soll es nicht bleiben, der Traum der Betreiber ist es, die Anlage auf 25 Projekte zu erweitern.

Treehotel, Edeforsvägen 2A 960 24 Harads, Tel: +46 (0)928-104 03, Haus ab 350 Euro.

Copperhill Mountain Lodge: In Schwedens Bergwelt

Er hat das Privathaus von Bill Gates entworfen, er hat die Apple Stores in London, New York und Tokio gestaltet. Und er baute dieses Fünfsterne-Gasthaus mitten in der Einsamkeit von Schwedens Bergwelt, auf dem Förberget, etwa 730 Meter über dem Meeresspiegel. Der US-Architekt Peter Bohlin gilt als moderner Romantiker und hat natürliche Materialien aus der Region wie Schiefer, Pinie, Kupfer und Stein für die Herberge in Åre verwendet. Das Ergebnis sieht ein wenig aus wie eine überdimensionierte Ski Hütte, in deren Mitte ein Loch klafft. Copperhill Mountain Lodge heißt das 2008 eröffnete Designhotel, in Anlehnung daran, dass die Gegend früher eine reiche Kupferregion war.

Und die Copperhill Mountain Lodge beweist, Designhotels müssen nicht immer spartanisch und ungemütlich sein: Mit sehr viel hellem Holz, einer großzügige Flächengestaltung, gut gesetzten goldenen Lichtquellen, flackernden Kaminfeuern und warmen Rottönen bei Sofas oder Teppichen ist es genau die Art von Unterkunft, die man sich bei zu kalten Nächten und zu kurzen Tagen wünscht. Von den Panoramafenstern der Zimmer genießt man großartige Ausblicke auf die verschneiten Wälder und Skipisten; das Hotel hat sogar selbst einen eigenen Lift. Und falls man mal einen Tag Pause vom Skifahren oder Schneewandern einlegen will: Das Spa des Hotels lohnt durchaus einen Besuch. 2009 wurde es sogar mit dem European Hotel Design Award für seine natürlichen Materialien und die Behandlungszimmer im Sami Kotas Stil ausgezeichnet.

Copperhill Mountain Lodge, Åre Björnen, 83013 Åre, Tel: +46 (0) 647 143 00, 112 Zimmer und Suiten, Doppelzimmer ab 300 Euro,

Rival Hotel: Zu Gast bei Abba in Stockholm

"Second best to none" singen die gutaussehenden Angestellten des "Rival Hotels" in einem Video, streichen dabei über die flauschigen Laken der weißen Hotelbetten oder mixen Drinks an der Bar. Wüsste man es nicht besser, würde man denken, sie seien Schauspieler für eine Hotelserie. Aus dem Lied sollte eigentlich nur ein einfacher Werbejingle werden, doch das Video landete 2008 auf Platz 54 der schwedischen Charts. Aber wen wundert das schon, niemand anders als Benny Andersson ist schließlich Hotelbesitzer. Das ehemalige Mitglied der schwedischen Kultband ABBA hat das Rival 2003 aus einem ehemaligen Art-Deco-Kino der 1930er Jahre entstehen lassen, den Kinosaal gibt es immer noch.

Das Rival ist jedoch kein Abba-Tempel, weder schallen aus jedem Lautsprecher in Endlosschleife Abba-Songs noch sind die Wände plakatiert mit Ruhmesbildern der Band. Über den großen Betten hängen Filmplakate und Bilder von bekannten schwedischen Schauspielern wie Ingrid Bergman. Schwarz, chromig und kühl wie so wie viele andere Designhotels, so wollte Anderson sein Hotel nicht gestalten. Das sei ihm zu "maskulin". Im Gegenzug ist es wohl eher kuschelig, rot, gemustert und reichlich verziert geworden. In jedem der Zimmer sitzt ein Teddybär auf einem der Vintage-Sessel.

Hat man Glück und genug Geld für eine Suite, so hat man auch einen Balkon, der auf den hübschen Platz Mariatorget hinausgeht. Früher war er Drogenumschlagort, heute reihen sich hier Cafés und Restaurants. Das Hotel befindet sich nämlich mitten im angesagten Künstler- und Designviertel Södermalm auf der gleichnamigen Insel, quasi das skandinavische "Prenzlauer Berg" mit vielen Boutiquen, Galerien und Cafes. Hier drehte man auch die Krimis des Bestsellerautors Stieg Larsson. Im nördlichen Teil des Viertels, an der Götgatan, lag die "Millennium"-Redaktion seines Helden Michael Blomkvist.

Hotel Rival, Mariatorget 3, Stockholm, Tel: + 46 (0) 8-545 789 00, 99 Zimmer , Doppelzimmer ab 160 Euro.

Mehr Hoteltipps finden Sie im Buch "Einmal im Leben". 
Autor:
Bettina Hensel