Fast Lane Ein bisschen Frieden, ein bisschen Schweden

Nach einem schweißtreibenden 10-tägigen Gewaltmarsch quer durch Asien erhielt die vergangene Woche mit meiner Rückkehr nach London eine liebenswürdigere, frischere und schwedische Note. Den Anstoß dazu gab meine Freundin (und schwedische Lieblingspopsängerin) Emilia de Poret während eines Interviews, das wir für Monocles Online-Radiosender am Dienstag mit ihr führten, mit ihrer ehrlichen Begeisterung für die Musikindustrie, Mode und alles, was mit Pop zu tun hat.

Am Mittwoch kam ich in den Genuss eines Mittagessens in der Residenz der charmanten (und erfrischend jugendlichen) neuen Botschafterin Schwedens in London und verbrachte einen Großteil des Nachmittags damit, mich mit ihr über die Marke Schweden im Vergleich zur Marke United Kingdom zu unterhalten. Fröhlich saß ich am frühen Donnerstagmorgen in einem BA-Flug nach Stockholm, um das Wochenende in meinem Haus zwischen den Schären zu verbringen.

In den letzten Sommern hatte ich eine etwas gestörte Beziehung zu den Schweden gehabt, denn die meisten entpuppten sich als frigide, farblose, aufgeblasene Schwächlinge. In diesem Jahr hatte ich mich bereits für eine andere Strategie entschieden und beschlossen, mich nicht mehr damit zu stressen, wie häufig ich das Haus in diesem Sommer nutzen würde. Stattdessen hatte ich es einfach den fähigen und vertrauenswürdigen Händen meiner Freunde Martin und Caroline überlassen. Seit frühem Mai haben sie dort auf der Insel Wochenenden und ganze Wochen zugebracht, sich um die Vegetation gekümmert und das genossen, was die meisten Schweden für den besten Sommer seit Beginn der Aufzeichnungen halten.

Als der Airbus sich Richtung Norden in die Kurve legte und seinen Steigflug begann, war ich mir sicher, dass der heiße, sonnige Zauber genau zum Zeitpunkt der Landung brechen würde und mich ein Haus voller mich, das Tiefdruckgebiet und das Fehlen warmer Kleidung in ihren Koffern verfluchender Gäste erwartete. Während der Kapitän einen windigen, warmen und teilweise bedeckten Tag in Stockholm versprach, schien das Wetter über Südschweden andere Pläne zu verfolgen.

Die Wolken sahen nass und gewittrig aus, und soweit ich es von meinem Fenster aus verfolgen konnte, schien es, als würde sich dies den ganzen Weg bis zum Arlanda-Flughafen auch nicht mehr ändern. Eine Viertelstunde später, im Anflug, erstrahlte Stockholm jedoch, die Seen glitzerten und der Himmel war praktisch wolkenlos. Würde es sonnig bleiben? Würden ich meinen Gästen ein perfektes Ostsee-Wochenende bescheren können? Und würde ich Frieden mit Schweden schließen?

Am Boden teilten wir die logistischen und nahrungstechnischen Aufgaben für die kommenden Tage untereinander auf (das Leben auf einer Insel verlangt nach ausgeklügelter Planung). Mats und Emily waren dafür verantwortlich, das Auto zu übernehmen, den Großeinkauf im Supermarkt zu bewältigen und Mom abzuholen. Und ich fuhr mit meiner Freundin Helen nach Stockholm rein, um die Vorratskammer mit all den nicht überall so leicht erhältlichen Lebensmitteln zu füllen und Pablo und Enio einzusammeln, die aus Madrid zu Besuch kamen. Vier Stunden später trafen wir uns alle am Anleger, wo der Taxi-Boot-Fahrer Bosse in seinem eigenhändig gebauten Boot auf dem Wasser tänzelte, Mom Lobeshymnen über die schnelle Icelandair-Verbindung von Toronto aus anstimmte und Emily schon kurz davor war, sich auszuziehen und ins Meer zu springen.

Besuch beim Weisen des Archipels

Zehn Minuten später landeten wir auf der Insel und wurden am Steg von einem aufgeregten Schwarm Wespen begrüßt. Wir dachten zunächst, die seien einfach glücklich über die Ankunft menschlichen Fleisches und frischer Speisen, deshalb schenkten wir ihnen nicht besonders viel Aufmerksamkeit, während wir das Boot entluden und uns auf den Weg zum Haus machten. Drinnen befand sich ein weiteres Willkommenskomitee Wespen. Einige Gäste fingen an, sich Zeitschriften zu suchen, um sie totzuschlagen, andere öffneten Fenster, um sie rauszulassen.

Als die Temperatur 30 Grad überschritt, wurden die Badeanzüge rausgeholt und jeder begab sich runter an den Steg, um ins Wasser einzutauchen und sich zu sonnen. Auf dem Weg dorthin bemerkte Helen allerdings, dass die Wespen sich direkt unter dem Steg häuslich eingerichtet hatten und dass diese Tatsache jeglichen Gedanken ans Bräunen und Schwimmen zunichte machte.

Pablo ging online, um nach Wegen der Ausrottung zu suchen. Eine spanische Internetseite schlug eine schwarze Decke, eine brennende Fackel und den Schutz der Dunkelheit vor, um sie nachhaltig zu erschrecken. Ich wandte ein, dass diese Idee - obwohl herrlich theatralisch und mittelalterlich - zur Folge haben könnte, dass der Steg und womöglich die ganze Insel in Flammen aufgehen würden.

Konventionellere Ansätze bestanden darin, heißes Wasser auf das Nest zu schütten (schwierig, da sie durch mehrere Löcher der Bodenbretter flogen) oder nach Sonnenuntergang alles mit Wespenspray einzunebeln. Die Lösung mit dem kochenden Wasser war eine logistische Herausforderung und würde wahrscheinlich damit enden, dass Pablo oder Enio in der Abteilung für Verbrennungsopfer des örtlichen Krankenhauses landeten.

Am nächsten Tag setzten wir über den Kanal zur nächsten Insel über, um uns Rat beim Weisen des Archipels (unserem Nachbarn Claes) zu holen und seine Ansichten über die einzelnen Vernichtungsmethoden zu hören. Claes und sein manchmal als Imker tätiger Sohn Peter boten an, einen Blick auf das Nest zu werfen.

Am nächsten Morgen fuhren wir mit dem Boot rüber zu einer wieder anderen Insel, um Lebensmittel und Kaffee zu kaufen. Bei unserer Rückkehr sahen wir Claes und Peter in voller Schutzkleidung und ausgerüstet mit Hammern und Bohrern auf unserem Steg stehen. Aus Angst, von einem massiven Schwarm weit raus in die Ostsee gejagt zu werden, blieben wir in 70 Meter Entfernung auf dem Wasser liegen, bis Peter uns ein Zeichen zur Entwarnung gab. Zurück am Ufer war die Ordnung wieder hergestellt worden, die Sonne knallte vom Himmel, die Gäste waren zufrieden und ich machte meinen Frieden mit Schweden.

Übersetzung für MERIAN.de: Andrea Fonk

Autor:
Tyler Brûlé