Russland Prunkschloss in St. Petersburg

Peters häufige Reisen zur Festung auf der Insel Kronstadt unterbrach er gern in einem kleinen Landhaus am Ostseestrand. Ihm kam die Idee, hier eine Residenz entstehen zu lassen. 1714 begannen 5000 Arbeiter, Soldaten und Leibeigene unter Anleitung von Architekten und Wasserbauingenieuren mit dem Bau. Nach seinem Besuch in Versailles entwarf der Zar selbst die Parkanlage, er soll den Standort jedes Bauwerks und jedes Springbrunnens selbst festgelegt haben.

Als Peter 1723, nach nur neun Jahren Bauzeit, zur festlichen Einweihung lud, konnten die Gäste den Großen Palast, den Park mit Unterem Garten und Meereskanal, das Schlösschen Monplaisir, den Pavillon Marly, Kaskaden und Fontänen bewundern. Nur kurze Zeit hat sich Peter an seiner Ostsee-Residenz erfreuen können. Er starb anderthalb Jahre später.

Der Große Palast hatte eher bescheidene Ausmaße und Peters Tochter Elisabeth größere Ansprüche. Bartolomeo Francesco Rastrelli, der Baumeister des russischen Barocks, erweiterte 1745-55 den Palast zu wahrhaft majestätischen Ausmaßen. Thronsaal, Galatreppe, Porträtsaal, Ballsaal und weitere Prunkräume ließ der geniale Dekorateur mit Stuckverzierungen, Hochreliefs, Deckenmalereien, Spiegeln, kostbaren Stoffen und vergoldeten Holzplastiken gestalten. Auch unter Katharina der Großen entfaltete sich neue Pracht, geradezu eine Herausforderung für Versailles.

Im Zweiten Weltkrieg zerstörten die Deutschen Peterhof nahezu vollständig, der Wiederaufbau begann unmittelbar nach Kriegsende. Wie der alte Palast hat auch der originalgetreue Nachbau eine grandiose Ausstrahlung, die vom Zusammenspiel der Architektur, der Wasserspiele und der Gartenkunst ausgeht. Der Große Palast am Hang des Oberen Gartens scheint über der Großen Kaskade zu schweben, die ihre kunstvollen Wasserspiele inszeniert. Sehr eindrucksvoll ist die Samson-Fontäne mit dem Löwen, aus dessen Rachen ein Wasserstrahl 22 Meter in die Höhe schießt. Beiderseits des von der Kaskade zur Ostsee führenden Kanals setzen sich die Wasserspiele in einer Fontänenallee fort. Im barocken Unteren Garten fällt das Schlösschen Monplaisir durch seine schlichte, holländisch anmutende Architektur auf. In diesem Ziegelbau, der als erstes Gebäude von Peterhof entstand, soll sich Peter der Große am liebsten aufgehalten haben, hier empfing er seine Freunde zu Trinkgelagen.