Rostock Mittelalterschänke "Petrikeller"

König Artus könnte hier vorzüglich mit seiner Ritterrunde tafeln, aufsässige Gallier würden wohl ebenso auf ihre Kosten kommen und womöglich wäre auch eine Bande Hobbits in dieser Schänke recht zufrieden mit dem kulinarischen Angebot. In Rostock muss man nur ein paar Stufen in ein uriges Gemäuer aus dem 13. Jahrhundert hinabsteigen und schon beginnt eine höchst angenehme Zeitreise in das Mittelalter.

Im Restaurant "Petrikeller" bedienen forsche Mägde ihre Kundschaft, es wird aus Tonkrügen gebechert und Spielleute musizieren an den Tischen, während die Gäste das Essen nur mit Hilfe der Finger und eines Messers verputzen. Auf der Speisekarte stehen unter anderem solch klangvolle Gerichte wie "knusprige Schenkel vom Federvieh" und "gebackene Keulen von Langohr". Und wer den Anweisungen des mittelalterlich gewandeten Personals nicht folgt, der bekommt schon mal den Kopf gewaschen. "Wir wollen unsere Gäste in eine andere Welt entführen", beschreibt Inhaberin Andrea Hübner das Konzept der Schänke. "Bei uns soll man mal abschalten können und den Rest der Welt für eine kurze Zeit vergessen."

Den "Petrikeller" gibt es seit 1996. Vor acht Jahren übernahm Hübner das Restaurant und hatte viel Arbeit vor sich. Mieses Essen, verdreckte Räumlichkeiten und schlechter Service - der Ruf des Lokals war zu diesem Zeitpunkt nicht der beste. "Wir mussten erst einmal gründlich renovieren", sagt Hübner. An die 40.000 Euro steckte sie in das Restaurant. Mit viel Liebe zum Detail wurde der "Petrikeller" wieder auf Vordermann gebracht.

Inspiration suchte Hübner in ganz Deutschland. "Wir sind überall hingefahren, wo es etwas mittelalterliches zu sehen gab", erzählt die Rostockerin, die anfangs nur wenig über Ritter und Burgfräulein wusste. "Egal ob Märkte oder Restaurants - wir haben überall nach guten Ideen Ausschau gehalten."

Natürlich musste man auch ein paar Kompromisse eingehen. Auf eine moderne Küche, das EC-Karten-Lesegerät und eine saubere Toilette anstatt eines Plumpsklos kann eine Schänke für den modernen Raubritter schließlich nicht verzichten. Der "Petrikeller" ist keine wahrheitsgetreue Mittelalter-Simulation und will es auch nicht sein. Das gilt auch für die Speisekarte. "Ich kann mir nicht vorstellen, dass unsere Gäste tatsächlich eklige Weizenkleie auf ihren Teller bekommen wollen", sagt Hübner und lacht. Auch das Knochenwerfen ist nicht mehr erlaubt. "Zu unhygienisch", sagt die Chefin. "Auch wenn das einige unserer Gäste wahrscheinlich vermissen."

Inzwischen ist der "Petrikeller" wieder in aller Munde. In der kalten Jahreszeit ist der Laden mit seinen 120 Plätzen brechend voll. Und nicht nur die Rostocker versuchen sich am spaßigen Rittermahl. Die Gäste kommen aus ganz Deutschland. Insbesondere die Standbetreiber der klassischen Mittelaltermärkte würden hier immer wieder gerne vorbeischauen, berichtet Hübner. "Da schließt sich der Kreis wieder." Und auch die Live-Rollenspieler, die in klassischen Gewändern und Rüstungen zum stilechten Mahl erscheinen, fühlen sich im "Petrikeller" wohl.

"Wir begleiten unsere Gäste durch den gesamten Abend und bieten ein echtes Programm zum Essen an", erklärt Hübner den Erfolg ihres Restaurants. Natürlich würde nicht jeder Gast sofort mitspielen, das sei allerdings kein Problem. "Der Mecklenburger ruht ja bekanntlich in sich", sagt Hübner und schmunzelt. "Aber nach zwei Bierchen tauen auch wir auf!"

Autor:
Denis Krah