Vatikanstadt 40 Fragen und Antworten zum Vatikan

Benedikt XVI

Wie groß ist die Privatwohnung des Papstes?
Etwa 400 Quadratmeter. Die sechs Zimmer plus Privatkapelle liegen im dritten Stock des Apostolischen Palasts.

Bekommt der Papst Gehalt?
Nein. Aber der Vatikan bezahlt ihm alles, was er fürs Leben und Arbeiten braucht.

Weiß der Papst, was ein Liter Milch kostet?
Wahrscheinlich nicht.

Wer bewacht den Papst?
Die 110 Schweizergardisten und die 130 Mann starke vatikanische Gendarmerie. Zwischen beiden Gruppen gibt es traditionell Eifersüchteleien: Die Gendarmen sind besser ausgebildet (meist an italienischen Polizeiakademien), während die Gardisten mehr Aufmerksamkeit von der Öffentlichkeit bekommen.

Darf der Papst lügen?
Nein, wie für jeden Christen gilt auch für ihn das achte Gebot. Und wie jeder Christ wird er schon mal dagegen verstoßen haben.

Wovor hat der Papst Angst?
Vor Erkältungen. Deshalb trägt er unter der Soutane oft eine Strickjacke.

Wer darf den Papst duzen?
Natürlich sein Bruder, außerdem einige Schüler aus seiner Zeit als Professor und mehrere deutsche Bischöfe, etwa Kardinal Meisner aus Köln. Innerhalb der Duzfreunde gibt es weitere Abstufungen: Einige sagen "Heiliger Vater, du", während ausgerechnet der liberale Kardinal Lehmann "Joseph, du" sagen darf.

Woher bekommt der Vatikan Wasser und Strom?
Beides liefert Italien, das ist in den Lateranverträgen von 1929 so geregelt. Sollte Italien irgendwann den Vertrag brechen und Wasser und Strom abschalten, müsste sich der Papst an die UNO oder den Europäischen Gerichtshof wenden.

Hat der Papst einen Ausweis?
Er besitzt sogar zwei, einen deutschen und einen vatikanischen. Bei seinem Brasilienbesuch im Mai 2007 allerdings hatte er keinen von beiden dabei. Die Brasilianer ließen ihn einreisen, verhängten aber eine Strafe gegen die Fluggesellschaft Alitalia, weil sie einen Ausländer ohne Reisedokumente ins Land gebracht hatte.

Vatikan
Tom Brakefield/ Thinkstock
Der Vatikan
Wie hoch sind die Mieten im Vatikan?
Die genaue Höhe ist nicht bekannt. Man schätzt, dass Vatikanmieten etwa halb so hoch liegen wie sonst in der Innenstadt von Rom.

Wer kann den Papst absetzen?
Niemand. Selbst wenn er für Jahre ins Koma fällt oder an Demenz leidet, bleibt er im Amt. "Ein kanonischer Alptraum", so der Jesuit und Politologe Thomas Reese.

Wann ist am Vatikanbahnhof zum letzten Mal ein Personenzug abgefahren?
Am 24. 1. 2002, als Johannes Paul II. zum Gebetstreffen für den Weltfrieden nach Assisi fuhr. Der Bahnhof, gebaut 1934, ist mit der italienischen Station Roma San Pietro verbunden.

Was kann man im Vatikan-Supermarkt kaufen?
Tiefkühltruhen, Bügeleisen, merkwürdigerweise Epiliergeräte und natürlich auch Lebensmittel. Alle Waren sind gut 20 Prozent günstiger als in Italien, da man im Vatikan keine Steuern zahlt. Einkaufen dürfen nur Vatikanbürger und -angestellte.

Welches ist das meistverschriebene Medikament in der Vatikan-Apotheke?
Amerikanisches Aspirin in der 100er-Dose, die man in Italien sonst nirgendwo kaufen kann. Nicht erhältlich: Verhütungsmittel und Viagra.

Wie viele Autos sind auf den Vatikan zugelassen?
Es gibt mehr als 100 Dienstwagen, meist Mercedes-Limousinen. Sie haben das Kennzeichen SCV (Stato della Città del Vaticano). Privatwagen tragen das Kürzel CV (Città del Vaticano), ihre Zahl ist nicht bekannt.

Wie viele Haustiere leben im Vatikan?
Meldepflichtig sind nur Hunde, zur Zeit gibt es fünf. Die deutlich zahlreicheren Katzen werden nicht gezählt.

Wurde im Vatikan schon mal gestreikt?
1970 forderten die Drucker der Vatikanzeitung L'Osservatore Romano mehr Lohn und stoppten für eine halbe Stunde die Arbeit. Im selben Jahr war auch die Musikkapelle "Sixtina" unzufrieden mit dem Gehalt und drohte, bei Auftritten statt der Vatikanhymne die Internationale zu spielen. Beide Gruppen setzten ihre Forderungen zumindest teilweise durch.

Hat der Vatikan Schiffe?
Das letzte päpstliche Schiff war der Dampfsegler "Immacolata Concezione", mit dem Pius IX. (reg. 1846- 1878) zur Zeit des Kirchenstaates Tagesausflüge auf dem Mittelmeer machte. Ein Modell des Schiffes ist im Museo Storico Vaticano im Lateranpalast zu sehen.

... Flugzeuge?
Nein. Bei seinen Reisen fliegt der Papst hin stets mit Alitalia, zurück mit der Fluggesellschaft des Gastlandes. Die Kosten zahlen die Airlines. 1976 wurde in den Vatikanischen Gärten ein Hubschrauberlandeplatz gebaut. Die Hubschrauber stellt das italienische Militär, die Flugüberwachung übernehmen die römischen Flughäfen Fiumicino und Ciampino.

... eine Feuerwehr?
Ja, die Corpo dei Vigili del Fuoco, zu der etwa 20 Feuerwehrleute gehören. Jeden Abend machen zwei von ihnen nach der Schließung einen Kontrollgang durch den Petersdom.

... ein eigenes Handynetz?
Nein,Vatikanbürger nutzen die italienischen Netze.

... ein Gefängnis?
In der Kaserne der Gendarmerie gibt es Arresträume. Sie werden nur selten genutzt: Straftäter, die nicht Vatikanbürger sind, übergeben die Gendarmen den italienischen Behörden.

... Tankstellen?
Ja. Zwei innerhalb des Staatsgebiets, drei außerhalb, unter anderem bei der Lateranbasilika und im Palazzo San Calisto in Trastevere. Der Sprit ist steuerfrei, ein Liter Normalbenzin kostet zurzeit 1,04 Euro, etwa ein Drittel weniger als im restlichen Rom.Tanken dürfen hier nur Vatikanbürger und -angestellte.

Muss man Priester sein, um zum Papst gewählt zu werden?
Nein, jeder unverheiratete katholische Mann kann gewählt werden. Er muss sich aber noch im Konklave zum Priester und Bischof weihen lassen. Das allerdings kam zuletzt vor einem halben Jahrtausend vor.Alfonso Borgia war kein Priester, als er im Jahre 1455 Papst wurde und den Namen Callistus III. annahm.

Hat schon einmal jemand die Wahl zum Papst abgelehnt?
Nur sehr selten. Beim Konklave 1271 versteckte sich der chancenreichste Kandidat Philip Benizi so lange, bis ein anderer gewählt wurde.

Tempolimit, Rauchverbot und Todesstrafe

Kann eine Frau Kardinal werden?
Grundsätzlich ja. Anders als das Papstamt ist das des Kardinals nicht zwingend mit der Priesterweihe verknüpft, die nur Männern erteilt wird. Für Frauen als Kardinäle sprach sich vor kurzem etwa Pater Eberhard von Gemmingen aus, Leiter der deutschen Redaktion von Radio Vatikan.

Wie viele Vatikanbürger gibt es?
Zurzeit etwa 450. Staatsbürger sind unter anderem: alle Kardinäle, die in Rom leben, päpstliche Diplomaten, Schweizergardisten, außerdem Mitarbeiter der Kurie, die im Vatikan wohnen. Kinder von Vatikanbürgern erhalten die Staatsbürgerschaft automatisch, müssen sie aber mit 25 Jahren (Männer) oder nach der Hochzeit (Frauen) abgeben. Alle anderen verlieren sie in der Regel dann, wenn ihre Arbeit für den Vatikan endet.

Darf der Papst sexuelle Erfahrung haben?
Katholiken ist Geschlechtsverkehr nur in der Ehe gestattet. Erlaubterweise kann ein Papst nur Sex gehabt haben, wenn er vor der Priesterweihe verheiratet war und die Ehe entweder durch den Tod seiner Frau endete oder von einem Kirchengericht annulliert wurde.

Werden im Vatikan Kinder gezeugt?
Ja, von den wenigen Ehepaaren, die hier wohnen - fast immer Angehörige der Schweizergarde. Jährlich werden ein bis fünf Vatikanbabys geboren.

Müssen Vatikanbürger katholisch sein?
Nein. Im "Gesetz über das Bürgerrecht" von 1929 gibt es keine Bestimmung über Religionszugehörigkeit. Nur bei einer Gruppe, den Kardinälen, wird sie vorausgesetzt.

Krypta im Petersdom
Getty Images
Die Krypta des Petersdoms
Wo werden Vatikanbürger begraben?
Päpste in der Krypta des Petersdoms. Andere Vatikanbürger - z.B. die Domherren von St. Peter - lassen sich oft auf dem Campo Verano in der Nähe des Bahnhofes Roma Termini beerdigen.

Wer darf auf dem Campo Santo Teutonico beerdigt werden?
Auf dem kleinen, 700 Jahre alten Friedhof neben St. Peter werden in der Regel nur Angehörige der "Erzbruderschaft zur schmerzhaften Muttergottes" beigesetzt. Die Bruderschaft ist eine Vereinigung deutscher Katholiken in Rom mit zurzeit etwa 100 Mitgliedern. Wer den Friedhof besichtigen will: zwischen 7 und 12 Uhr am Eingang südlich neben den Kolonnaden bei der Schweizergarde fragen.

Wieviel Prozent des Vatikans sind Grünflächen?
Etwa 50 Prozent - dank der riesigen Vatikanischen Gärten.

Gibt es im Vatikan ein Tempolimit?
Ja, es liegt bei 30 km/h. Bei Verstößen verteilen die vatikanischen Gendarmen Strafzettel - auch an Kardinäle. P36

... ein Rauchverbot?
Ja, schon seit Juli 2002. Italien folgte erst zweieinhalb Jahre später. Das Verbot gilt auch in Dienstwagen, nicht aber in Dienstwohnungen.Wer es missachtet, muss 30 Euro zahlen.

... Handwerker?
Ja, mehr als 300: Tischler, Elektriker und Klempner, außerdem Automechaniker, die auch die zehn Papamobile warten.

... die Todesstrafe?
Nein, Paul VI. schaffte sie 1969 ab. Die letzte Hinrichtung wurde 1870 zur Zeit des Kirchenstaates vollstreckt.

Wie hoch ist die Verbrechensrate im Vatikan?
Statistisch gesehen ist sie die höchste der Welt, denn sie ergibt sich aus dem Verhältnis der Zahl der Staatsbürger (etwa 450) zu der Zahl der Straftaten (ca. 490). Die Straftaten werden in der Regel an den mehr als 19 Millionen Menschen begangen, die den Vatikan pro Jahr besuchen. Meist handelt es sich um Taschendiebstähle. 90 Prozent der Täter entziehen sich der Strafverfolgung durch Flucht nach Italien.

Ist der Vatikan ein Gottesstaat?
Nein. Ein Gottesstaat definiert sich durch zwei Merkmale: Es regiert ein religiöser Führer, außerdem sind weltliche und religiöse Ordnung identisch. Punkt eins trifft auf den Vatikan sicher zu. Doch in seiner "weltlichen Ordnung" - der Verfassung aus dem Jahr 2000 - wird Religion nicht erwähnt, nicht einmal das Wort Gott kommt vor. Im Iran dagegen, dem Inbegriff des Gottesstaates, legt die Verfassung schon im zweiten Artikel fest, dass die Staatsordnung auf den Gesetzen Gottes beruht. Den Vatikan kann man eher als Papststaat bezeichnen, denn er ist ganz auf seine Bedürfnisse zugeschnitten. Schon im ersten Satz der Verfassung heißt es: "Der Papst besitzt ... die Fülle der gesetzgebenden, ausführenden und richterlichen Gewalt."

Autor:
Sophie von Puttkamer