Fast Lane Alles Gute aus Brasilien

Zeit für eine kleines "Zurück zur Uni"- beziehungsweise "Zurück zur Arbeit"-Quiz, um Ihre geistigen Fähigkeiten für das letzte Drittel des Jahres zu schulen:

Wenn Sie sich ein Ferienhaus kaufen würden, was würden Sie wählen?

a) Ein geräumiges Strand-Apartment im russischen Sochi.

b) Eine Villa im Thai-Stil auf der chinesischen Ferieninsel Hainan.

c) Einen reetgedeckten Bungalow an einem Strand in Goa.

d) Einen von Marcio Kogan designten Bungalow im brasilianischen Trancoso.

Wo würden Sie gerne Ihren Ruhestand verbringen?

a) Russland

b) China

c) Indien

d) Brasilien

Wenn Sie eine "End of Summer"-Cocktailparty auf Ihrer Terrasse veranstalten, für was würden Sie sich entscheiden?

a) Eine Disco im Datscha-Stil mit einer Wodka-Bar.

b) Schweißtreibenden Shanghai-Swing mit einem Teigtaschen-Buffet.

c) Eine Trance-Party im indischen Kerala mit eimerweise Bier.

d) Temperamentvollen Bossa Nova mit einer Caipirinha-Bar und brasilianischen Kellnern.

Auch wenn es auf keine dieser Fragen eine wissenschaftlich korrekte Antwort gibt, sind sie doch Bestandteil meiner sich ständig weiterentwickelnden Liste an Kriterien, die die Lebensqualität, den Lifestyle und den Soft-Power-Index meiner BRIC-Nation (Brasilien, Russland, Indien und China, die Red.) messen. Und egal, wie ich die Karten mische: Brasilien steht auf dieser Liste immer ganz oben.

Die üblichen Luxusverdächtigen

Nach einem Kurzaufenthalt in Abu Dhabi und Dubai, flog ich nach São Paulo - zu meinem üblichen 72-Stunden Besuch. Der Ablauf ist immer derselbe: die Ankunft am frühen Abend im etwas öden, aber schön übersichtlichen Guarulhos Flughafen, eine verdunkelte (und manchmal kugelsichere) Kia-Limousine Richtung Stadt und der freundliche Empfang im .

Ich habe viele Lieblingshotels in der ganzen Welt, aber Fasano ist eine Marke, die ich auf meinen Reisen gerne öfter sehen würde.

Dienstagabend fuhr ich die Auffahrt zum Hotel hoch und wurde vom Portier in einem eleganten Anzug begrüßt. Während sich seine Kollegen um mein Gepäck kümmerten, ging ich in die sparsam beleuchtete, clubähnliche Lobby. Im großen Loungebereich saßen ein paar Männer in Geschäftskleidung in einem Meeting, ein einsamer Fotograf nippte an einem Glas Rotwein, ein schickes junges Paar (sie Italienerin, er vielleicht Schweizer) blätterte in den Tageszeitungen São Paulos und ein Kamin verteilte überall diesen herrlichen Wohlgeruch, den weder Duftkerzen noch Raumsprays so hinkriegen.

Der gemütlich-moderne Tenor wird auch in den Gästezimmern fortgeführt und die gedämpften Lichter, die warmen Hölzer und der elegante Lesesessel führen mich oft in Versuchung, meine Abendpläne aufzugeben und früh ins Bett zu gehen. Die Hotelzimmer sind weder zu groß noch zu klein und zeigen einen ausgeprägten Sinn für die richtigen Maße. Dies erlaubt es einem, ein paar Stunden weiterzuarbeiten, ohne das Gefühl zu haben eingesperrt zu sein.

Viel davon ist der sorgfältigen Planung des Hotelgründers Rogerio Fasano und seinem Sparringspartner, dem Architekten Isay Weinfeld, zu verdanken. Ersterer steht für die herausragende Güte der brasilianischen Gastfreundschaft, und Weinfeld würde so gut wie jeder brasilianische Millionär gerne damit beauftragen, Strandhäuser und Stadtwohnungen zu bauen.

Im Laufe des Jahres wird das Unternehmen Fasano sich erstmals über Brasiliens Grenzen hinauswagen und eine Ferienanlage außerhalb von Punta del Este in Uruguay eröffnen. Damit wird das Land um eine internationale Luxus-Marke bereichert, die es mit Häusern wie Four Seasons und Hyatt aufnehmen kann und die ihre eigenen Vorstellungen von Gastlichkeit und Design exportiert - wobei Letzteres eine willkommene Abwechslung zu den langweiligen üblichen asiatischen Formeln darstellt, die von vielen großen globalen Marken kopiert werden.

Während ich am nächsten Morgen das ewige Stop-and-Go auf den Straßen São Paulos erduldete, unterzog ich die Marken der Geschäfte einer mentalen Revision. Die meisten Namen rund um das Fasano waren die üblichen internationalen Luxusverdächtigen, und ich fragte mich, ob dies wohl eine neue Kategorie war, die ich meinem BRIC-Index hinzufügen sollte: Wie viele Brands der vier Wirtschaftsmächte, die in heimischer Produktion entworfen und hergestellt werden, gebrauche ich in meinem Alltag? Als ich das wenige Kilometer entfernte erreichte, sah es so aus, als wäre Brasilien schon wieder führend.

Ich kam auf: "Made in Brazil"-Havaianas-Flipflops, die sich bei Reisen in heiße Klimazonen in meinem Gepäck befinden, "Made in Brazil"-Embraer-Flugzeuge für kurze Fernreisen, elegante "Made in Brazil"-Stühle von Sergio Rodrigues unter meinem Hintern und "Written, Recorded und Pressed in Brazil"-Musik von Bebel Gilbert und Barbara Mendes, die auf meinem Laptop gespeichert ist. Ich überlegte lange, aber mir fiel keine einzige indische, russische oder chinesische Marke ein, die ich besaß oder benutzte - weder russisches Design in meinem Haus, noch Reservierungen in irgendeinem indischen Hotel oder ein Lenovo-Laptop in meiner Tasche.

Übersetzung für MERIAN.de: Andrea Fonk

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Autor:
Tyler Brûlé