Ostern mal anders Ostertraditionen weltweit

Oster-Parade in New York, Lämmerwanderung auf Texel und fliegende Fische auf Barbados - Osterbräuche sind regional unterschiedlich. MERIAN.de zeigt, welche Traditionen es an den Osterfeiertagen auf der Welt gibt.

Vorsicht! Am Karsamstag fliegen auf Korfu die Untertassen. Die Bewohner dieser nordgriechischen Insel werfen keramische Gefäße, die mit Wasser gefüllt sind, aus den Fenstern ihrer Häuser. Damit wollen die Korfioten das Wieder-Erwachen der Natur begrüßen. Auch jene Kurzurlauber, die sich vor Reise-Antritt nicht über die Osterbräuche ihres Gastlandes informieren, gewinnen bei diesem rituellen Geschirr-Zerdeppern die Erkenntnis: Aller Segen kommt von oben.

Die Schweizer Bundeshauptstadt Bern feiert dagegen auf Augenhöhe mit ihren Urlaubsgästen die Auferstehung des Herrn. Am Ostersonntag treffen sich die Berner auf dem Kornhausplatz zum "Eiertütschen". Bei dieser Mischung aus Glücksspiel und Geschicklichkeits-Wettbewerb schlagen jeweils zwei Kontrahenten ihre mitgebrachten Ostereier aneinander. Das standhafteste Ei gewinnt. Jeder Teilnehmer muss seine eigenen Sportgeräte (nicht vergessen: vor Gebrauch kochen!) mitbringen.

Für ihren auf Einheimische wie auf Touristen gleichermaßen ansteckend wirksamen Spiel- und Bewegungsdrang sind auch die Ostfriesen bekannt. Nur böswillige Zuschauer übersetzen die ostfriesische - dem französischen Boule oder italienischen Boccia verwandte - National-Sportart "Boßeln" mit "eine ruhige Kugel schieben". In einen sogar noch größeren Spielrausch steigern sich jedes Jahr die Athleten aus Westoverledingen und den umliegenden Gemeinden, wenn sie sich am Ostersonntag beim "Nötenscheten" (Nüsse schmeißen) und "Eiersmieten" (Eier werfen) zum Kräftemessen verabreden.

Wandernde Lämmer und fromme Renner

Wem das ostfriesische Geschicklichkeits-Spiel zu rasant erscheint, der sollte am Ostermontag 200 Kilometer weiter westlich auf der Wattenmeer-Insel Texel eine Lämmer-Wanderung begleiten. Hier im holländischen Frysland und in anderen Nordsee-Regionen werden mit solch einem Schäfchenzählen die jungen Tiere auf ihre Weiden gebracht. Dort kauen sie dann für den Rest ihres Lebens das Gras ab und trampeln gleichzeitig den Untergrund der Deiche fest. Für diese Oster-Wanderung stehen unterschiedliche Schwierigkeitsgrade von fünf bis 40 Kilometern Länge zur Verfügung. Den Besuchern dieses mobilen Streichelzoos sei das Tragen von Gummistiefeln empfohlen.

Auch in vielen anderen Randsportarten wird zu Ostern die Freiluftsaison eröffnet. Ruder- und Reiter-Vereine, motorisierte und nichtmotorisierte Zweirad-Clubs erwachen aus dem Winterschlaf, Marathon- und Halbmarathon-Läufe finden statt. Aber was ist das alles gegen jene Bußübung, zu der jedes Jahr Tausende von Pilgern am zweiten Freitag nach Ostern im österreichischen Bundesland Kärnten aufbrechen? Beim "Vier-Berge-Lauf" erstürmen sie vier Gipfel, legen 50 Kilometer zurück und überwinden 2500 Höhenmeter in etwa 16 Stunden. Danach sind alle Sünden vergeben. Eine fromme Legende besagt, dass die Pflege dieses Brauchs niemals aufhören darf, weil ohne die Kärntner "Vierbergler" unsere Welt untergehen würde. Die gleiche Überlieferung verspricht außerdem für jeden, der mindestens dreimal an dieser Mountain-Expedition teilgenommen hat, einen sicheren Platz im Paradies.

Obwohl sie auf einer paradiesisch schönen Mittelmeer-Insel wohnen, zelebrieren Bewohner der Nordostküste von Malta jedes Jahr am Ostersonntag eine "Renn-Prozession". Im Sprintertempo tragen sie eine Marien-Statue durch die Gassen von Vittoriosa. Es ist kein religiöser Eifer, von dem die Träger auch heute noch zur Eile getrieben werden, sondern ein Erlass aus dem frühen 19. Jahrhundert. Der damalige britische Gouverneur hatte angeordnet, dass Prozessionen nur zeitlich begrenzt stattfinden dürfen. Um Geldstrafen zu vermeiden, rannten die schnellsten Männer des Ortes mit der Statue durch Vittoriosa, damit alle Bürger sie zu sehen bekommen.

Ostermarschierer und fliegende Fische

Gemächlicher und würdevoller bewegen sich am Ostersonntag die Reiter-Prozessionen durch das Sorbische Siedlungsgebiet südlich vom Spreewald und von Cottbus. Im Städtedreieck Hoyerswerda, Kamenz und Bautzen verkünden singend und betend insgesamt 1600 festlich geschmückte Reiter in Frack und Zylinder die österliche Frohbotschaft.

Ohne fromme Hintergedanken marschieren nostalgisch aufgebrezelte New Yorkerinnen und New Yorker jedes Jahr am Ostersonntag von der Ecke 5th Avenue/49th Street rauf zur 57th Street. Die Oster-Parade ist eine Persiflage auf jene Zeit, als die Wohlbetuchten ihre neuesten Fummel - vor allem die absonderlichsten Kopfbedeckungen - nach dem Kirchgang dem staunenden Publikum vorführten. Heute präsentiert sich dieser Ostermarsch als eine Mischung aus Kitsch, Kunst und Karneval.

Nicht ganz so öffentlich und weniger ausgelassen feiern Christen in der Türkei ihr Osterfest. Seit 2000 Jahren prägt das Christentum diese Region, dass Neue Testament lässt sogar den Apostel Paulus aus dem Gebiet der heutigen Türkei kommen. Vor allem Istanbul könnte sich mit seinen zahlreichen Gotteshäusern in den kommenden Jahren zum Geheimtipp für christlich-abendländische Spurensucher entwickeln. Und auch in anderen Regionen der Türkei feiern orthodoxe, armenische und syrische Christen, die türkischen Katholiken und Protestanten ihre jeweiligen Osterfeste. Gemeinsam ist ihnen allen, das sie nicht an den Osterhasen glauben, sondern zum Fest rot gefärbte Eier auf den Tisch bringen.

Eine kulinarische Spezailität auf der Antillen-Insel Barbados ist der fliegende Fisch, zu dem an Ostern "Hot Cross buns" gereicht werden. Diese würzig-süßen Osterbrötchen hatten die britischen Kolonialherren den Bajans einst mitgebracht. Beim "Fish Festival", das jedes Jahr am Osterwochenende in dem Fischerörtchen Oistins stattfindet, wird zum flying fish außerdem noch gereicht: eine Mischung aus Okra und Maismehl, genannt "Cou-Cou", dazu noch die ortsüblichen Reggae- und Calypso-Sounds, die Kinder lassen ihre bunten Drachen steigen.

Autor

Winfried Dulisch