Von Roland Schulz
Spezialeinheiten der Polizei stellt man sich anders vor: 16 Beamtinnen zeigen den Besuchern Quitos die am besten erhaltene koloniale Altstadt Südamerikas. MERIAN war unterwegs mit der charmanten Touristenstreife.
Sie sagen, es sei die Sonne. Weil sie hier, so nahe am Äquator, so hoch in den Anden, ein Licht wirft, das durch die dünne Luft sticht wie ein Stilett, schmerzhaft scharf, und alle Farben verändert: Der Himmel über Quito ist nicht sanft wie andere Himmel, er brennt in einem Graublau, das die Menschen ihre Augen mit Händen beschirmen lässt, wenn sie nach oben blicken. Das Braun der Erde ist nicht satt wie anderswo, es ist ein stumpfes Braun, dem Sonne die Kraft ausgetrieben hat, das Grün der Bäume ist nicht saftig, und das Weiß - das Weiß von Quito ist wie von einer anderen Welt.
Wer auf Quito herabblickt, vom Vulkan Pichincha aus, der sieht einen 50 Kilometer langen, vier Kilometer breiten Moloch. Die Stadt zeigt ihre Schönheit nicht aus dieser Entfernung, sie trägt den Smog, der sich auf 2800 Metern über dem Meer nur selten auflöst, wie einen grauen Schleier. Man muss sich der Stadt nähern, um das Geheimnis ihres Lichtes zu lüften.
Wer direkt über der Altstadt steht, zu Füßen der Geflügelten Jungfrau auf dem Monte Panecillo, der sieht, was die Einheimischen meinen, wenn sie sagen, dass die Sonne dieser Stadt ihr Gesicht gibt: Die Häuserzeilen des historischen Zentrums liegen so waschmittelpropagandaweiß da, als wollten sie die Existenz übriger Farben widerlegen. Nur wer sich konzentriert, nimmt das Granitgrau des Straßenpflasters wahr und das Rotbraun der Ziegeldächer, auf dem, wie Blüten auf einem Beet, mosaikverzierte Kuppeln und Glockentürme sitzen.
Unten, in den Straßen und Gassen, dröhnen die Autobusse, sie ziehen schwarze Abgasfahnen hinter sich her, dazwischen Taxis, Motorräder und die mit klingender Glocke durch die Gassen fahrenden Kastenwagen, von denen herab Gaskartuschen verkauft werden. Auf den Bürgersteigen eilen die Menschen dahin, Schüler in strengen Uniformen, Indio-Frauen in bunten Röcken und mit runden, schwarzen Hüten auf den Köpfen und Männer mit krawattenstarren Hälsen. Vor den billigen Restaurants rufen Kellner ihre Gerichte aus, vor den teuren tun es in den Weg gerückte Werbeständer, aus den Eingängen dringt der Geruch von Gebratenem und in Fett gebackenen Kringeln. Dazwischen schieben Händler ihre Handkarren, der eine verkauft Tischtücher, der andere Tassen und Teller dazu, in allen Läden Produkte im Sonderangebot oder Schlussverkauf, auf allen Straßen Lärm und Bewegung.
Diese Straßen sind der Arbeitsplatz von María Novillo, 29 Jahre, Polizistin im Sondereinsatz. Sie steht im Schatten eines Torbogens, eine zierliche Frau mit schwarzem, zum strengen Dutt gekämmten Haar, und blickt ihre Lieblingsgasse, "La Ronda", hinab: Satte, koloniale Pracht, alles frisch saniert. Von schmalen, gusseisernen Balkonen grüßen Geranienkästen, Fahnen in Gelb, Blau und Rot, den Farben Ecuadors, ragen auf die Straße. Zu Zeiten der Spanier war diese Gasse eine bedeutende Einfallstraße längs der Stadtmauer von Quito. Heute ist sie ein Lieblingsfotomotiv der Touristen. María Novillo deutet auf einen Hauseingang, über dem Türstock prangt ein großes, in Stein gehauenes Kreuz. "So war es früher Tradition", sagt sie, "so konnte jeder sehen, dass in diesem Haus gute Christenmenschen wohnen." Man verbündet sich gern mit dem Himmel in Quito.
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Der Erfinder von Magazinen wie "Wallpaper" und "Monoclé" ist ein Vielreisender und Kosmopolit. Hier schildert Ihnen Tyler Brûlé exklusiv seine ganz persönlichen Eindrücke vom Leben auf der Überholspur. Brûlé und weitere Kolumnisten - hier
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