Der Chapman's Peak Drive südlich von Kapstadt gilt als eine der schönsten Küstenstraßen der Welt - und als eine der gefährlichsten. Für MERIAN.de setzte sich Franziskus Kerssenbrock hinters Steuer und genoss vor allem eins: die tolle Aussicht.
Es gibt jene, die ihn immer wieder befahren, und es gibt andere, die glaubhaft versichern, nie wieder die 114 Kurven des Chapman's Peak Drive nehmen zu wollen. Trotz all seiner Schönheit. Es ist nicht die Anzahl der Kurven auf der neun Kilometer langen Strecke zwischen Hout Bay und Noordhoek. Es ist die Straße selbst - jenes schmale Asphaltband, hineingesprengt in den schroff abfallenden Felsen. Nur ein zierliches Mäuerchen grenzt die Fahrbahn gegen den Abgrund hin ab. Dahinter ist nichts. Außer der gewaltigen Brandung des tiefblauen Atlantiks. Das Misstrauen gegenüber dem Mäuerchen ist verständlich.
1989 durchbrach der Mercedes eines südafrikanischen Geschäftsmannes in einer Kurve diese diskrete Andeutung einer Begrenzung und stürzte hundert Meter in die Tiefe. Der Wagen prallte auf einen Felsvorsprung, der Fahrer blieb unverletzt.
Grund genug, für Mercedes Südafrika, die Situation nachzustellen und in einem Werbespot ihre unverwüstliche Autokonstruktion zu vermarkten. Prompt sandte BMW Südafrika einen Wagen seiner Marke auf den Chapman's Peak Drive, der natürlich im entscheidenden Moment auf der Fahrbahn blieb. "Wouldn't you like to drive a car that beats the bends?", fragten sie. Frei übersetzt: "Würden Sie nicht lieber ein Auto fahren, das auf der Straße bleibt?" Der Spot musste wegen vergleichender Werbung abgesetzt werden. Legendär ist er bis heute.
Im selben Jahr wurden 22 Autowracks unterhalb des Chapman's Peak Drive bei einer Säuberungsaktion mit einem Helikopter geborgen. Er hat es in sich, der Drive. Also darf man ihn nur noch langsam befahren. Anderes bleibt einem auch nicht übrig, zumal in der Saison. Dann stauen sich Busse und Pkw auf der Strecke, die als eine der schönsten Küstenstraßen der Welt gilt. Die schönste Südafrikas ist sie ohnehin, so formvollendet in den je nach Lichteinfall und Tageszeit mal ocker, dann wieder rötlich strahlenden Berg hineingeschlagen, dass man sich unvermittelt an die Italienische Riviera erinnert fühlt. Was mit ein Grund dafür sein mag, dass deutschsprachige Reiseführer und Reiseleiter mit der Information aufwarten, die Straße sei von 1915 bis 1922 von italienischen Kriegsgefangenen errichtet worden.
Richtig an dieser Version ist nur die Zeitangabe. Zwar trat Italien 1915 in den Ersten Weltkrieg ein, dies aber als Verbündeter der Entente und somit Südafrikas. Und so mag die Straße in ihrer Kühnheit und Eleganz an jene italienischer Küstenabschnitte erinnern - italienischer Hände Werk ist sie nicht. Wenngleich man versucht ist, sich ein italienisches Cabrio auszuleihen, um stilgerecht die Route entlang der Atlantikküste von Kapstadt bis ans Kap der Guten Hoffnung zu absolvieren.
Anmerkung der MERIAN.de-Redaktion: In die Bildergalerie zu diesem Artikel ist uns ein fehlerhaftes Motiv geraten, das so nicht hätte veröffentlicht werden dürfen. Wir haben dieses Motiv entfernt. Für den Fehler möchten wir uns entschuldigen.
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