QUITO

Ecuador

Schaurig schöne Feuerberge

Von Jutta von Campenhausen

Ecuador ist das Land der Vulkane. 17 von 73 sind aktiv und mehr als die Hälfte der Bevölkerung lebt in ständiger Angst vor einem Ausbruch. Denn die feurigen Riesen geben keine Ruhe.

Die Bäume stecken schwarz verkohlt im Geröll. Auf Kniehöhe ragt ein vom schwefelsauren Regen zerfressenes Wellblechdach hervor. Den Hang hinunter ins zerklüftete, üppig grüne Tal zieht sich ein mehrere hundert Meter breiter Streifen aus Asche, Staub und Steinen. Ein dumpfes Grollen kommt aus dem Inneren des Berges, sonor und unheimlich. Doch aus dem Krater zischt nur eine freundliche, schneeweiße Dampfwolke in den blauen Nachmittagshimmel.

Ecuador: Die Allee der Vulkane

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"Ungewöhnlich ruhig", findet Patricio Ramón den Vulkan Tungurahua* nahe der Stadt Baños heute. "Das ist kein gutes Zeichen", sagt er, "gerade vor größeren Ereignissen ist der Berg besonders still." Der Vulkanologe vom Geophysikalischen Institut der Polytechnischen Hochschule in Quito (IGEPN) stapft durch die braune Mondlandschaft, es sind Ablagerungen eines pyroklastischen Stroms, der im August 2006 mit 150 Stundenkilometern aus dem Krater des gut 5000 Meter hohen Tungurahua zu Tal raste. "Nubes ardientes", brennende Wolken, nennen die Einheimischen die glühende Mischung aus Asche, Gas und Gestein, die alles zerstört, was sie berührt. Keine Frage: Dieser Berg lebt. Die Flanken des Vulkans sind von Blumenrabatten, Gemüsefeldern und Obstplantagen bedeckt. Auf den steil aufragenden Höhenrücken balancieren unverputzte Steinhäuschen, die sich mal um einen betonierten Sportplatz, mal um eine kleine Kirche drängen. Viele Dächer sind neu. Ihre Vorgänger sind unter der Last der Asche eingebrochen oder wurden vom Schwefelregen zerfressen.

Es ist die sagenhafte Fruchtbarkeit der Vulkanasche, die den Boden an den steilen Hängen des gigantischen Tungurahua so attraktiv macht, dass die Menschen nicht aus der Gefahrenzone weichen wollen. Schon zwei Wochen nach einem Ascheregen grünt es wieder. Die Ablagerung des pyroklastischen Stroms ist jedoch in zwei Meter Tiefe noch eineinhalb Jahre nach dem Ausbruch heiß. Es dauert lange, bis hier wieder etwas wächst. Mehr als die Hälfte der 13 Millionen Ecuadorianer lebt in ständiger Bedrohung durch einen Vulkan.

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Ecuador, Januar 2008

73 Feuerberge drängen sich in dem kleinen Land - das ist die höchste Vulkandichte weltweit. 17 davon gelten als aktiv. Die meisten, ebenmäßige Kegel, reihen sich in den Anden aneinander, sie umschließen eine fruchtbare Hochebene, für die Alexander von Humboldt den Namen "Straße der Vulkane" erfand. Ein solches "Kettengebirge" ist typisch für Gebiete, in denen sich Platten der Erdkruste zusammenschieben: An der Westküste Südamerikas quetscht sich die ozeanische Nazca-Platte unter die leichtere Südamerikanische Kontinentalplatte. Mit ungeheurer Kraft heben sich Gesteinspakete heraus, faltet sich die Erde auf.

Im Graben zwischen den Erdkrustenstücken ist der Druck so gigantisch, dass die Temperatur immer weiter steigt und das Gestein schmilzt. Es entsteht zähflüssige Magma, die sich im sogenannten "pazifischen Feuerring" sammelt und immer wieder in Vulkanschloten nach oben steigt. Mit nur 700 bis 900 Grad Celsius ist diese Lava relativ kalt. Gleichzeitig enthält sie viele Gase. Die typischen Vulkanausbrüche der Anden sind deshalb explosiv, Fachleute nennen das strombolianisch, nach den typischen Ausbrüchen auf der italienischen Vulkaninsel Stromboli. Meist schleudern solche "Schichtvulkane" abwechselnd lockeres Material wie Bimsstein und Asche in die Luft und ergießen anschließend zähe Lava darüber. Wenn diese Ablagerungen erkalten, entstehen die charakteristischen, namensgebenden Schichten.

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