STEIERMARK

Schladming

Das weiße Herz der Steiermark

Von Marc Bielefeld

Schnee satt und beste Pisten, das sollte doch langen für den perfekten Winterurlaub. Schladming reicht das nicht. Wenn in dem österreichischen Ort der Skizirkus gastiert, nehmen die Attraktionen kein Ende.

Es sind nur zwanzig Schritte bis zum Abgrund. Dünne Schneeflocken fliegen, ein frischer Wind faucht durch die Bergwelt. Auf einem Schild steht: Klettern verboten! Zwei, drei Meter noch, die der zu Höhenangst neigende Mensch mit Entschlossenheit hinter sich bringen sollte. Denn dann steht er auf einer Glasfläche, exponiert, fast schwebend, 2700 Meter hoch - mitten in der Luft über den Felsen des Hunerkogels. Unter seinen Füßen bricht eine 250 Meter tiefe Steilwand ab: Lotrecht kippt der Blick in die Tiefe.

Magenkribbeln. Vertigo als Urlaubsvergnügen. Der "Sky Walk" oben an der Südwand des Dachsteingletschers ist ein Balkon, der in die Leere hinausführt. Von hier oben öffnet sich ein gewaltiger Ausblick: bis nach Slowenien im Süden und bei guten Sichtverhältnissen bis nach Böhmen im Norden. Am Horizont thronen die Venedigergruppe, die Kreuzeckgruppe, der Großglockner. Mächtige weiße Gipfel. Davor, hübsch an die Berge geschmiegt, liegen Dörfer, Kirchen und Seilbahnen. Die Region Schladming- Dachstein tut sich auf, eines der größten Skizentren Österreichs. Das weiße Herz der Steiermark.

Schladming: Ski-Ort der Superlative

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Der Nervenkitzel am Sky-Walk ist bei weitem nicht die einzige Attraktion, mit der die Region sich brüsten kann. Schladming-Dachstein offeriert Chatrooms auf 1900 Meter und beste Küche auf 2700 Meter Höhe, Joseph Haydn in Eis und von Mozart beschallte Klangpisten. Außerdem Ballons, die durch die eisigen Alpennächte schweben, Badeparadiese, Nebelgrotten und Kräuterbäder. Und natürlich die richtige Stimmung.

Die bekommt man nicht ohne Musik, und für die ist heuer David Guetta zuständig. Es ist Anfang Dezember, es schneit. Guetta trifft planmäßig ein und stellt sich vor einem DJ-Pult aus Eis auf. Er ist einer der bekanntesten DJs der Welt, man hat ihn eigens aus L.A. eingeflogen, wo er gerade für fünf Grammys nominiert wurde. Und nun ist er hier, in Schladming, oben auf der Planai, 1894 Meter über Normal Null. Hinter dem blonden Franzosen tanzen drei Pistenbullys ihr Ballett, während der Abend anbricht, wackelnde Schneeschaufeln, Scheinwerfer wie Laserschwerter.

GEFUNDEN IN ...


Steiermark, März 2010

Während der Pressekonferenz am Berg wird Guetta gefragt, was er lieber mag, Sex on the Beach oder Sex in the Snow, woraufhin Guetta antwortet: "Sex everywhere!" Es sind die rechten Worte, Leitsentenz für die große Party heute Abend. Der Bürgermeister steht an Guettas Seite, er sagt, "frech, jung, dynamisch, das wollen wir sein", dann verlässt Guetta die Stätte, es sind noch sechs Stunden bis zum Konzert. Jedes Jahr inszeniert Schladming einen solchen internationalen Top-Act, die letzten Male waren es Pink und Kid Rock, die Gäste mögen das, dem Ort verleiht es Glanz und Glamour.

Stunden später strömen 15 000 Menschen unten ins Stadion, wo sonst Weltcup- Profis weiße Bremsfontänen aus dem Schnee katapultieren. Nun stehen hier Würstlbuden, Bierstände und riesige Bildschirme. Um halb zehn betritt Guetta die Bühne, hebt die Arme gen Berge und legt los. 15 000 junge Menschen schreien, jubeln, tanzen und machen die Nacht zum Tag, oben schneit es, alles stimmt. Schladming feiert an diesem langen Wochenende sein Ski-Opening, den offiziellen Beginn der Wintersaison. Ein wichtiges Ereignis, jetzt wird es ernst. Der Winter muss die Einnahmen bringen. Es sind nur vier Monate, in denen bis zur Schmerzgrenze gearbeitet wird.

Ab sofort ist Höchstsaison in den Alpen, und die Region Schladming-Dachstein ist bestens darauf vorbereitet. Nichts bleibt hier ungetan, um den Kunden glücklich zu machen. Die Voraussetzungen könnten nicht besser sein: Die Berge sind hier so beschaffen, dass neun Skiwelten in einem Gebiet zu erreichen sind, von der Planai über Hochwurzen bis hin zum Stoderzinken. 223 Kilometer Pisten durchkämmen die Berge, schwarze, blaue, rote Abfahrten, die sich zwischen Wäldern und Wipfeln talwärts winden. Und über allem thront der Dachsteingletscher, eine Laune der Erdwerdung, die für ganzjähriges Skifahren sorgt und es erlaubt, den Gletscher auf einer 25 Kilometer langen Route zu überqueren. Eiszeit bis nach Obertraun.

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