Von Karoline Riese
New York ist die Kunstmetropole in der USA - oder sollte man besser sagen: ... wird es bald gewesen sein. Denn an der anderen Seite der Küste wird gerade massiv aufgerüstet. Unter anderem mit einem spektakulären Museumsneubau.
Um zu verstehen,warum 2008 ausgerechnet Los Angeles das spektakuläre Museum für zeitgenössische Kunst, das "Broad Contemporary Art Museum", bekommen hat, müssen wir an die Ostküste schauen. Denn wie so häufig in der amerikanischen Geschichte ist die Rivalität zwischen Ost und West, namentlich zwischen New York und Los Angeles, Auslöser für große Geschichten, großes Geld und - in diesem Fall - große Kunst.
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Aber die Broads "machten" es hier nicht. Eingewandert, aber nie angekommen, schmeckte ihr Stück vom Big Apple alles andere als süß, sauer verdient waren die wenigen Dollar, die Broads Vater mit Gelegenheitsarbeiten nach Hause brachte. New York zeigte den Broads die kalte Schulter. Das Ehepaar blieb im Osten, zog aber weiter nach Detroit, wo es mit einem Krämerladen zu bescheidenem Wohlstand kam. Hier in Detroit, Michigan, wo einst das dunkle Herz der amerikanischen Industrie schlug, wurde Eli Broad 1933 geboren.
Kunst und Detroit, das passt ungefähr so gut zusammen wie Cecilia Bartoli als Sängerin von "Metallica". Und doch wurde aus Eli Broad nicht nur einer der reichsten Männer der Welt, sondern auch einer der größten Kunstsammler und Mäzene unserer Zeit. Sein Privatvermögen wird auf vier bis sechs Milliarden Dollar geschätzt, angehäuft hat Broad es hauptsächlich mit Bau, Immobilien und Versicherungen. New York hat er nie verziehen. Wie die meisten der rund 200 amerikanischen Milliardäre zog es ihn nach Kalifornien.
Für Kunst begann er sich vor rund vier Jahrzehnten zu interessieren, Ehefrau Edythe soll diese Leidenschaft in dem als grantig und herrschsüchtig geltenden Tycoon geweckt haben, als sie in den Sechzigern ein Originalplakat von Henri de Toulouse-Lautrec erwarb. Seinen ersten Vincent van Gogh kaufte Broad dann 1972, von dem er sich schnell wieder trennte, als er die zeitgenössischen Künstler für sich entdeckte: Andy Warhol, Jeff Koons, Robert Rauschenberg und Jasper Johns, Künstler, die in New York ausgestellt und gefeiert wurden, dort auch oft ihre künstlerische "Homebase" hatten.
Broad kaufte ihre Werke wie kleine Kinder Panini-Sammelbilder. Er sitzt im Vorstand des MoMA, und die Fachzeitschrift ARTNews zählt ihn zu den zehn größten art collectors der Welt. Und nicht nur das: Broad begann das als kulturell gegenüber der Ostküste minderwertig geltende Kalifornien mit Großprojekten aufzurüsten. Hier 18 Millionen Dollar für den Bau der "Walt Disney Concert Hall", dort über 20 Millionen für das "Broad Arts Center" der University of California in Los Angeles. Dazu kommt seine "Broad Art Foundation", die die rund 1500 Werke seiner Sammlung weltweit an Museen und Galerien verleiht. Und schließlich besagte 60 Millionen für den Umbau des Los Angeles County Museum of Art (LACMA), das sein neues Gebäude nach dem Spender benannt hat: Broad Contemporary Art Museum at LACMA.
Dessen Eröffnung im Februar 2008 sei das Kunstereignis des Millenniums gewesen, befand Glenn O'Brien, damals Chefredakteur des von Andy Warhol gegründeten Magazins Interview, und fragte: "Ist L.A. das neue New York?" Hollywood und die Kunst haben schon immer miteinander geflirtet. Doch während an der Ostküste der Abstrakte Expressionismus und Pop Art geboren wurden, die Museen ihre Sammlungen ausbauten und der Kunsthandel in New York immer mehr florierte, genoss die Künstlergemeinde an der Westküste den Lifestyle des sonnigen Kalifornien.
Der Brite David Hockney malte hier seine Bilderserie, die das Symbol des dekadenten easy living, die Swimmingpools von Los Angeles, zum Thema hatte. Künstler wie James Turrell ließen sich vom wolkenlosen Himmel und von den Farben des Pazifik inspirieren. Der in L.A. lebende Ed Ruscha, der 1956 als junger Mann in seinem Ford aus Oklahoma angereist kam, fotografierte Mitte der sechziger Jahre jedes Gebäude am Sunset Strip. Ein paar Jahre später knöpfte er sich das berühmte Hollywood-Zeichen vor. Um schließlich auf einem Bild festzustellen: Hollywood Is A Verb. Keine Stadt also, sondern eine Handlung.
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