HOLLYWOOD

Hollywood

Der Mann, der Obamas "Hope" machte

Von Stefan Kloo

Zerrissene Poster, kryptische Markierungen, Sprühdosenwerke - Los Angeles ist gepflastert mit Street Art. Einer der berühmtesten Vertreter ist Shepard Fairey, der mit seinem Obama-Konterfei zum Millionär wurde.

Jeder kennt dieses Bild: Barack Obama, den Kopf leicht schief gelegt, ein Schatten auf der linken Hälfte seines Gesichts, unten in Blockbuchstaben das Wort HOPE, "Hoffnung". Es wurde zum Schlüsselmotiv von Obamas Kampagne und stammt doch aus keinem seiner Wahlkampfbüros.

Im Frühjahr 2008 tauchte es plötzlich in den Straßen von L.A. auf. HOPE war unvermittelt überall, rüde an Telefonkästen, Fassaden und Bauzäune gekleistert. HOPE lag in der Luft, und das Plakat sprach zu denen, die es sehen konnten, mit Stolz und einem aufmüpfigen Unterton, mal leise, mal laut. Wäre die Sache wie gewöhnlich gelaufen, dann wäre ein, zwei Tage später ein Reinigungstrupp vorbeigekommen, hätte die Bilder übermalt und verschwinden lassen.

Hollywood: Flüchtige Kunst

Fotostrecke starten: Klicken Sie auf ein Bild (26 Bilder)

Stattdessen ist das Motiv zum Symbol geworden, wurde von Obamas Wahlkampfstrategen dankbar benutzt, ging via Internet um die Welt - und hängt jetzt in der Nationalen Porträtgalerie. Es ist eine dieser Geschichten, die so wunderbar in die Anekdotensammlung des American Dream passen: ein scheinbar achtlos hingekleistertes Plakat schafft es in eines der ehrwürdigsten Museen der USA, der Street Artist wird zum Millionär.

Tatsächlich ist Shepard Fairey reich und berühmt. Die Galerien reißen sich um seine Arbeiten, Stars klopfen ihm auf die Schulter. Fairey hat Street Art - fast unfreiwillig - gesellschaftsfähig gemacht. Dabei ist Fairey, 39 Jahre alt, kurze Haare, eloquent und selbstbewusst, nicht der Tellerwäscher, den sein Glück überrumpelt. Er arbeitet schon lange auf der Straße, genießt es, in der Grauzone zwischen Legalität und Vandalismus seine persönliche Propaganda zu organisieren.

Er sagt das tatsächlich so: "Propaganda". Das Wort sei ihm viel zu negativ besetzt, erklärt er, für ihn hat der Begriff etwas Positives: die Methode, für seine eigenen Vorstellungen und Ideen einzustehen, "das, wofür es sich zu leben lohnt". Das Obama-Plakat war der brennende Papierkorb auf der Straße, der sich von L.A. aus zu einem Flächenbrand ausbreitete, aber es war nicht das erste und einzige Feuer, das Fairey gelegt hat. Legendär ist mittlerweile seine "Obey Giant"-Kampagne: In den 1990ern tauchte die stilisierte stoische Fratze des Wrestlers André the Giant in Los Angeles auf, darunter der Befehl OBEY, "Gehorche".

Die Angelenos standen damals ratlos vor diesen Postern, Stickern und gesprühten Schablonen in ihrer Stadt. In ihren Gesichtern stand die Frage: "Was soll das?" Wer nachdachte, fand eine ernsthafte Anregung, seine gewöhnlichen Sehweisen zu überdenken. "Warum soll ich gehorchen - und wem?" Mit der inhaltslosen Ikone des Wrestlers entlarvte Fairey die entmündigende Mechanik und Macht der visuellen Medien. Für ihn eine kalkulierte Übung in Propaganda, Massenkommunikation und Medienhörigkeit. OBEY wurde zum Warenzeichen ohne Produkt, eine umgekehrte Markenbildung.

Mittlerweile werden unter dieser Marke, Faireys Marke, erfolgreich Kleidung, Skateboards, Drucke, Designerspielzeug und Lifestyle-Accessoires verkauft. Fairey organisiert neben seinen komplett ausverkauften Ausstellungen noch ein Modelabel, seine eigene Galerie, sein gefragtes Designstudio, sein Magazin Swindle und seine DJ-Karriere.

Street Art verlangt vom Betrachter zuerst einmal nicht viel: kein Hintergrundwissen, keine geschultes Auge. Nur eines ist wichtig: Aufmerksamkeit. Die Bilder, Zeichen, Aktionen der Street-Art-Protagonisten sind die Ausnahmen von der Regel, quasi der subversive Schluckauf einer Metropole, die von der einheitlichen Dichte der plakativen Mitteilungen lebt und darauf angewiesen ist, dass der Betrachter diese unreflektiert aufnimmt.

Mit Straßenkunst im herkömmlichen Sinn, mit Leierkastenmann, Kreidemaler oder dem Pantomimen in der Fußgängerzone, hat Street Art nur gemein, dass sie im öffentlichen Raum stattfindet. Viele Künstler lehnen den Begriff ab, sie haben ihre eigenen Namen für ihr Genre: "Guerilla Art", "Urban Art" beschreiben alle denselben Elefanten von verschiedenen Seiten.

WETTER

Stadt Temperatur Himmel
Berlin 22°C wolkig
London 20°C heiter
New York 18°C regen
Rio de Janeiro 29°C wolkig
Rom 29°C wolkig
Tokio 25°C wolkig

Schwarzwald

Das aktuelle MERIAN Magazin

Kaum eine Region Deutschlands ist im Ausland so bekannt wie der Schwarzwald. Kuckucksuhr und Schwarzwälderkirschtorte sind selbst in Australien und Amerika ein Begriff. Mehr dazu im neuen MERIAN.

 

Zum Shop

Kolumnen

Viktoria-Marie Schiffler

Tyler Brûlé: Fast Lane

Der Erfinder von Magazinen wie "Wallpaper" und "Monoclé" ist ein Vielreisender und Kosmopolit. Hier schildert Ihnen Tyler Brûlé exklusiv seine ganz persönlichen Eindrücke vom Leben auf der Überholspur. Brûlé und weitere Kolumnisten - hier





Weitere Internetseiten der GANSKE VERLAGSGRUPPE Online-Angebote der SPIEGEL-Gruppe: