Prächtige Kolonialstädte, traumhafte Strände und viel Revolutionsromantik: Kuba ist ein Paradies für Touristen. Für die meisten Einwohner ist das Leben auf der "Zuckerinsel" jedoch alles andere als süß.
An den Stränden - es gibt davon rund 300 - zeigt sich die Insel von ihrer besten Seite: traumhaft weiß, so fein wie Puderstaub. Tropenparadiese locken in Varadero, Cayo Coco oder der Costa Esmeralda, wo Palmen rascheln, das türkisfarbene Meer in der Sonne glitzert und der Tropenwind über die Haut streichelt. Schon Christoph Kolumbus wähnte sich im Paradies, als er 1492 "Cubanacán" (indianischer Name Kubas) erstmals zu Gesicht bekam. Aber die Insel hat weit mehr zu bieten als nur schöne Strände.
Kuba spannt sich in einem eleganten Bogen aus Korallenriffen, Palmenstränden, grün überwucherten Gebirgszügen, dichten Mangrovensümpfen, weiten Zuckerrohr- und Tabakplantagen von West nach Ost - insgesamt 114.524 Quadratkilometer Land. Korallenbänke sind der Küste wie Gärten vorgelagert - sie zählen zu den weltweit besten Tauchrevieren. Zu einem Viertel ist die größte der karibischen Antilleninseln gebirgig. Die höchste Bergkette, die Sierra Maestra, hat mit ihren fast 2000 Metern am Pico Turquino sogar Hochgebirgscharakter.

MERIAN live!, Kuba, 2008
Kubas Kolonialstädte sind nicht nur sehr alt. Sie sind vor allem auch schöner und prächtiger als irgendwo sonst in der Karibik, allen voran natürlich Trinidad und die Altstadt von Havanna. Schließlich war Kuba durch die Geburt der freien Schwarzenrepublik Haiti in seiner Nachbarschaft im 19. Jahrhundert an dessen Stelle als weltweit größter Zuckerexporteur gerückt. Noch heute steht auf jedem zweiten Quadratmeter der Insel Zuckerrohr. Kein Wunder, dass Kuba auch als "Zuckerinsel" bekannt ist.
Die Plantagenbesitzer schwammen bald im Geld. Und sie investierten es in fürstliche Paläste und einen pompösen Lebensstil. Daneben dauerte die Kolonialzeit wie auch die Sklaverei auf Kuba länger als anderswo in der Karibik. Während sich alle amerikanischen Kolonien nach und nach in Unabhängigkeitskriegen der Bindungen zu ihren Mutterländern entledigten, zuerst die USA, dann Haiti und ab 1822 Südamerika, scheiterte Kuba beim ersten Versuch 1868. Erst 1886 wurde die Sklaverei abgeschafft, und mit dem fürstlichen Leben der spanischen Zuckerbarone war es nun vorbei.
Mit Freiheit und Selbstbestimmung hatte Kuba in seiner Geschichte wenig Glück. Auch der zweite Unabhängigkeitskrieg von 1895 bis 1898 brachte den Menschen nicht die erhoffte Selbstständigkeit. Als federführend bei der Vertreibung der Spanier erwiesen sich nämlich nicht die Kubaner, sondern - nach einem mysteriösen Vorfall im Hafen von Havanna, der den Vorwand für ein Eingreifen lieferte - die USA. Zu jener Zeit versuchte Washington, sich über all im mittelamerikanischen Vorhof einen Zugriff auf strategisch günstige Militärstützpunkte zu sichern. Die Explosion des US-Kreuzers "Maine" vor Havanna bot eine willkommene Gelegenheit, in den Unabhängigkeitskrieg ein zugreifen und die Insel mit ihrer Schlüsselposition zwischen dem Golf von Mexiko, dem Kanal von Yucatán und der Straße von Florida unter Kontrolle zu bekommen. Die USA "halfen" also den Kubanern, besiegten die Spanier, besetzten das Land und sicherten sich ein Mitspracherecht bei der Wahl zukünftiger Präsidenten.
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