RIO DE JANEIRO

Rio de Janeiro

Das Hotel der Stars - bis sie rausfliegen

Von Denis Krah

Orson Welles, Marlene Dietrich, Madonna, Tom Cruise und zahlreiche weitere Prominente standen schon auf der Gästeliste des Copacabana Palace. Seit 1923 ist der weiße Prachtbau mit unverbautem Strandblick Rios Top-Adresse für erstklassigen Service, aber auch für Klatsch und Drama. Hier lesen Sie die besten Anekdoten aus einem der schönsten Luxushotels der Welt.

Orson Welles schmeißt sein Zimmer aus dem Fenster

Getty Images

Orson Welles hatte 1943 im Copacabana Palace seinen Spaß - und eine Menge Ärger

Im Januar 1943 empfängt das Copacabana Palace hohen Besuch aus Hollywood: Orson Welles, der durch seinen Film "Citizen Kane" im jungen Alter von 26 Jahren schon ein Superstar ist. Für die US-Regierung soll Welles in Rio einen Propaganda-Streifen realisieren, der die Beziehungen zwischen den USA und Brasilien verbessern soll. Ein paar Tage hält Welles sich tatsächlich an diese Vorgaben, dann interessiert ihn eher seine persönliche Stimmungslage. Zahlreiche ausgedehnte Ausflüge ins Rotlichtviertel und massive Trinkgelage später wirft Welles das eigentliche Drehbuch in den Papierkorb. Er möchte jetzt lieber einen Film über die Entstehung des Sambas produzieren - ohne Skript und Konzept dreht er acht Monate lang. Währenddessen erfindet er unter anderem einen Drink namens "Samba in Berlin" (Cola mit Zuckerrohrschnaps) und wankt nicht nur einmal betrunken durch das Copacabana Palace.

Legendärer Höhepunkt der wellesschen Feierwochen: Als seine Freundin, die Schauspielerin Dolores del Rio, ihm am Telefon den Laufpass gibt, schmeißt er vor Wut die gesamte Einrichtung seines Zimmers aus dem Fenster - in den darunter gelegenen Hotel-Pool. Auch Welles' Film fällt ins Wasser. Nachdem das Budget von 500.000 Dollar nahezu aufgebraucht ist und beim Dreh ein Darsteller ertrinkt, zieht das Hollywood-Studio RKO die Notbremse und dreht den Geldhahn ab. Welles bleibt auf den Kosten seines extravaganten Brasilien-Aufenthaltes sitzen. Um die vielen offenen Rechnungen zu bezahlen, muss der Regisseur Teile seines Besitzes verkaufen. Das Filmmaterial verschwindet jahrzehntelang im Giftschrank von RKO. Erst 1993 werden Teile der Aufnahmen in der Dokumentation "It's all true" gezeigt.

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