Ecuador Blumenplantagen in Quito

Valentinstag! Dimitri überreicht seiner Anastasia am schneebedeckten Ufer der Moskwa feierlich ein paar rote Rosen. Fast zur gleichen Zeit drückt Matthew seiner angebeteten Ashley an einem Pool in Los Angeles drei identische Exemplare in die Hand. Russland, USA, Naher Osten, Japan - überall tauchen die langstieligen Rosen auf. Gewachsen sind sie jedoch höchstwahrscheinlich alle am selben Ort: auf einer der Plantagen nördlich und südlich von Quito. Ecuador gehört weltweit zu den größten Exporteuren von Schnittblumen. Fast die Hälfte davon sind Rosen, einige Sorten können eine Größe von 1,5 bis 2 Meter erreichen. Jedes Jahr pünktlich zum 14. Februar warten hunderttausende in Kisten am Flughafen von Quito auf ihren internationalen Einsatz als Botschafter der Liebe.

Die besondere Kombination aus Andenklima und Äquatorsonne bietet offenbar ideale Voraussetzungen für das Gedeihen nicht nur von Rosen sondern ganz unterschiedlicher Blumenarten. Hauptsächlich werden sie rund um die Stadt Cayambe im Norden von Pichincha sowie in den Provinzen Cotopaxi, Tungurahua und Chimborazo angebaut.

Um den flüchtigen Blick des Besuchers für diese Erfolgsgeschichte zu schärfen, wählte das Tourismusbüro eine so klassische wie bewährte Strategie: Ein Teil der "Straße der Vulkane" nördlich und südlich von Quito wurde einfach zur "Ruta de las Flores" (Straße der Blumen) erklärt. Das mag zwar marketingtechnisch durchsichtig erscheinen, ändert jedoch nichts daran, dass die Landschaft rund um die zwölf Vulkane, von denen Quito umgeben ist, ein wirklich lohnenswertes Reiseziel ist.

Den Blumen kann man sich auf verschiedenen Wegen nähern. Der erste ist mit Luxus gepflastert. Prachtvoller Ausgangspunkt dann ist beispielsweise ein leuchtend weißer Palast mitten im Zentrum Quitos: das Boutiquehotel Plaza Grande. Dem Thema der Tour begegnet der Gast dort gleich in der Lobby in Form von aufwändigen Blumenarrangements. Gegen den Stress der Anreise hilft eine aromatherapeutische Massage oder eine Gesichtsbehandlung mit Algen.

Innerlich und äußerlich erneuert nähert man sich am nächsten Tag dem Vulkan Pichincha (4784 m). Nur 20 Minuten von Quito entfernt liegt dort in einer Klamm, durch die ein Fluss rauscht, die Hacienda Rumiloma. Antike Möbel, plüschige Sofakissen und barocke Kronleuchter vermitteln ein durch und durch romantisches Ambiente, das nur noch durch den Blick von der Terrasse auf die Stadt beim Sektfrühstück oder abendlichen Cocktail getoppt wird.

Valentinsrosen für Anastasia und Ashley

Spaziergänge führen durch die Nebelwälder der Anden, entlang dunstig-feuchter, von tief hängenden Wolken bedeckter Berghänge. Die Flora Ecuadors ist mit 25.000 Pflanzen und Bäumen enorm vielfältig. Bromelien, Farne, Silberbäume, Palmstauden, Elefantenohren, Lianen, Lilien, Helikonien, Begonien, Fuchsien und natürlich Orchideen wuchern in wilder Schönheit.

Gewächshaus in Cuzubamba, 80 km nördlich von Quito
Getty Images
Gewächshaus in Cuzubamba, 80 km nördlich von Quito. Die meisten Rosen werden in die USA exportiert
Rosen wachsen hingegen auf eigenen Farmen und Plantagen. Noch etwas weiter nördlich von Quito stößt man Richtung Otavalo auf die Hacienda La Compañia. Hier können die Rosen nicht nur besichtigt werden. Es ist auch möglich, einen Strauß zu erwerben und sich diesen als "Welcome-back"-Gruß nach Hause schicken zu lassen.

Die Hacienda Zuleta befindet sich östlich davon in einer fruchtbaren Ebene, die Milchwirtschaft, Käseherstellung sowie schöne Wanderungen durch die grüne Landschaft erlaubt. Zur Entspannung springt man in die heißen Quellen von Papallacta und lässt sich danach massieren. Auf der Farm Nevado Roses im Süden wachsen schließlich bereits die nächsten Valentinsrosen für Anastasia und Ashley heran.

Wer etwas weniger Entspannung und mehr Action sucht, kommt auf der Straße der Blumen ebenfalls auf seine Kosten. Die steilen Bergschluchten und Wasserfälle bieten außerdem viele Gelegenheiten zum Canyoning, in dem kletternd, schwimmend, rutschend dem Flussverlauf gefolgt wird. Unterhalb des Cotopaxi-Vulkans (5897 m) werden in der charmanten Hacienda San Agustín unter anderem Reitausflüge angeboten. Danach gibt es echte Andenküche, zum Beispiel Lapingachos (eine Art Kartoffelkuchen), Quinoa-Kroketten oder Tamales (mit Huhn, Eier, Oliven gefüllter Maisteig, und eingewickelt in ein Pflanzenblatt).

Aber auch Trekking, Mountain Biking werden vielerorts angeboten. Adrenalin-Junkies stürzen sich mit einem Bungee-Seil von einer Brücke in ein Flussbett, zum Beispiel etwa eine halbe Stunde von Quito entfernt über dem Fluss Chiche im Tal von Tumbaco - "Puenting" nennt sich das in einer etwas gewagten Spanisch-Englischen Wortschöpfung. Ebenso skurril mutet das "Abseiling" oder "Rappeling" an, bei dem man nicht hochklettert, sondern sich - etwa in eine Schlucht - Stück für Stück hinunterhangelt.

So kommt der Besucher auch in direkten Kontakt mit der andinen Flora, deren Pflanzen perfekt an die enormen Temperaturschwankungen von bis zu 30 Grad angepasst sind. Die Blätter sind klein und dick, um die eisigen Nächten und die intensive Sonne auszuhalten, und die geduckten Bäume und Büsche bieten den scharfen Winden wenig Angriffsfläche. Neben Zedern, Pinien, den dunkelroten Quiñua-Bäumen konnten sich im Hochland auch die Eukalyptus-Bäume durchsetzen. Die schnell wachsenden Neuankömmlinge wurden im vergangenen Jahrhundert angesiedelt, um den Brennholzbedarf zu decken. Den Hauptplatz kleiner Ortschaften ziert hingegen vorzugsweise eine immergrüne Araukarie. Die oft wie gedrechselt wirkenden repräsentativen Bäume werden auch Andentannen genannt. Höchste Zeit für eine "Straße der Araukarien".

Autor:
Andrea Fonk