Prag Grüne Parklandschaften

Auf den ersten Blick ist Prag wie zu Stein erstarrt. Ob Jugendstil, Barock, Renaissance oder die funktionellen Gebäude der sozialistischen Ära - es sind die unterschiedlichen Architekturstile, die Bauten und Fassaden, die uns beeindrucken und unseren Eindruck festigen: eine unverschämt schöne Stadt, aber eben eine Stadt und also wenig grün. Ein Trugschluss. Wer etwas genauer hinschaut und oft nur ein, zwei Schritte abschweift vom Krönungsweg (heute eher ein Touristentrampelpfad, großartig und sehenswert, aber eben auch nur ein kleiner Teil Prags), wird sein grünes Wunder erleben.

Zum Beispiel die Prager Burg auf dem Hradschin: Natürlich muss man den Veitsdom besichtigen und durchs Goldene Gässchen bummeln und selbstverständlich auch den Königspalast besuchen. Aber dann bitte nicht durch den Haupteingang wieder zurück mit Bus oder Tram, sondern über den zweiten Burghof in den Königsgarten. Hier verliert sich die Schar der Touristen, und wir atmen durch beim Schlendern entlang akkurat frisierter Buchsbaumhecken oder unter dem schattigen Laubdach uralter Bäume. Und überhaupt die Seite westlich der Moldau - sie ist Prags grünes Herz.

Auch der 327 Meter hohe Laurenziberg, der Petín, an dessen Hängen bis in das 19. Jahrhundert Wein angebaut wurde, ist ein erstklassiges Erholungsgebiet mitten in der Stadt: ausgedehnte Rasenflächen, Lustschlösschen und beim Kloster Strahov weite Obstgärten, von denen man einen grandiosen Blick auf Prag genießen kann. Besser sieht man die Kulisse nur vom ebenfalls auf dem Laurenziberg stehenden "Prager Eiffelturm", der 60 Meter hohen 1:5-Miniatur des Pariser Vorbilds, die 1891 anlässlich der Prager Industrieausstellung errichtet wurde.

Wunderschöne Parks, in die sich indes selten ein Tourist verirrt

Ein Stückchen weiter nördlich, wo die Moldau einen Bogen macht und die Stadtteile Bubene und Holesovice umschließt, gibt's mit der Stromovka (zu deutsch Baumgarten) und der Letná (Sommerberg) zwei weitere riesige und wunderschöne Parks - in die sich indes selten ein Tourist verirrt, eben weil sie auf der "anderen", der westlichen Moldauseite liegen, abseits der Altstadt. Aber dennoch schnell zu erreichen. Die Stromovka mit den Straßenbahnlinien 5, 12 und 17; die Letnáanlagen mit der Tram 1, 8, 12, 17, 18, 22 und 26 - jeweils vom Zentrum aus.

Wer das jüdische Viertel, die Josefstadt, besucht, kommt auch zu Fuß über die Cech-Brücke schnell zur Letná und ihrem weithin sichtbaren Metronom auf der Aussichtsplattform. Das Monument des Künstlers David Cerny wurde 1991 hier errichtet, es soll an die Vergänglichkeit der Zeit erinnern - kein zufälliger Standort: Bis 1962 stand hier die größte Stalinskulptur der Welt. Die Stromovka ist der größte Prager Park und besonders beliebt bei Joggern, Radfahrern und Inlineskatern, für die es einen rund 2,5 Kilometer langen asphaltierten Rundweg gibt. Tennisplätze, auf denen auch Nichtmitglieder einen Court buchen können, unterstreichen die sportliche Atmosphäre im Park, der im Mittelalter als königliches Jagdrevier angelegt wurde.

Natürlich wird auch auf der Letná Sport getrieben, aber mehr noch ist die "Sommerhöhe" für ihre Biergärten bekannt, in denen man an einfachen Holztischen sitzt, ein kühles tschechisches Bier genießt, Würstchen vom Grill oder mitgebrachte Verpflegung verzehrt (erlaubt!) und abends auf der Terrasse eines kleinen Lokals (beispielsweise in der Smeralovastraße) zu Livemusik die Nacht im Park feiert.

Autor:
Gregor Lengler