Philippinen Tauchen im Paradies

Das Tauchboot verlässt mit knatterndem Motor den Strand. Bevor sich die Gruppe in Tauchanzüge und Schwimmflossen zwängt, ein letzter Sicherheitscheck: Pressluftflasche, Atemregler, Tauchcomputer. Eine kurze Wiederholung der wichtigsten Handzeichen für den Fall, dass einem der Taucher frühzeitig die Luft ausgeht. Auf einer Tafel skizziert der Tauchführer noch einmal den anstehenden Tauchort. Er erklärt, nach welchen Unterwasserkreaturen man die Augen offen halten soll. Der Motor verstummt, das Boot ankert. Zeit, die Unterwasserwelt der Philippinen zu erkunden.

Mit einer Hand werden Mundstück und Tauchermaske fixiert, dann geht es mit einem Schritt nach vorn ins gar nicht so kühle Nass. 25 Grad Celsius Wassertemperatur sind nichts Besonderes auf den Philippinen. Erst weiter unten wird es kälter. Der Übergang von einer warmen zu einer kühleren Wasserschicht ist abrupt und deutlich spürbar. Dafür hat man den Neoprenanzug an.

Mit gut 36.000 Kilometern Küstenlinie, fast dem zweifachen der USA, sind die Philippinen ein Paradies für Taucher. Insbesondere zur Trockenzeit zwischen November und Juni. MERIAN.de stellt sieben Tauchziele auf den Philippinen vor.

Tauchen in Tuna City - General Santos, Mindanao

In General Santos wird ein großer Teil des in Asien konsumierten Thunfischs umgeschlagen. Als Tuna City ist die Stadt bekannt, fürs Tauchen bisher nicht. Zu Unrecht, findet Chris Dearne. Etwas versteckt in einer Nebenstraße im Norden der Stadt liegt sein Reich. Der Engländer ist vor fast 20 Jahren nach Mindanao gekommen, hat mit seiner Frau eine kleine Hotelanlage aufgebaut und irgendwann das Tauchen entdeckt. Mittlerweile betreibt er, wie er sagt, die südlichste Tauchschule der Philippinen.

"Bei uns gibt es fast alles, was es woanders auch gibt", sagt Dearne und grinst. Weil aus Sicherheitsgründen von Reisen in weite Teile Mindanaos abgeraten wird, sind seiner Meinung auch eigentlich sichere Städte wie General Santos oder Davao zu Unrecht in Verruf gekommen. "Den billigsten Tauchkurs gibt es in Davao", erklärt der Brite. "Nur die Hälfte von dem, was eine Tauchzertifizierung normalerweise auf den Philippinen kostet, müsse dort auf den Tisch gelegt werden.

Mit dem Strom - Puerto Galera, Mindoro

Wer nur schnell nach Manila fliegt und von der Hauptstadt aus ins hoffentlich nicht trübe Nass möchte, der steuert am besten gen Puerto Galera auf Mindoro. Die Insel ist rund 150 Kilometer von der Hauptstadt entfernt und mit der Fähre leicht zu erreichen. Zahlreiche Hotels entlang der Buchten der Nordküste bieten Unterkünfte für jedes Reisebudget.

Weil die Strömung rund um Puerto Galera relativ stark ist, sind es vor allem Drifttaucher, die es hierher zieht. Das Prinzip ist einfach: Während die Taucher unter Wasser sind, fährt das Begleitboot an eine vorher vereinbarte Aufnahmestelle. Die Strömung tut ihr übriges. Sich einfach treiben zu lassen, schont die Kräfte und lässt die Unterwasser-Landschaft vorbei gleiten. Für komplette Neulinge aber nicht geeignet.

Gut für Anfänger - Boracay, Visayas

Die Ferieninsel schlechthin ist das kleine Eiland Boracay. An den bildschönen Stränden - Boracay hat allein vier Kilometer davon - setzt sich die malerische Natur der Philippinen auch unter Wasser fort. Nicht von ungefähr kommt die Beliebtheit des Tauchreviers. Das Meer ist das ganze Jahr über meist ruhig und hervorragend für Anfänger geeignet. Allerdings ist die Insel häufig überlaufen und in der Hochsaison kann es am Strand und im Wasser eng werden. Dafür sorgen schon die unzähligen Tauchschulen, die alle 20 Meter an der Strandpromenade eröffnet haben und aggressiv um die Gunst der Touristen buhlen.

Wie die Sardinen - Moalboal, Visayas

Ähnlich gut besucht wie Boracay ist die wesentlich größere Insel Cebu. Hier geht es vom Flughafen in Cebu City direkt zu den Tauchschulen der kleinen Ortschaften wie zum Beispiel in Moalboal. Anfang der 1980er Jahre noch ein verschlafenes Fischerdorf, ist die knapp 30.000 Einwohnerstadt heute einer der beliebtesten Tauchreviere der Insel. Ein gutes Dutzend Tauchschulen haben sich im Ort angesiedelt.

Knapp 40 Minuten von Moalboal entfernt liegt die Insel Pescador. Täglich ist das felsige Eiland Anziehungspunkt für die Touristen. Oft sind rund 200 Taucher gleichzeitig im Wasser. Der Grund sind Millionen von Sardinen, die sich in Schwärmen rund um die kleine Insel bewegen.

Schwarzwald unter Wasser - Panglao, Bohol, Visayas

Nur rund zwei Stunden mit der Schnellfähre von Cebu entfernt liegt die Insel Bohol. Ihr vorgelagert ist das kleine Eiland Panglao, das über eine Brücke erreichbar ist. Auch hier finden sich weiße Strände und fantastische Tauchgründe.

Darüberhinaus kann man hier in den sogenannten Schwarzwald abtauchen. Benannt nach den schwarzen Korallen, die sich hier angesiedelt haben, ist dieser Tauchspot einer der besten vor Panglao. Die seltenen Korallen, die sich sonst gern in den Tiefen des Meeres verstecken, zeigen sich im "Schwarzwald" auch für Open-Water-Taucher in relativ geringen Tiefen.

Groß und klein - Padre Burgos, Süd-Leyte, Visayas

Die Unterwasserwelt Süd-Leytes ist ein echtes Erlebnis. Mit ein bisschen Glück gibt es hier viel zu sehen: vom winzigkleinen Zwerg-Seepferdchen bis hin zum riesigen Walhai. Um das nur zwei Zentimeter große Seepferdchen zu finden, muss man schon genau hinschauen. Diese possierliche Tierchen sind Meister im Tarnen und verstecken sich häufig in den gleichfarbigen Korallen des Tauchreviers.

Die bis zu zwölf Meter langen Walhaie sind dagegen nicht zu übersehen. Die Fischkolosse werden von dem reichlich vorhandenen Plankton angelockt. Wer die Giganten nicht verpassen will, kommt am Besten zwischen November und April. Dann ist Futtersaison, sagen die Tauchführer.

Unterwasserhöhle und Schiffsfriedhof - Palawan

Der Barrakuda-See auf Palawan ist ein thermisches Naturwunder, ein wässriger Schichtkuchen. Die Temperaturunterschiede zwischen der oberen Süßwasserschicht und der rund 15 Meter tieferen Salzwasserschicht betragen spürbare zehn Grad Celcius, zum Boden hin sind es fast 40 Grad. Auf den Tauchanzug kann man hier getrost verzichten. Aufgrund der fehlenden Strömung im See mischen sich die beiden Wasserschichten unterschiedlicher Dichte nicht. In dem See sollte man jederzeit die Augen offen halten, denn einer philippinischen Legende nach hat das Gewässer einen gefährlichen Bewohner: einen einsamen Barrakuda, der auf der Suche nach Beute durch die Tiefen streift.

Anders als der Barrakuda-See ist "Gunter's Kathedrale" nicht nach ihrem Bewohner, sondern nach ihrem Entdecker benannt. In nur fünf Metern Tiefe fand der Deutsche Gunter Bernert vor 21 Jahren den Eingang zu einem Unterwassertunnel, an dessen Ende Licht scheint. Durch den auf acht Meter abfallenden Schacht gelangt der Taucher in eine Kaverne, in die durch einen überirdischen Spalt in der Felswand Tageslicht dringt. Zwischen neun und elf Uhr morgens, je nach Jahreszeit, schickt die Sonne einen warmen Lichtkegel direkt ins Innere des Gewölbes. Da sich die Kavernendecke weit über den Wasserspiegel wölbt, ist hier auch auftauchen und Frischluftschnappen möglich.

Eine weitere Attraktion von Palawan ist die Coron Bay. 1944 wurden hier japanische Kriegsschiffe versenkt, die heute als geschichtsträchtige Tauchplätze und künstliche Lebensräume für eine vielfältige Unterwassertierwelt herhalten. Die zwischen 100 und 200 Meter langen Wracks liegen auf zehn bis 43 Metern Tiefe. Wer den Schiffsfriedhof erforscht, sollte allerdings sehr vorsichtig sein. Schon so mancher unglückliche Taucher hat sich in einem Bootsrumpf verirrt.

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Autor:
Jana Franke und Malte E. Kollenberg