China Zehn Dinge, die Sie in Peking gemacht haben sollten

1. Aussicht vom Jing Shan genießen

Zugegeben: Die Tage, an denen man in Peking eine tolle Aussicht genießen kann, sind selten. Viel zu oft legt sich der Smog wie eine Glocke über die Stadt. Verzieht er sich jedoch, lohnt sich ein Besuch des Kohlehügels im Norden des Kaiserpalastes. Der 43 Meter hohe Aussichtshügel verdankt seine Größe dem Aushub bei der Anlage des Palastgrabens, und vom Gipfel hat man eine tolle Sicht über die Verbotene Stadt sowie die gesamte Nord-Süd-Achse der Stadt.  Seinen Namen erhielt der Kohlehügel ("Mei Shan") übrigens in der Mongolenzeit, als hier Kohle gelagert wurde. Im Chinesischen ist er eher bekannt als "Jing Shan" – Aussichtshügel. Der umliegende Park, über den man auf die Anhöhe gelangt (Eintritt 20 Yuan, rund 3 Euro), lohnt vor allem am Morgen. Da kann der Besucher rüstigen Pekinger Rentnern in der Stille der Anlage bei ihrer Morgengymnastik zusehen: Schattenboxen, Qi Gong und Walzer sind anzutreffen. Wichtig: Früh sein!

2. Die Große Mauer erklimmen

Jana Kötter
An welcher Stelle die Chinesische Mauer, das absolute "Must" jedes Peking-Besuchs, am schönsten ist, mutierte in den vergangenen Jahren zu so etwas wie einer Glaubensfrage. Viele besuchen der Einfachheit halber die Abschnitte Badaling und Mutianyu, die der Stadt am nächsten sind. Doch gerade wegen dieser geografischen Nähe sind diese zu wahren Touristenhochburgen mutiert, an dem das wahre "Mauer-Erlebnis" zu knapp kommt.

Wer einen Tagesausflug auf sich nehmen will, um die Große Mauer zu besteigen, fährt nach Simatai. Der rund 130 Kilometer entfernte Abschnitt ist am besten mit einem privaten Fahrer zu erreichen – mit rund 1000 Yuan (150 Euro) kein günstiges Erlebnis, doch die Investition lohnt sich: Den Besucher erwarten raues Gelände, schroffe Gipfel und ein breiter Fluss am Fuße des Berges. Dass die Wachtürme hier besonders eng stehen, freut vor allem Fotografen! 
Insgesamt zehn Türme können an der steilsten Stelle rund um Peking erklommen werden, sie wurden in den vergangenen fünf Jahren restauriert. Dabei ist am Ende der Mauer auch ein „Wasserdorf“ entstanden, der Nachbau eines traditionellen chinesischen Dorfes am Fluss. Tipp: Wer sich den Besuch für 150 Yuan (23 Euro) sparen will, bucht die Tickets für die Große Mauer (40 Yuan, 6 Euro) online – andernfalls führt kein Weg am Wasserdorf vorbei.

3. Pekingoper in Teehausatmosphäre lauschen

Jana Kötter
Es sind schrille Töne, an die sich das westliche Ohr erst einmal gewöhnen muss – und doch darf ein Besuch der Pekingoper nicht fehlen. Denn die Pekingoper ("Jing ju") ist mehr als "nur" Musik: Zu den Paukenschlägen und quietschigen Gesängen gesellen sich eindrucksvolle Kostüme, bunt angemalte Gesichter und akrobatische Kunststücke, die solch eine Vorstellung zu einem unvergesslichen Abend machen. Viele Theaterhäuser bieten mittlerweile Vorstellungen mit englischen Untertiteln an. Es macht durchaus Sinn, auf dieses Angebot zu achten. Die Pekingoper ist voll mit Symbolik und feiner Pantomime, die dem ungelernten Zuschauer ohne Erklärung womöglich entgehen. Ein besonderes Erlebnis ist die Vorstellung in Pekings ältestem Opernhaus, dem "Zhengyi Temple Theatre". Der Besuch ist mit Eintrittspreisen ab 280 Yuan (42 Euro) nicht günstig, aber durchaus ein Erlebnis wert. Auch wenn Ihre Ohren womöglich anderes sagen werden!

4. Ordentlich verhandeln in Peking

Jana Kötter
"Tai gui le!" – Auch wenn Sie nicht viele chinesische Vokabeln mitnehmen, diesen Satz sollten Sie sich merken. Denn Verhandeln gehört auf Chinas Straßen und den zahlreichen Märkten der Stadt dazu. Gerade auf Touristen angelegte Einkaufsmöglichkeiten wie der Pekinger Seidenmarkt schlagen gern einmal ein Mehrfaches drauf, wenn ein Interessent nach dem Preis fragt. Scheuen Sie sich also nicht, durchaus auch bei einem Drittel des anfänglich genannten Verkaufspreises zu starten – immerhin wollen Sie einen attraktiven Endpreis aushandeln. Das Erfolgsgefühl nach einem erstandenen Schnäppchen muss in jedem China-Urlaub einmal aufkommen. Wichtig ist dabei nur: Der Ton macht die Musik! Händler lassen sich gerne aufs Handeln ein, solange jedoch Tonfall, Freundlichkeit und Lächeln im Spiel sind. Sollte es Schwierigkeiten bei der Kommunikation geben: Schnappen Sie sich den Taschenrechner und tippen Sie ihr Gebot ein!

5. Im Stadtzentrum von Peking auf Zeitreise gehen

Jana Kötter
Für Chinas neuere Geschichte ist er wohl einer der bedeutendsten Orte – und nicht zuletzt Sinnbild einer traurigen Episode des sozialistischen China: der Tian’anmen-Platz im Zentrum der Stadt. 1989 demonstrierten hier Zehntausende Studenten für eine Demokratisierung, die wochenlange Besetzung des Platzes endete am 4. Juni mit der blutigen Niederschlagung der Bewegung. Für Touristen lohnt sich der Besuch des größten frei zugänglichen Platzes der Welt vor allem wegen seiner angrenzenden Bauwerke: Etwa das Mausoleum von Mao Zedong auf dem Platz selber, an der Ostseite des Platzes das Nationalmuseum oder im Westen die Große Halle des Volkes, der Sitz des chinesischen Volkskongresses. Am frühen Morgen bietet sich ein besonderes Spektakel: Bei Sonnenaufgang (die astronomisch genau Aufgangszeit ist entscheidend!) wird die Nationalflagge auf dem Platz gehisst. Ein eigentlich unspektakuläres Unterfangen, das viel Zeit dazu gibt, die chinesischen Touristen und ihren Patriotismus zu beobachten.

6. Sich in Pekings Straßenverkehr trauen

Jana Kötter
Ganz gleich, ob als Fußgänger, Taxibeifahrer oder sogar als Radfahrer: Im Pekinger Verkehr braucht es eine gehörige Portion Mut. Da wird bei Rot über die Ampel gegangen, kräftig gehupt, Wege abgeschnitten.  Hilfreich ist es, sich an dem Verhalten der Einheimischen zu orientieren: So müssen Sie nicht an der Ampel warten und können die achtspurige Kreuzung auch ganz sicher bei Rot überqueren, wenn eine Herde Chinesen läuft. Bleiben diese aber stehen, sollten Sie das auch tun. Und: Grün bedeutet nicht gleich Grün, denn Rechtsabbieger können trotzdem fahren. Also immer Augen offen halten! Von dem Gehupe sollten Sie sich dabei nicht aus der Ruhe bringen lassen; das oft schrille Instrument dient in China oftmals mehr der Vorwarnung als als akutes Beschwerdemittel.

7. Die Ruhe an Pekings Seen genießen

Jana Kötter
Die zahlreichen Grünflächen der Stadt können als wahre Ruhe-Oase im lauten Pekinger Alltag dienen – besonders in den Abendstunden, wenn die Touristengruppen bereits abgereist sind und sich viele Pekinger zum Abendspaziergang treffen. Dann ist es im Beihai-Park etwa so still, dass man sogar das ein oder andere Vögelchen zwitschern hören kann. Auch in den frühen Morgenstunden gehören die Parkanlagen, ganz gleich, ob groß oder klein, den Einheimischen: Dann treffen sie sich zum Frühsport, Tai Chi, Walzer. Besucher sind stets willkommen!  Lauter geht es am Qianhai, dem "Vorderen See", und dem Houhai, dem "Hinteren See", zu: Hier haben sich zahlreiche Kneipen und Restaurants angesiedelt.

8. Chinesische "Leckereien" probieren – oder zumindest anschauen

Jana Kötter
Das Gerücht, dass Hundefleisch überall in China auf der Speisekarte zu finden ist, hält sich hartnäckig. Dabei werden Besucher im Norden des Landes vergeblich danach suchen, und auch sonst erinnert die Speisekarte mit Hühnchen, Rind, Schwein und Lamm sehr an das heimische Fleischangebot. Wer Exotisches probieren möchte, muss schon gezielt danach suchen. Auf dem Nachtmarkt in der Dong’anmen, einer Querstraße der berühmten Einkaufsmeile Wangfujing, wird man fündig. In netter Atmosphäre bieten zahlreiche Händler hier in den Abendstunden ihre "Leckereien" an: Skorpione, Seidenraupen, Seepferdchen. Das Probieren ist mit Preisen ab rund 10 Yuan (1,50 Euro) durchaus erschwinglich. Doch keine Sorge: Es gibt auch bodenständigere Gerichte, die traditionellen Maultaschen "Jiaozi", Tintenfisch oder frische Obstspieße.

 9. Kaiserlicher Architektur in Peking auf die Spur gehen

Jana Kötter
Von den zahlreichen Tempelanlagen der Stadt ist der Himmelsaltar ("Tian Tan") wohl – zumindest architektonisch – die eindrucksvollste. Denn die größte, älteste und in den Augen vieler vollkommenste Anlage der kaiserlichen Kultstätten ist symboldurchdrungen wie kaum ein anderes Bauwerk. Auf der offenen Terrasse opferte der Kaiser dem Himmel, seinen Gestirnen und dem Wetter in einem mehrstündigen Ritual, um so um das rechte Wetter für eine gute Ernte zu bitten – daher auch der Name. Besonders interessant: Die kreisrunde Altarterrasse, das Zentrum dieses Himmelkults, basiert auf der himmlischen Yang-Zahl drei. Sie ist dreifach gestuft, über dreimal neun Stufen ersteigt man sie, der Stein im Zentrum der Terrasse ist von neun konzentrischen Plattenringen umgeben. Der Blick in den Reiseführer lohnt beim Besuch dieser symbolträchtigen Stätte also in jedem Fall!

10. Eine "echte" Peking-Ente essen

Jana Kötter
Bei Ente denken viele zunächst an fettiges Fleisch und das Gericht, das einem im deutschen Asia-Imbiss als "Peking Ente" serviert wird. Dabei hat die eigentliche "Beijing kaoya", wie sie im Chinesischen heißt, damit nichts gemein.  Die Ente, vorzugsweise im Ganzen präsentiert, wird in Scheibchen geschnitten serviert. Diese werden dann mit schmalen Gurkenstäbchen und einer speziellen Sauce in hauchdünne Pfannküchlein gewickelt genossen. Andere Variationen sehen eine Prise Zucker, Melonenstäbchen oder knusprig gebackene Brötchen vor. In jedem Fall sollte sich der Peking-Besucher diesen kulinarischen Genuss zum Abschluss der Reise nicht entgehen lassen – die "Peking Ente" daheim wird nach diesem Erlebnis nie mehr so schmecken wie bisher. Guten Appetit!
Autor:
Jana Kötter