Mit Stil Ich hab keine passenden Schuhe!

Ich war gerade bei den Modenschauen in Paris. Das entspricht vielleicht nicht ganz dem normalen Sightseeing-Trip, läuft am Ende aber aufs Gleiche hinaus: Den ganzen Tag über tingelt man quer durch die Stadt von einer Attraktion zur nächsten. Auf den veröffenlichten Fotos sieht man anschließend immer all die toll, mindestens interessant gekleideten Schauen-Besucherinnen, 90 Prozent davon mit hochhackigen Schuhen, die in normalen Haushalten höchstens als Briefbeschwerer taugen würden - zehn Zentimeter sind mittlerweile niedrig; von Plateaus reden wir hier nicht einmal.

Ich habe mich früher immer gefragt, wie diese Frauen es anstellen, acht bis zwölf Stunden darin auszuhalten, mittlerweile weiß ich: Disziplin, Leidensfähigkeit, Pflichtbewusstsein (Moderedakteurinnen wie Prominente haben schließlich einen Ruf zu verlieren). Bei der ein oder anderen kommt noch eine günstige Neigung zum Hohlfuß hinzu oder ein Fahrer. Meine Kollegin und ich fuhren in Paris vor allem Metro. Ab dem dritten Tag verließen wir das Hotel nur noch mit Wechselschuhen, am vierten fühlten sich selbst Turnschuhe wie ein Peperoncini-Beet an, am fünften Tag sprengten wir das Reisebudget, wir fuhren Taxi.

Auf anderen, stilistisch weniger fordernden Städtereisen, lief es sich bislang nicht viel besser. Meine Freundin Anne etwa trug in New York Flip-Flops, bis sie beinahe stündlich zur Fußreflexzonen-Massage in Chinatown einkehrte. Meine Mutter zog in Rom trotz 30 Grad zum Kleid geschlossene Geox-Schuhe an, extra-bequem, mit Belüftungssystem - am Ende entschieden wir, dass ein zweite Besichtigung des Petersdoms ein bisschen übertrieben sei und retteten unsere Füße in eine Trattoria.

Eigentlich habe ich immer noch kein Paar Schuhe gefunden, dass für einen Städte-Trip wirklich geeignet ist. Zwar sind Ballerinas immer eine gute Alternative, sie passen zu allem, sehen hübsch aus - wenn da nur irgendwo ein Fußbett wäre. Flache Stiefel und Schnürschuhe funktionieren gut. Bis zu dem Moment, in dem man eine neue Druckstelle kennenlernen darf und in den Outskirts von Paris, sonntags, eine Apotheke mit Pflastern sucht. Die beste Alternative ist wahrscheinlich ein Paar hochwertige Loafer in Kombination mit einem Citybike, der Nachhaltigkeit wegen.

Ach ja, ich weiß, was jetzt kommt: Was ist mit Trekking-Sandalen! Die sind, wie der Name schon sagt, fürs Trekking gemacht, also Querfeldein-Touren mit schwerem Gepäck. Und auch wenn es Menschen gibt, die meinen, dass die Infrastruktur in Berlin stellenweise noch brachliegend ist - dieser Sandalentyp hat in der Großstadt absolut nichts verloren. Es sei denn, der Besuch von Museum oder Restaurant ist nicht beabsichtigt - und das Hotel ist ein Camping-Zelt, wahlweise Hostel-Mehrbettzimmer. Dann ist das natürlich etwas ganz anderes.

Autor:
Silke Wichert