Paris Hotel Le Bristol

Schon die Lage hat Klasse. Hier, im achten Arrondissement, in der vornehmen Rue du Faubourg Saint-Honoré, gleich gegenüber dem Elysée-Palast findet sich das Hotel Le Bristol. Das Innenministerium ist auch nicht fern. Einer der in zwei dieser drei Häuser das Sagen hat, Frankreichs Staatspräsident (und ehemaliger Innenminister) Nicolas Sarkozy speist häufiger in dem 1925 offiziell eröffneten Hotel unweit seines Amtsitzes.

Neulich erst hat man ihn hier mit seinem deutschen Pendant, der Kanzlerin Angela Merkel, zu Tisch sitzen sehen. Zwischen den Gängen ging es um Finanzkrise, Euro, Stabilitätspakt - unschöne Themen, zu denen "Sarko" nicht einmal die Sonnenbrille abzunehmen bereit war. Dass ihn der Anblick Merkels geblendet haben soll, reine Spekulation.

Sarkozy ist schon lange verliebt in das Bristol, genauer in das darin zu findende "Le Bristol Restaurant" und vor allem natürlich in dessen Chefkoch Eric Fréchon, der seit 1999 die Menüabfolgen und Weinkarten dekretiert und dem Sarkozy im März 2008 den Orden der Ehrenlegion verlieh. Im Jahr darauf bekam das Restaurant seinen dritten Stern, und der deutsche Genuss-Journalist Wolfram Siebeck nannte es schlicht einen "Kracher".

In Paris nennt man das Bristol "La Cantine de Sarkozy". Es könnte auch als "La Catine d'Allemands" bezeichnet werden, weil deutsche Kanzler auf Visite bei ihren französischen Kollegen bevorzugt im Bristol abstiegen sind: Adenauer, Kohl, Schröder, Merkel. Und es gibt noch eine weitere bilaterale Beziehung. Denn das Bristol gehört nicht etwa einem Franzosen, es ist tatsächlich ein Stück Deutschland in Frankreichs Hauptstadt. Genauer gesagt ein Stück Westfalen.

Seit 1978 ist das Fünf-Sterne-Hotel im Besitz der Bielefelder Unternehmerfamilie Oetker, und gehört inzwischen zu einer exquisiten, gerade einmal vier Hotels umfassenden Sammlung, der so genannten Oetker Hotel Collection. Deren allererste Kennzeichen: extrem speziell, sehr exklusiv, nur das Beste. Wofür im Falle des Bristol auch Maja Oetker, dritte Ehefrau des Firmen-Patriarchen Rudolf August Oetker, verantwortlich zeichnete. Sie kümmerte sich höchst selbst ums Interieur des Hauses.

Marilyn Monroe, Herbert von Karajan, Charlie Chaplin, Madonna, Brangelina, George Clooney und unzählige andere Prominente waren in den Zimmern und Suiten hinter der klassizistischen Fassade schon zu Gast. Sie alle dürften die Authentizität dieses Klassehotels ebenso zu schätzen gewusst haben wie den seit jeher als besonders herausragend geltenden Service, Motto "Le service est un art". So viel Exzellenz hat natürlich ihren Preis, von 600 bis 12.000 Euro kann eine Nacht im Bristol kosten.

Da war es dann ein bisschen aufregend, als das vornehme Haus im Jahr 2005 in einen Skandal verwickelt war, der nur deswegen keine nachhaltigen Konsequenzen mit sich brachte, weil auch die anderen Luxushotels ihre Rolle darin spielten: das Crillon, das Ritz, das George V, das Meurice, das Plaza Athenée - kurz: "Les Palais Parisiens", wie sie auch genannt werden. Ein Gericht sah es als erwiesen an, dass die Direktoren dieser Spitzenhotels Absprachen zum Schaden anderer Wettbewerber getroffen hatten. Gegen Zahlung von bis zu sechsstelligen Summen waren die Verfahren dann jedoch abrupt beendet.

Solcherlei Gerede kümmert jene Gäste ohnehin nicht, die in dem übersichtlichen, dafür umso kitschigeren Pool in der obersten Etage des Bristol am Morgen ihre kurzen Bahnen absolvieren. Hier oben verspürt man Erhabenheit und ertüchtigt sich in dem Bewusstsein, das dieser Raum in der Anmutung eines Schiffsdecks von jenem Mann erschaffen wurde, der auch beim Design der Yachten der Familie Onassis federführend war. Was einem das behagliche Gefühl vermitteln mag, eine Ort gewählt zu haben, um unter seinesgleichen sein zu können. Koste es, was es wolle.

Autor:
Thomas Lötz