Paris-Charles de Gaulle Flugangst auf Französisch

Kopenhagen-Kastrup? Sehr gerne. Frankfurt am Main? In Ordnung. London-Heathrow? Meinetwegen. Paris-Charles de Gaulle? Auf gar keinen Fall. Der zweitgrößte Flughafen Europas landet auf meiner persönlichen Rangliste der schlimmsten Airports des Universums unangefochten auf Platz 1. Immer wenn für den Ausflug in die weite Welt ein Drehkreuz nötig ist, bete ich inständig darum, dass das Kürzel CDG nicht auf meinem Ticket steht.

18 Jahre lang hauste ein dürres Kerlchen namens Mehran Karimi Nasseri im Terminal 1 des Pariser Flughafens als staatenloses Treibgut. Die traurige Geschichte des guten Mannes inspirierte Steven Spielberg zu dem Film "Terminal" mit Tom Hanks in der Hauptrolle. Angeblich hatte Nasseri seine Papiere verloren und durfte deshalb nicht nach Frankreich einreisen. Ich habe allerdings den Verdacht, dass der arme Wicht einfach nicht den Ausgang gefunden hat. Der Pariser Flughafen ist für mich noch immer ein unüberschaubares Labyrinth voller unfreundlicher Franzosen. Und selbst die wissen meist nicht, wo es lang geht.

Bestes Beispiel für den Zustand der vollkommenen Ahnungslosigkeit mancher Bediensteter des CDG ist jener Busfahrer, der es tatsächlich fertigbrachte, sich auf dem Weg von der frisch gelandeten Maschine zum Gate zu verfahren. Der Mann hatte so dermaßen die Orientierung zwischen den Terminals verloren, dass er irgendwann sein völlig überfülltes Gefährt stoppte, ausstieg und einen Kofferkutscher nach dem Weg fragen musste. Irgendwo muss in der Routenbeschreibung allerdings ein Fehler gewesen sein, denn auch danach setzte der Herr Chauffeur seine Irrfahrt fort. Dass wir tatsächlich doch noch aussteigen durften, halte ich nach wie vor für einen glücklichen Zufall. Knapp 30 Minuten dauerte die Tour, meinen Anschlussflug konnte ich mir in die Haare schmieren.

Sicherheit in Zeitlupe

Tatsächlich könnte man ja meinen, dass eineinhalb Stunden Aufenthalt ausreichend sind, um mal eben den Weiterflug in Richtung New York zu erwischen. In Paris nicht unbedingt. Glücklich sind die, die ein Klapprad, Rollschuhe oder einen Raketenrucksack im Handgepäck haben und schnell von Gate zu Gate rasen können. Wer zu Fuß sein Glück versucht, kommt nicht nur ins Schwitzen, sondern auch in Schwierigkeiten.

Jede Minute Richtung Boarding zählt im Kampf gegen das mürrische Bodenpersonal. Schließlich arbeiten die Sicherheitskräfte des CDG traditionell in Zeitlupe und scheren sich einen Dreck darum, ob Ihr Name gerade zum letzten Mal vorm Start aufgerufen wurde. Wer so wie ich einmal mit Gürtel, Schlüsselbund und Schuhen in den Händen seinen Flieger in Paris bestiegen hat, weiß, worüber ich schreibe.

Doch nicht nur an den Security-Leuten scheint der berühmte französische Charme spurlos vorbeigegangen zu sein. Eine nette Kollegin meinerseits - sonst so friedlich wie Bambi und Klopfer zusammen - berichtete, dass sie sich neulich fast mit einer unverschämten Bedienung in einem der zahlreichen überteuerten Flughafen-Cafés geprügelt hätte. Auch diese Servicekraft hatte sich wohl dem Dienstleistungsgedanken komplett verweigert. Der Kommentar meiner Kollegin: "CDG sucks!" Gut zu wissen, dass man mit seiner Einschätzung nicht alleine ist.

Auch ein Klassiker am CDG: der Weiterflug in die französische Provinz über den Flughafen Orly. Freuen Sie sich nicht nur auf eine rumpelige Fahrt im Air-France-Bus für satte 19 Euro pro Person zum kleineren Pariser Airport, sondern auch auf ein verfrühtes Wiedersehen mit ihrem Gepäck, das in Orly erneut eingecheckt werden muss. Natürlich geht es auch ein wenig kostengünstiger mit der Regionalbahn. Vorausgesetzt man findet rechtzeitig mit dem ganzen Geraffel das Gleis und steigt in Orly auch am richtigen Terminal aus.

Apropos Bahn. Halten Sie am CDG ihr Münzgeld in Ehren, wenn sie die Weiterfahrt mit der RER in Richtung Paris ins Auge gefasst haben. Die Fahrkartenautomaten auf dem Flughafengelände verweigern regelmäßig Scheine und verlangen den Ticketpreis passend. Für uns Europäer ist dies noch eine lösbare Aufgabe, aber fragen Sie mal einen US-Amerikaner oder einen Japaner, der direkt nach der Ankunft nichts als dicke Scheine in seinem Brustbeutel hat. Denen steht die Panik meist ins Gesicht geschrieben.

Im November fliege ich übrigens wieder nach Übersee. Das Ticket ist schon eingetroffen. Das Beten hat nicht geholfen. Dreimal dürfen Sie raten, wo ich einen Zwischenstopp einlegen muss. Richtig, CDG.

Autor:
Denis Krah