Paris Die stilvollsten Hotels

Angeblich hat Philipp Starck sie erfunden, die schicken Boutique Hotels, von denen seit ein paar Jahren jeder Hans und Franz spricht. 1988 renovierte der Pariser Designer in New Yorks 44. Straße das heruntergekommene "Royalton" im Auftrag des "Studio 54"-Impresarios Ian Schrager: Designmöbel, kreischende Farben, Schachbrettmuster - passte. Die Lobby wurde zum Nachtclub, die Übernachtung zum Erlebnis. Nichts mehr hatte das zu tun mit der langweiligen Aura der ewig gleichen 5-Sterne-Hotelkettenbunker. Ein neuer Trend war geboren, die Schickeria feierte und jede Metropole dieser Welt benötigte fortan ein Boutique Hotel.

Natürlich macht Paris da keine Ausnahme. Zwar spricht der Exzentriker Starck inzwischen viel lieber über den Weltfrieden und entwirft futuristische Weltraumbahnhöfe für einen britischen Milliardär, aber auch in den Hotels seine Geburtsstadt hinterlässt der Mann, der seine Hochzeiten in den 1980er-Jahren erlebte, noch regelmäßig Design-Spuren. Entweder kümmert sich einer seiner Schüler ums Design, findet ein klassisches Starck-Möbelstück den Weg ins Badezimmer oder der Meister legt tatsächlich doch noch einmal selbst Hand an.

Und manchmal geht es tatsächlich auch ohne den großen Zampano, der dadurch bekannt wurde, dass er dem französischen Präsidenten Mitterand einst die Privatgemächer verschönerte. Starck hin oder her - MERIAN.de präsentiert ihnen eine kleine Auswahl der besten Boutique Hotels von tout Paris.

Murano Resort - Trip in die Zukunft

Manch einer vergleicht den Aufenthalt im Murano Resort mit dem Besuch einer schicken Raumstation. Hier würden sicher gerne auch Barbarella, Han Solo und Zaphod Beeblebrox absteigen. Hinter einer klassischen Fassade aus dem 19. Jahrhundert verbirgt sich im Marais-Viertel ein Hotel vollgepackt mit futuristischen Design-Elementen. Viel Chrome, blanker Stahl, reichlich Glas, zahlreiche Lichtinstallationen, Hightech-Spielereien und ein wenig Pop-Art - das Innenarchitekten-Duo Raymond Morel und Christiane Derory schickt den Gast auf einen Trip in die Zukunft. Die klobigen Zimmertüren lassen sich mit Hilfe eines Fingerabdrucks öffnen und erinnern eher an den Eingang eines Hochsicherheitskühlschranks als an das Tor zum perfekt gestalteten Refugium.

, 43 Zimmer und neun Suiten, 13 Boulevard du Temple, 75003 Paris, Tel.: 33 (0) 142 71 20 00, ab 350 Euro pro Nacht

Kube Hotel - quadratisch, praktisch, urgemütlich

Wenn ein Hotel Kube heißt, dann kann man sich schon denken, welche geometrische Form hier den Raum beherrscht: der Würfel. In einer ruhigen Seitenstraße des 18. Bezirks der französischen Hauptstadt steht die Herberge mit den vielen Ecken und Kanten, deren Rezeption in einem Glaswürfel außerhalb des Gebäudes untergebracht ist. Raymond Morel und Cristiane Derory haben sich (wieder einmal) von den Science-Fiction-Filmen der 1960er und 1970er Jahre inspirieren lassen. Der Stil lässt sich am ehesten mit "Zurück in die Zukunft" beschreiben. Die Zimmer und Suiten des Kube sind praktisch, quadratisch und trotz aller Utopien der Designer unglaublich gemütlich sowie wohlig warm. Reichlich unterkühlt hingegen ist die "Ice Cube"-Bar des kleinen Hotels in Montmartre. Bei Minusgraden haben die Gäste hier bei 38 Euro Einsatz eine halbe Stunde Zeit, vier Wodka-Cocktails zu genießen, in den Bubble Chairs der finnischen Design-Legende Eero Aarnio zu entspannen und sich an der angenehmen Gegenwart zu erfreuen.

, 31 Zimmer und zehn Suiten, 1 Passage Ruelle, 75018 Paris, Tel.: 33 (0) 142 05 20 00, ab 250 Euro pro Nacht

La Réserve - Chef auf dem Zimmer

Keine Bar, kein Restaurant, kein Swimming Pool, kein Gym - und trotzdem hat das La Reserve alles, was man zum Leben wie Gott in Paris braucht. Nur wenige Fußminuten vom Eiffelturm entfernt am Trocadero liegend verfügt das La Réserve über gerade einmal zehn Suiten. Diese sind allerdings so gut durchdacht und eingerichtet, dass man eigentlich nur mit einer Räumungsklage zum Abreisen überredet werden kann. Innenarchitekt Rémi Tessier setzt auf schnörkellose Eleganz und - für das Seelenheil - auf Feng Shui. Um das leibliche Wohl kümmert sich ein Haushälter, auf Wunsch kommt ein persönlicher Chef, um in der Suite-eigenen Küche Menüs auf Ansage zu zaubern.

, 10 Suiten, 10 Place du Trocadéro, 75116 Paris, Tel.: 33 (0) 153 70 53 70, ab 2200 Euro pro Nacht

Sezz - luxuriöser Sicherheitstrakt

Davon träumen langweilige Kettenhotels: dass ein Designer daher kommt und sie wach küsst. Das Sezz im 16. Arrondissement hatte dieses Glück. Einst war das Hotel ein typischer Vertreter der Marke "Best Western", ehe Philippe Starcks Meisterschüler Christophe Pillet Hand anlegte und das Haus mit bestem Eiffelturm-Blick einer 15-monatigen Renovierung unterzog. Das Ergebnis sind 26 geräumige Zimmer und Suiten, die mit steinigen Wände und Böden sowie gläsernen Peeping-Tom-Duschen an Gefängniszellen erinnern - an sehr luxuriöse, versteht sich. Wärter stehen keine vor der Tür, dafür wird jeder Gast mit einem Personal Assistant ausgestattet, der sich müht, einem die Wünsche von Lippen abzulesen. Deswegen kommt das Sezz ohne klassische Rezeption (und auch ohne Restaurant) aus.

, 12 Zimmer und 14 Suiten, 6 Avenue Frémiet, 75016 Paris, Tel.: 33 (0) 156 75 26 26, ab 285 Euro pro Nacht

Mama Shelter - true Starck

Mutti ist die Beste! In jedem Zimmer einen iMac mit freiem Internetzugang und an den Wänden hängen Masken von Chewbacca, Obelix und anderen Helden aus Kindertagen, die hier als Beleuchtung herhalten müssen. Im "Mama Shelter" hat Philippe Starck höchstselbst gewütet, was Kenner an den bekritzelten schwarzen Decken und Wänden ablesen, die so ähnlich auch seit Jahrzehnten in der Bar des New Yorker "Paramount Hotel" (ebenfalls ein true Starck) zu bewundern sind. Genau wie die hippe Tränke in Übersee ist "Mama Shelter" dunkel bis düster geraten. Schwarz ist Trumpf, und Licht wird sogar auf den Zimmern nur spärlich eingesetzt. Trotzdem wirkt das Hotel nicht wie die Design-Erweiterung des nahen Friedhofs Père Lachaise, sondern ist extrem einladend. Auch weil das Design zwar Boutique ist, der Preis aber nicht.

Mama Shelter, 172 Zimmer, 109 Rue de Bagnolet, 75020 Paris, Tel.: 33 (0) 143 48 48 48, ab 90 Euro pro Nacht

Autor:
Denis Krah