Neuseeland Familien-Reise im Land der Kiwis

Merian.de: Seit ein paar Monaten reisen Sie durch Neuseeland. Was war Ihre Motivation für dieses Abenteuer?
Nina Schröder: Nach Neuseeland zu reisen, war für Jens und mich schon immer ein Traum. Daran hat auch die Geburt unserer Tochter Enie im September 2010 nichts geändert. Nach einem Jahr Zusammenleben als kleine Familie beschlossen wir, unser Vorhaben umzusetzen, und - nun zu dritt - ans andere Ende der Welt zu fliegen. Von Anfang an stand fest, dass es nicht nur ein kurzer Urlaub werden sollte. Wir wollen länger bleiben, auf jeden Fall ein paar Monate, um die Möglichkeit zu haben, das Land und die Lebensweise der Kiwis richtig kennenzulernen. Außerdem möchten wir herausfinden, ob wir uns auch vorstellen können, in Neuseeland ein paar Jahre zu leben und zu arbeiten.

Und, können Sie es sich bereits vorstellen?
Diese Frage ist gar nicht so einfach zu beantworten. Was das Reisen betrifft, sind wir hier richtig glücklich. Täglich sind wir fasziniert von der Schönheit des Landes. Die Natur ist einfach überwältigend, die Menschen gastfreundlich und hilfsbereit. Ob wir jedoch für ein paar Jahre hier bleiben können? Jens’ Chancen als Tischler Arbeit zu finden, stehen gar nicht so schlecht. Und wir merken, gerade auch durch Enie, dass wir uns nach einem Zuhause sehnen. Doch einen richtigen Heimathafen haben wir bisher noch nicht gefunden. Erschwerend kommt hinzu, dass Neuseeland am anderen Ende der Welt liegt und somit Freunde, Familie und Großeltern weit entfernt sind.

Wie haben Sie sich auf den Trip vorbereitet?
Jens hat seinen Job gekündigt, einen Teil unserer Möbel haben wir verkauft, die Wohnung ist untervermietet und persönliche Dinge lagern bei Freunden. Natürlich sind wir gut abgesichert, haben eine Auslandskrankenversicherung abgeschlossen und gleichzeitig eine Anwartschaft bei unserer Krankversicherung - damit es bei der Wiederaufnahme keine Probleme gibt.

Ein paar Monate unterwegs sein, was nimmt man da eigentlich alles mit? Gerade mit Kind braucht man doch jede Menge, oder?
Für den Anfang gar nicht viel: Wir haben einen Rucksack und eine Reisetasche mit unseren persönlichen Dingen dabei, und für Enie noch eine kleine Extra-Tasche mit Spielzeug eingepackt. Zudem haben wir einen Buggy und einen Autokindersitz mitgenommen. Bleiben wir hier tatsächlich, findet sich der Rest vor Ort.

Wie finanzieren Sie die Reise?
Wir haben ein Jahr lang gespart. Um die Reisekasse zum Schluss noch ein wenig aufzustocken, trennten wir uns ebenfalls von unserem geliebten Volvo. Zudem arbeite ich weiterhin als freie Journalistin für deutsche Medien, so dass wir monatlich ein kleines Einkommen haben. Leider ist  Neuseeland ziemlich teuer, denn auch in Bezug auf den Neuseeländischen Dollar schwächelt der Euro, und so summieren sich die Kosten für Lebensmittel, Tanken und Übernachtung schnell.

Was hat Ihnen bisher am besten gefallen?
Sehr beeindruckt hat uns die Westküste der Südinsel. Die langen, weiten Strände kombiniert mit einer fantastischen Steilküstenkulisse waren einzigartig. Aber auch die Catlins im Süden der Südinsel werden uns mit den Seehunden, Delfinen und Pinguinen in Erinnerung bleiben. Einer der Höhepunkte ist auf jeden Fall der Abel Tasman Park im Norden der Südinsel. In dem Nationalpark kann man nicht nur schön wandern, sondern auch tolle Touren mit dem Kanu unternehmen. Abgesehen von den landschaftlichen Höhepunkten werden Jens und ich unsere Tage in Queenstown nicht vergessen, wo wir nicht nur den besten Burger unseres Lebens gegessen haben, sondern zu echten "Adrenalinsportlern" wurden. Jens hat sich am Shotover River am Bungeeseil hängend 80 Meter in die Tiefe gestürzt. Ich habe mich wagemutig an einen Gleitschirm gehängt und bin im Tandem 15 Minuten lang durch die Lüfte geflogen.

Das hört sich aufregend an. Sicher gab es auch Tiefpunkte?
Ja, das stimmt. Die Weihnachtszeit war schwer, da bei dem warmem Wetter (von Dezember bis Februar ist in Neuseeland Sommer) für unseren Geschmack keine festliche Stimmung aufkam. Auch der kleine LED-Tannenbaum konnte das gemütliche Beisammensein mit Familie und Freunden nicht ersetzen. Da war das Heimweh zum Teil schon groß.

Nationalparks, Strände, Fjorde: Wie erkunden Sie das Land?
Drei Tage nach unserer Ankunft in Queenstown haben wir einen kleinen Campingbus gekauft, der uns bisher sicher über jeden Bergpass und jede Schotterpiste brachte. Wir haben ein Bett und einen Kocher im Wagen, so dass wir oft auf Zeltplätzen – wenn es die Temperaturen zulassen – übernachten. Unsere Strecke planen wir selten im voraus, wir lassen uns lieber treiben. Mit Einheimischen zu sprechen hat sich oft bewährt, denn so kommt man an Orte, die in keinem Reiseführer stehen. Auch Tipps von anderen Reisenden sind manchmal "Gold wert". Ansonsten gibt es in Neuseeland fast an jeder Ecke eine Tourismuszentrale, in der es gute Informationen zu Campingplätzen, Spielplätzen und Sehenswertem gibt.

Vermissen Sie etwas?
Familie und Freunde fehlen uns natürlich sehr. Ansonsten aber eigentlich nicht viel, außer vielleicht gutes Vollkorn- und Schwarzbrot und Schokolade. Viele Dinge werden aber völlig nebensächlich und man merkt plötzlich, mit wie wenig man auskommt und trotzdem vollkommen zufrieden und glücklich ist.

Wie sehen Ihre weiteren Pläne aus?
Wir sind gerade auf der Südinsel unterwegs. Als nächstes werden wir mit der Fähre nach Wellington übersetzen und dann die Nordinsel erkunden.

Was können Sie Unentschlossenen mit auf den Weg geben, die gerne so eine Reise machen würden - sich aber nicht recht trauen?
Uns ist vor allem wichtig, zu vermitteln, dass eine solche Reise kein kompliziertes Unterfangen ist – auch mit Kind nicht. Natürlich müssen im Vorfeld einige Dinge geregelt werden. Dafür sollte man sich genügend Zeit nehmen. Ein wenig Mut gehört ebenfalls dazu, um diesen Schritt zu gehen. Vor Ort ergibt sich dann aber vieles von selbst. Und was Enie betrifft: Wir haben die Erfahrung gemacht, solange wir uns wohlfühlen und glücklich sind, fühlt sich auch unsere Tochter wohl. Diese Reise ist für uns eine ganz besondere Zeit, die unvergesslich bleiben wird – sowohl für Jens und mich als Einzelperson, als auch für uns als Familie.

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Autor:
Susanna Bloß