Niedersachsen Wellness im Osnabrücker Land

Vier Heilbäder hat das Osnabrücker Land zu bieten. Im Osten das einwohnerstärkste Bad Essen und im Süden dicht nebeneinander: Bad Iburg, Bad Laer und der kleinste Kurort mit dem größten Renommee: Bad Rothenfelde. So unterschiedlich das Quartett daherkommt, eines gemeinsam ist den Touristen- Magneten (gut eine Million Übernachtungsgäste jährlich) aber doch: Alle müssen neu rechnen wegen der Gesundheitsreform - die zuletzt mit sich brachte, dass ein Teil des Kurspektrums, die offene Bäderkur, fast gänzlich weggebrochen ist, Vorsorge auf Krankenschein gibt es nur noch sehr eingeschränkt. Die Folge: bis zu 20 Prozent Rückgänge, einige Häuser sind gar in Konkurs gegangen. Ende 2004 machte noch die Klinik Charlottenburg in Bad Essen dicht.

Allerdings zeigt man sich mittlerweile wieder optimistisch: "Wir sind besser aus dem Tal herausgekommen als andere Heilbäder", sagt Günter Droste, Geschäftsführer des Tourismusverbandes Osnabrücker Land, die Krise habe einer Strukturreform den Weg frei gemacht. Dank millionenschwerer Investitionen wurden Ortskerne verschönert, Standards und Infrastruktur verbessert, Leistungen privatisiert und neue Angebote vor allem in Wellness, Fitness und Beauty offeriert. Völlig umschwenken vom klassischen Heilbäderimage auf edle Körperkultur wird man indes nicht. Denn angesichts der demografischen Entwicklung wird die medizinische Kompetenz der Heilbäder immer stärker nachgefragt werden.

Aber auch die neuen Alten ziehen individuelle Gesundheitsurlaube dem Klinikmuff vor. Die neue Devise, die sich besonders an den privaten Selbstzahler richtet, ist auch hier ein klarer Kompromiss: "Gesundheit macht bei uns Spaß."

Bad Rothenfelde: Tradition schützt vor neuen Ideen

ist unter den Vieren der klassische Kurort. "Das Kurgebiet ist nicht aufgepfropft", sagt Christina Kohlbrecher-Zippel von der Kur und Touristik GmbH, "sondern von innen heraus gewachsen." 1724 wurde die Solequelle entdeckt. Das Wahrzeichen der repräsentativen Gemeinde mit den kurzen Wegen sind die Gradierwerke; früher dienten sie der Salzgewinnung, heute den Bronchien, zum Beispiel als Freiluft-Inhalatorien. Neun Fachkliniken stehen für die medizinische Kompetenz und trotz aller guter Tradition machte man aus dem Kurmittelhaus von 1909 ein "Haus des Gastes", baute einen Fünf-Sterne-Camping- Platz und setzt künftig auf "Anti-Stress", "Rücken fit" oder "Atmungsaktiv" im Kurzurlaubspackage fürs private Portemonnaie.

Bad Laer: Neue Methoden im winzigen Städtchen

ist klein, ländlich, beschaulich, aber nicht nur die Natur hat bei uns viel auf dem Kasten", sagt Tourist-Marketingfrau Christel Richeling. Innovativ ist der Ort allemal: Die 1998 geschlossene Blomberg-Klinik ist heute ein dreigeteiltes Kurhotel. Oben Alterswohnheim, unten Hotel und in der Mitte: "Urlaub von der Pflege", das heißt: Angehörige machen mit ihren zu pflegenden Verwandten Urlaub und doch auch von ihnen. Gar nicht beschaulich ist auch das Gesundheitszentrum, das in den letzten Jahren aufgebaut wurde und mittlerweile eine Versandapotheke nebst Gesundheitsnetzwerk (unter anderem Weiterbildungskurse, Selbsthilfezentrum) bietet und seit kurzem auch das ehemalige Kurmittelhaus mit neuem Konzept weiterführt.

Bad Iburg: Volles Angebot auch für Teilzeit-Urlauber

ist im Quartett das einzige Kneipp-Heilbad. Wobei Kneipp sich als eher out entpuppt. Drei aufs Wassertreten spezialisierte Häuser sind Pleite gegangen. Deshalb setzt man hier auf eine touristische Mixtur. Wegen der Nähe zu Osnabrück (15 Minuten) gibt es Geschäftsreisende wie Tagestouristen,Wanderer (Teutoburger Wald) wie Radfahrer (Münsterland) oder Kurpatienten. Iburg hat zudem mit seinem prächtigen Schloss und ebensolchem Umland Attraktionen, die ganz unabhängig von der Gesundheitsreform wirken. Großes Interesse finden daher auch eine Tagesschönheitsfarm sowie ein teuer modernisiertes Therapiezentrum (früher: Kurmittelhaus), das nun vom Kleopatra-Bad bis zum Babyschwimmen Wohlfühlen für alle Altersklassen preist. Dass man Altbewährtes durchaus neuen Zeiten anpassen kann, zeigt auch die Dörenberg-Klinik (Orthopädie und Rheumatologie), die seit 2001 mit einem privaten Gesundheitszentrum auch ihre Türen für den allerorts begehrten gesundheitsbewussten Selbstzahler öffnet.

Bad Essen: Wohlfühlen im Rundum-Paket

Das attraktive besticht durch die Trümpfe Landschaft (Nähe Wiehengebirge), Kultur (Schlösser Ippenburg/Hünnefeld mit Festival, Konzerten, Museum) und Historie (Fachwerkhäuser nebst Kirchplatz zählen zu den schönsten Norddeutschlands). Das Thermalsole-Heilbad mit seinen drei Paracelsus-Kliniken und einer Mutter-Kind-Kurklinik entwickelt sich laut Erstem Gemeinderat Carsten Meyer immer stärker in den allgemeinen Tourismus hinein. Deshalb setzt man dort künftig den Schwerpunkt auf Gesundheitstourismus, wozu vor allem Wandern und Radfahren gehören. Seit 2000 gibt es außerdem das Zentrum für Traditionelle Chinesische Medizin (TCM) und bis 2006 soll das gerade aus der Taufe gehobene Projekt "Wellness-Wohnen" (Wohlfühlen und Wohnen, Therapie und Beauty für Einheimische und Gäste) fertiggestellt sein.

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Autor:
Cornelia Heim