Niedersachsen Sehenswerte Tour durchs Osnabrücker Land

Für eine Spritztour im Osnabrücker Land empfehlen sich ein Cabrio und eine angenehme Begleitung. Sie für ihn oder er für sie, das ist gleichgültig, Hauptsache, man kann sich am Lenkrad ablösen, denn ob fahren oder gucken das Schönere ist, entscheidet sich hinter jeder Kurve neu. Und dann braucht man noch eine Strecke, die das alles bietet. Oder besser zwei: eine selbst gestrickte im Südkreis und die Artland-Route im Norden.

Von Osnabrück geht es Richtung Südwesten nach Hasbergen. Nach einer steilen Abfahrt liegen links das "Wirtshaus Gausenest", ein Muss für Leckermäuler, und die Töpferei Niehenke mit ihren unverwechselbaren rot-braunen Produkten. Beide lohnen einen Stopp, aber wir lassen die Maschine laufen bis zum Kreisverkehr in der Hagener Niedermark. Da biegen wir links ab Richtung Hagen und können linker Hand die Gellenbecker Wassermühle angucken. Am Ortseingang geht's rechts ab Richtung Hof Kasselmann. Hier treffen sich jedes Jahr die Reichen und die ganz Reichen zur Pferde- und Lifestyle-Messe "Horses & Dreams". Auch für das normale Volk ein tolles Fest, zu dem es in Massen strömt.

Im Hagener Ortskern biegen wir am Kreisel bei der Alten Kirche rechts ab Richtung Bad Iburg. Eine der letzten Strecken für Autofreude mit tollen Kurven und lichtdurchfluteten Wald- Durchfahrten. In Bad Iburg (Schloss gucken!) halten wir vor dem Casablanca. Sehr gemütlich, spannende Karte, schöner Biergarten, leicht alternative Szene. Dann nach Bad Rothenfelde (Gradierwerk!). In dem gepflegten Kurort mit seinen vielen Cafés bittet die Begleitung dann um eine Pause vor Übernahme des Volants.

Als Beifahrer hat man ja ohnehin einen viel besseren Blick für Land und Leute. Die Artland-Route, ein 142 Kilometer langer ausgeschilderter Rundkurs, führt uns zunächst über Ankum (Dom!) nach Eggermühlen. Und dann auf einer hinreißenden Eichenallee zum verwunschen wirkenden Schloss Eggermühlen. Das Auto brummelt auf dem Eggermühlener Weg gemächlich Richtung Fürstenau voran. Dort (Schloss!) fühlt man sich am Steuer beim ganz langsamen motorisierten Flanieren durch die Große Straße wie auf der Düsseldorfer Kö.

Über Bippen und Berge geht es weiter durchs Moor und über Menslage nach Quakenbrück. Die Schleife über Dinklage schenken wir uns heute mal und rollen direkt über Badbergen nach Gehrde. Ein Ort wie gemalt, hier wird die Drehzahl niedrig gehalten. Beim Zwischenstopp in Bersenbrück (Museum!) hat die Herrlichkeit am Steuer schließlich ein Ende.

Reden oder Rasen?

Wenn der Mensch unter seinesgleichen, aber dennoch schweigend und für sich sein will, sollte er mit anderen Motorrad fahren. Im Landkreis Osnabrück gibt es dafür viele schöne Strecken, doch wollen drei schweigsame Männer heute einen speziellen Kurs durch den Südosten steuern. Zunächst raus aus der Stadt auf der B51 Richtung Bad Iburg.Am Ortsausgang mit ordentlich Gas den Dörenberg hoch. Dann aber aufgepasst: Auf der Bergkuppe geht es links ab Richtung Wellendorf. In weiten und engen Kurven wedeln wir durch die wellige Wellendorfer Landschaft.Wichtig: Die Kurven-Warnschilder sind amtlich und ernst gemeint. In Bissendorf machen wir die erste Pause im Motorradfahrer-Treff "Zur Lindenhöhe". Leckere Salate, netter Biergarten. Eine Atmosphäre, in der auch ruhigere Männer ins Gespräch kommen könnten, wenn sie denn nicht ihre Ruhe haben wollten. Weiter Richtung Schledehausen zur Schelenburg. In den fast tausend Jahre alten Mauern des Wasserschlosses wird erstklassig gekocht, wobei je nach Jahreszeit regionale Spezialitäten auf den Tisch kommen. Glücklich ist, wer einen Platz auf der Terrasse am Wassergraben ergattert.

Weiter geht's nach Bad Essen. Erstmal außen rum über Wehrendorf zur Ippenburg. Berühmt sind die alljährlichen Festivals "Gartenlust und Landvergnügen", bei denen hochfeiner Adels- und Geldadelsbedarf vertickert wird. In Bad Essen heißt es an der Eisdiele dann Helm ab zum Sorbet. Ein kurzer Gang durchs Städtchen lohnt: Bei der nie erfolgten Wahl zum schönsten Marktplatz dürfte Bad Essen ganz weit vorn liegen. "Dat lütge Hus" ("Das kleine Haus") und "Das Haus nebenan" kredenzen feinsten Kuchen. Die drei Biker freut die hervorragende Tee-Karte, ehe das Gespräch aber ausufert, erklingen drei Motoren.

Fahrerischer Höhepunkt unserer Strecke sind die spektakulären Serpentinen Richtung Essenerberg. Erstmal etwas vorsichtiger hinauf, dann oben wenden und wieder runter. Nach dem Adrenalin-Slalom rollen wir ganz entspannt weiter Richtung Melle, wo wir noch wortlos einen Blick auf die vier Fachwerkhäuser des Grönegaumuseums werfen, ehe es über die A30 wieder in die Stadt geht.

Nasse Badehose am Lenker

Wandern oder warten?

Wenn das Wandern des Müllers Lust ist, dann treffen sich Wanderlustige am besten an einer Mühle. Treffpunkt für den großen Familienausflug ist Knollmeyer's Mühle im Nettetal am nördlichen Osnabrücker Stadtrand. Die liebevoll restaurierte Wassermühle ist zwar nur auf Anfrage zu besichtigen, aber dafür steht der legendäre Biergarten des benachbarten Gasthauses immer offen. Und weil der Onkel wie immer zu spät kommt, stellen wir unsere Wanderschuhe erst mal unter einen Biergartentisch und schicken die Kinder zum Toben.

Bei Käsebrot und Weizen vom Fass bereiten wir uns mental auf den Marsch vor:Wir wollen rauf zur Wittekindsburg und Ruinen gucken. Dann haben wir die Qual der Wahl, verläuft doch ein halbes Dutzend Wanderwege durchs Nettetal. Der bekannteste ist der Wittekindsweg. In den Siebzigern sind Oma und Opa mit ihren Jungs die 90 Kilometer von der Porta Westfalica bis Osnabrück marschiert. In Etappen, logisch. Ach, und erst der Hermannsweg! Die 156 Kilometer von Rheine vorbei an den Dörenther Klippen und durch Tecklenburg bis nach Bad Iburg (Schloss ansehen!) und dann weiter durch die Noller Schlucht bei Dissen und ins Westfälische bis zum Hermannsdenkmal bei Detmold waren damals eine echte Aufgabe.

Ein Wanderbruder fehlt immer noch. Ein Segen, dass wir hier so gut sitzen. Auf dem Dörenberg, der höchsten Erhebung im Osnabrücker Land, waren wir auch schon lang nicht mehr. Der Aussichtsturm auf dem Berg ist denn auch der wortwörtliche Höhepunkt des Ahornweges, einer großen Acht im Südkreis mit zwei Schleifen von 35 und 60 Kilometern und fünf Aussichtstürmen. Der Sichtbeton-Turm auf dem Dörenberg bietet zwar wahrlich keine schöne Ansicht, aber eine grandiose Aussicht.

Leider müssen wir immer noch warten, aber die wanderbaren Pläne gehen uns nicht aus. Viel Gutes wird ja vom Westfälischer-Friede-Weg erzählt. Der soll auf den historischen Routen der Postreiter verlaufen, die während der Verhandlungen zum Westfälischen Frieden (1643 bis 1648) als Boten permanent zwischen Münster und Osnabrück gependelt sind. Eben will der Opa anheben, den Enkeln vom Westfälischen Frieden an und für sich zu erzählen ("Nein Kinder, Opa war damals nicht dabei!"), da klingelt ein Handy. Der Vermisste kommt nicht mehr. Sorry. So bleiben für heute die Einzigen, die gewandert sind, die Zeiger auf der Uhr.

Radeln und Baden

Wenn der Vater mit dem Sohne eine Radtour macht, dann muss er zunächst mal rhetorisch Kette geben. Nein, es wird keine blöden Berge geben. Nein, es ist nicht irre weit. Nein, wir werden nicht zu schnell fahren. Ja klar, Rast machen wir auch. Wenn dann noch eine Badepause am See, ein XXL-Eis am Ziel und die Rückfahrt mit der Eisenbahn in die Waagschale geworfen werden, dann gibt der Nachwuchs Grünes Licht für die NordWestBahn- Tour. Die führt von Osnabrück Richtung Norden bis Quakenbrück. Und zwar 63 bestens ausgeschilderte Kilometer parallel zur Bahnstrecke. Erst mal schnell raus aus Osnabrück zum Zweigkanal und im Bogen an der Hollager Schleuse vorbei. Erhaben rollen wir oben auf dem Deich dahin, liefern uns ein kurzes Rennen mit einem Binnenschiffer.

Vor der nächsten Brücke steht ein Denkmal. Und weil wir auch Rasten verabredet haben, steigen wir ab und gucken. Der Stein, "gegeben d. 5ten März 1755", erinnert an einen Hofrat Bruch. Weiter geht es Richtung Bramsche. Ein Tipp für die Radler-Pause dortselbst ist das Tuchmacher- Museum. Hier gehen wir auf Tuchfühlung mit der Geschichte dieses Handwerks. Jetzt heißt es Kilometer bolzen Richtung Bersenbrück. Immer schön an den Schienen entlang rollen wir zum Alfsee, wegen der versprochenen Badepause.

Hier tummelt sich alles am und im Badesee, düst mit der Wasserski-Seilbahn oder auf der Kartbahn im Kreis und lauscht den fremden Sprachen und Aussprachen der Niederländer oder Westfalen, die ihren Urlaub auf dem Fünf-Sterne-Campingplatz verbringen. Auch wir würden gern bleiben, aber versprochen ist versprochen: Quakenbrück ist das Ziel. Die nasse Badehose ist im Fahrtwind am Lenker fast getrocknet, als wir Bersenbrück erreichen. In Sachen Museum hat der kleine Radler sein Tagespensum schon geleistet. Ansonsten wäre in Bersenbrück der Gang ins Museum des Landkreises Osnabrück Pflicht. Das liegt malerisch im Kloster- garten und zeigt wechselnde Ausstellungen, die mit ihren gern auch schrägeren Themen regen Zulauf finden.

Über unseren Zulauf freut sich heute das gelb-weißgestrichene Hotel Lange. Hier gibt uns die leckere Küche Kraft, um im Finale Quakenbrück anzusteuern. Also weiter Richtung Norden, immer im Zickzack über die Gleise. Langsam wird das Kind müde, das Schild zum "Artländer Eselhof" müssen wir leider links liegen lassen. Merken wir uns aber auch vor fürs nächste Mal.

In Quakenbrück wartet das versprochene XXL-Eis im Café Brinkmann direkt an der Hohen Pforte in der schnuckeligen Fußgängerzone.Das reizende Hotel Hagspihl gleich nebenan steuert noch eine kräftige Mahlzeit im Biergarten bei, dann geht es mit dem müden kleinen Fernfahrer Richtung Bahnhof mit dem Hinweisschild "Draisinen-Bahnhof". Hier sausen Draisinen mit Pedalantrieb über stillgelegte Bahnstrecken. Gleich probieren? Ein matter Blick des Sohnes sagt alles. Wohl auch eher was für das nächste Mal. Jetzt ab in die NordWest- Bahn. Und zurück nach Osnabrück.

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Autor:
Burkhard Riepenhoff