Österreich Nachhaltiger Tourismus in Werfenweng

Manchmal sehen Alpdörfer in Prospekten friedlich und verwunschen aus. Vor Ort sieht es dann ganz anders aus: vor schnuckeligen Häusern machen sich Carports breit, und der hübsche Marktplatz ist zugeparkt. Gelegentlich wünscht man sich in die Zeit der Pferdefuhrwerke, des Kiepentragens und des Ochsenkarrens zurück - oder nach Werfenweng in die Welt der Elektroautos, Segways, Fahrräder und Umsonsttaxis.

Werfenweng gehört zu den Alpine Pearls, einem Zusammenschluss von insgesamt 27 Alpenregionen, die auf umweltfreundlichen Tourismus setzen. Der Schwerpunkt liegt dabei in der Schaffung nachhaltiger Angebote - wie zum Beispiel eine autofreie An- und Abreise. Der kleine Ort im Pongau im Salzburger Land liegt in einem sonnigen Hochtal mit optimalen Bedingungen für Langlauf, Rodeln und Alpinski, Wandern, Gleitfliegen und Biken. Vor allem aber kommt man hier erstaunlich weit ohne Auto. "Wir haben im Jahr 2000 ein Konzept zur sanften Mobilität eingeführt", sagt Peter Brandauer, Bürgermeister und Tourismuschef von Werfenweng. "Immer mehr Besucher kommen eigens wegen unseres Angebots." Das umfasst nämlich nicht nur kostenlose Taxifahrten und Elektroleihwagen, Gratis-Kutschfahrten und Lamatrecking, geführte Wanderungen und kostenlose Langlaufausrüstung; im Sommer steht ein ganzer Fuhrpark an Spaßfahrzeugen für die Gäste bereit: Elektroscooter und Segways, E-Mopeds und –Dreiräder, sowie Tandems und das "Gaudi-Radl", auf dem sieben Personen im Kreis sitzen und gemeinsam strampeln.

Für die Kleinen gibt es Laufräder, Kinderräder und Gokarts, außerdem kindgerechte E-Roller und E-Räder. Wenn alle Gefährte unterwegs sind, wirkt Werfenweng wie ein grandioser Spielplatz. "Die Leute wollen Mobilität", sagt Brandauer, "deshalb haben wir uns dagegen entschieden, Autos zu verbieten." Die kostenlosen Samo-Shuttle holen Gäste am Flughafen Salzburg oder am Bahnhof ab, aber auch wer mit dem Auto kommt, lässt es gerne stehen. Im Tausch gegen den Autoschlüssel gibt es die Samo-Card mit all ihren Vorteilen.

Im Winter gehört der Skibus (mit Erdgas betrieben) und die Pferdeschlittenfahrt dazu, im Sommer die Wanderungen und Exkursionen sowie das Bad im Wengsee, dem Badesee des Ortes. Dass das Konzept der sanften Mobilität nicht nur der Umwelt, sondern auch dem Ort nützt, zeigen die Übernachtungszahlen. Schon vier Jahre nach der Einführung stieg die Zahl der Übernachtungen von 162.000 auf 212.000 an, mittlerweile 260.000 im Jahr.

Dabei hat der beschauliche Ort sein Gesicht kaum verändert. Die 950 Einwohner pflegen nach wie vor Land und Landwirtschaft und verkaufen ihre Produkte gemeinsam im ortseigenen Bauernladen: Brot, Käse und Honig, Wurst und Fleisch, selbstgemachte Marmeladen und hausgebrannten Schnaps. Am besten aber isst man die Werfenwenger Bauernkrapfen oder Pongauer Blattlkrapfen in einem der bodenständigen Gastwirtschaften oder Almhütten. 

Gerade werden neue Wohnhäuser für Einheimische gebaut, denn Werfenweng ist nicht nur die jüngste Gemeinde im Salzburger Land; sie wächst auch. Über 60 Kinder besuchen die Volksschule und spielen am Nachmittag mit den Gästekindern. Die wollen oft gar nicht mehr weg, obwohl im Umland lauter Attraktionen locken: Salzburg, aber auch die Festung Hohensalzberg, das Salzbergwerg Hallein, die Burg Hohenwerfen oder die Therme Amadé in Altenmarkt mit ihren atemberaubenden Rutschen.

Sieben ausgewiesene Nordic Walking Runden führen durch das Tal, außerdem gute Wege für Moutainbiker, und anspruchsvolle Kletterpfade bringen Bergbegeisterte zutraumhaften Aussichtspunkten. Da klingt es schon fast unglaubwürdig, wenn Bürgermeister Brandauer sagt: "Die meisten Stammgäste kommen wegen der Samo-Card." 

Autor:
Jutta von Campenhausen