Nachgeschenkt Die Tiefgründigen

Die Prioritäten sind klar gesetzt bei Hannes Sabathi: Zuerst kommt die Bodenkunde. Bevor er seine Weine ausschenkt, will er erst einmal zeigen, auf welchem Untergrund sie wachsen. Sabathi schreitet zügig den Kranachberg bei Gamlitz hinauf, es ist heiß, die Luft flimmert und wird schon dünn, wenn man nur ein Bein vor das andere setzt. In dieser Steillage auf 500 Metern Höhe zu arbeiten, ist ein Knochenjob. Viel angenehmer ist es, den Blick schweifen zu lassen, auf die spektakuläre Hügellandschaft der Südsteiermark, schräg gegenüber liegen die Wälder Sloweniens. Aber die Reize der Landschaft erreichen den durchtrainierten Winzer gerade nicht. Was sich unter seinen Füßen befindet, das findet er spannender.

Hannes Sabathi ist extrem bodenfixiert. Das belegen auch seine Etiketten, sie sind reduziert auf das Wesentliche: Wurzeln, die sich nach unten vorarbeiten und das in die Trauben transportieren, was sie im Boden aufnehmen. Was Sabathis Handeln bestimmt, wird gemeinhin als Terroir verhandelt und beschworen. Der Winzer, den man an der mächtigen braunen Hornbrille erkennt, verwendet das populäre T-Wort nicht, über das im Weinuniversum lebhaft debattiert wird. Weil Terroir immer mehr zu einer Vermarktungsmasche geworden ist. Sabathi redet lieber vom Boden und noch viel lieber arbeitet er mit ihm. "Wenn ich eine Rebe auf verschiedenen Böden stehen habe, das ist für mich das Schönste", sagt er. "Ich möchte Herkunft und Charakter der Weine so exakt wie möglich heraus arbeiten."

Das gelingt ihm trefflich beim Morillon, wie der Chardonnay in der Steiermark heißt, und bei den Weiß- und Grauburgundern. Sababthis wichtigste Rebsorte aber ist Sauvignon Blanc, er steht auf drei verschiedenen Lagen. Im Kranachberg, auf sandigem Schotterboden, entstehen schlanke und kühle Weine, mit einer salzigen Note, die zum nächsten Schluck animiert. Auf dem kalkhaltigen Sand- und Lehmboden im Jägerberg fallen die Weine cremiger und weicher aus. Und auf dem Pössnitzberg findet sich Opok, wie die Einheimischen den Kalkmergel nennen. Hier werden die Weine fest und engmaschig. Eine Rebsorte, drei unterschiedliche Persönlichkeiten: Das ist es, was Hannes Sabathi begeistert.

Seine Weine lässt er spontan vergären, alle baut er trocken aus. "Restzucker schmiert den Charakter zu", sagt Sabathi. Wenn man den Geschmack des Bodens so radikal herausarbeitet wie Sabathi, klopfen einem nicht alle auf die Schulter. Sabathis Weine haben Ecken und Kanten, es sind puristische Weine, die nicht nach Aufmerksamkeit rufen. Vordergründig charmante Weine sind Sabathi verdächtig. Viele Sauvignon Blancs beeindrucken zunächst mit intensiven Primäraromen, aber nach einiger Zeit erinnern sie oft an Katzenurin. "Blenderweine", sagt Sabathi dazu, seine Weine können ihre Qualität über Jahre steigern.

Nur von guten Jahrgängen füllt er seine Reserve-Weine ab, im kleinen Holzfass ausgebaut, können sie sich über Jahrzehnte entwickeln. Hannes Sabathi will seine Weine Geschichten erzählen lassen. Etwa davon, dass dort, wo jetzt seine Reben stehen, einmal Haie durchs Meer geschwommen sind. Spuren des Meeres finden sich in seinen Weinen, eine Hinterlassenschaft der Geologie. Um Sabathis Weine zu verstehen, braucht es Geduld und die Bereitschaft, zuhören zu wollen. Wer sich langsam herantasten will an Sabathis strenge Weinpoesie wird in seiner Klassik-Linie fündig: Es sind unbeschwerte Weine, aber schon mit dem typischen Suchtpotenzial ausgestattet.

Jugendliche Kompromisslosigkeit

Die Südsteiermark ist das Land der vielen grünen Hügel, auf denen die Bewohner Pappeln pflanzen. Oft wird sie an der Toskana gemessen. Ein Vergleich, den der Winzer nicht gerne hört. "Hier ist es viel schöner und grüner", findet er. Aber es hat lange gedauert, bis Sabathi die lokalen Vorzüge zu schätzen gelernt hat. Das Weingut liegt abseits, als Kind musste er mit dem Fahrrad auf unbefestigten Wegen zur Schule fahren, bergauf, bergab, bei jedem Wetter. Als Jugendlicher fand er "die Gegend tot und uncool". Seine Eltern haben sich damals nicht mit den Böden der Weinberge beschäftigt. "Das war so, wie es war", sagt Sabathi. Das änderte sich, als er mit 20 Jahren in den Betrieb einstieg. Winzer wie Erich und Walter Polz oder Manfred Tement haben den Qualitätsweinbau in der Südsteiermark angeschoben, heute zählen die Sauvignon Blancs zu den besten weltweit. Hannes Sabathi ist einer, der mit großer Ernsthaftigkeit ihre Nachfolge angetreten hat. Den Boden, die Steine zum Sprechen zu bringen, das schaffen oft nur die erfahrenen Winzer. Sabathi ist erst 30.

Einer der Sabathis konsequente Art schätzt und sich an ihm orientiert, ist Christoph Wachter aus Deutsch Schützen im Südburgenland, direkt an der früheren Grenze zu Ungarn. Wachter ist erst 22 und mit dem großen Talent ausgestattet, unverwechselbare Weine erzeugen zu können. Gemeinsam mit seinem Vater Franz bewirtschaftet er das Weingut Wachter-Wiesler, zu dem sich die Familien Wachter und Wiesler in den 90er Jahren zusammengeschlossen haben. Franz Wachter ist auch Bürgermeister der 1140-Seelen-Gemeinde Deutsch Schützen-Eisenberg. Auch der Großvater Béla Wachter, schon über 80, macht sich behilflich, wo er kann. An diesem Morgen hat er schon die Blumen auf der Terrasse des Weinguts gewässert und belohnt sich mit einem kleinen Schluck Rotwein, den sein Enkel abgefüllt hat. Zufrieden sitzt er da und blinzelt in die Sonne. Hinter ihm erhebt sich der Eisenberg, mit 415 Metern die höchste Erhebung vor den Karpaten. Lange Zeit wurde das Potenzial dieser Lage nicht genutzt, viele Rebflächen lagen brach, weil sie mühsamer zu bewirtschaften sind als andere Weinberge.

Gerade dem ehrgeizigen Christoph Wachter ist es ein Anliegen, die Möglichkeiten des Eisenbergs auszureizen. Vor wenigen Jahrzehnten wurde hier noch Eisen abgebaut, es finden sich noch heute Schlackerückstände. Für den Weinbau ist der Eisenberg mit seinen Schieferböden und einer eisenhaltigen Lehmschicht eine geologische Besonderheit, die ihre Spuren im Wein hinterlässt. Blaufränkisch ist die Sorte, die hier am besten gedeiht. Bei Wachters entstehen daraus elegante, finessenreiche Weine, mit mineralischen und erdigen Tönen, die bei jeder Verkostung auffallen - wie auch die Weine von Hannes Sabathi. Schon der einfache Blaufränkisch Béla-Joska zeigt mit einer pfeffrigen Würze Klasse, der Pfarrweingarten fällt kräftiger aus mit Aromen von dunklen Beeren. Der Steinweg ist die beeindruckende Spitze dieses Sortiments.

Einen Wein baut Christoph Wachter ganz nach seinen Vorstellungen aus, den Blaufränkisch Feine Töne. Damit zeigt der Winzer, dass jugendliche Kompromisslosigkeit nicht laut und dröhnend daher kommen muss. Aber einfache Weine erzeugen, das können andere besser. Feine Töne, sagt Wachter, sei eher schlank als mächtig, eher kantig als rund und eher rau als weich. "Aber er kann nur vom Eisenberg sein. Ich richte die Weine nicht her, sie sollen unverfälscht den Boden abbilden." Was Hannes Sabathi in Weiß macht, das macht Christoph Wachter in Rot: Weine, die nicht gefällig sein und allen schmecken müssen. Aber wer sich nicht auf sie einlässt, kann einiges verpassen.

Information und Bezugsquellen


Informationen unter:
Weingut Hannes Sabathi: www.sabathi-weine.at
Weingut Wachter-Wiesler: www.wachter-wiesler.at

Bezugsquellen in Deutschland:
Georg Hack, Haus der Guten Weine, Schützenstraße 1, 88709 Meersburg, Telefon 07532-49 45 24, www.georg-hack.de

Österreichischer Weinhandel, Eppendorfer Stieg 2, 22299 Hamburg, Telefon 040-35 07 60 10, www.rk-weinhandel.de

Weinhof Österreich, Nymphenburgerstraße 21, 80335 München Telefon 089-97 34 18 91, http://weinhofoesterreich.de

WEIN.GUT, Das Weinhaus in München-Laim Camerloherstraße 56, 80686 München Telefon 089-58 97 79 20.

Karl Kerler Weinimport Braillestraße 20, 90425 Nürnberg Telefon 0911-588 28 42.

Pinard de Picard, Fort Rauch 2, 66740 Saarlouis Telefon 06831- 12 27 29.

Weinhaus Dantonello, Hofgasse 3-5, 86732 Oettingen, Telefon 09082-10 61,

Kopp's, feine Weine - feine Kost, Oberseifsieden 1b, 85643 Steinhöring, Telefon 0172-944 00 74,

Weingourmet Schroll, Bogener Straße 1a, 94362 Neukirchen, Telefon 09961-72 72

Wachter-Wiesler:
Gute Weine Lobenberg, Tiefer 10, 28195 Bremen, Telefon: 0421-705666, www.gute-weine.de

Weinhandel Freiherr von Loë, An der Burg Lede 1, 53225 Bonn-Villich.

Weinhandel Preißler, Burker Straß 149, 0705 Freital Telefon 0351-401 56 26.

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Autor:
Rainer Schäfer