Mit Stil Was geht in Vegas?

Vegas-Unkundige mögen denken, es sei vollkommen egal, wo man sein Geld verspielt. Das sehe ich vollkommen anders. Wenn schon arm werden, dann im Etablissement, das zu einem passt:

Für Freunde der alten Hochkultur: das Luxor

Ein klassischer Themenpark in Form einer überdimensionalen schwarzen Pyramide inklusive "King-Tut"-Museum und Hieroglyphen an den Wänden. Hatte seinen "Heyday" in den frühen 90ern und erinnert mit dem Laserstrahler oben von der Spitze entfernt an eine Großraumdiskothek im Ruhrgebiet, ist aber im Kern immer noch wie ein Resort in Las Vegas sein sollte: vollkommen absurd im Auftritt, also nicht von dieser Welt.

Außerdem ist das "Luxor" nach wie vor eines der besten Soziotope der Stadt: Der "Casino-Floor" wird stark von Briten frequentiert, die an den Blackjack-Tischen sehr viel mehr reden als die schwitzenden Chinesen. Wer nicht so gern spielt und redet, fährt einfach eine Weile mit den um 45 Grad geneigten Aufzügen, schaut sich in dem sehr ungünstigen Licht die Gäste an und stellt die klassische Vegas-Frage: Sind die hier gerade wieder oder immer noch wach? (Im Zweifelsfall: noch). Wer ein Zimmer im East Tower bekommt, sollte keineswegs enttäuscht sein. Der Ausblick auf den Strip ist besser und für die goldenen Rahmen und Armaturen im Badezimmer nimmt man gern die paar albernen Bilder von Pharaonen in Kauf.

Für Nostalgiker: Circus Circus

Wohnen will man hier nicht mehr, aber wenn das Budget ausgereizt ist und nur noch für ein paar Einsätze unterhalb der mindestens üblichen 10-Dollar-Grenze reicht, dann ist das "Circus Circus" genau die richtige Alternative. Der Name ist hier wie überall Programm, das Publikum entsprechend familiär, und beim Kamelrennen kann man zur Abwechslung sogar Einheimische treffen. Unbedingt "Chicken in a pot" spielen, eine Art "Hau den Lukas" mit gerupften Hühnern, die man katapultartig in einen Kochtopf zu versenken versucht. "Awesome!", wie die Amerikaner sagen. Für jeden Volltreffer gibt es ein Kuscheltier in Form einer pinkfarbenen Ente. Kein Wunder, dass Hunter S. Thompson ein Faible für den Laden hatte. Die Bar in Form eines Karussells, die in "Fear and Loathing in Las Vegas" auftaucht, ist eine beliebte Pilgerstätte, leider mittlerweile häufig geschlossen.

Für Highroller: das Bellagio

Wahrscheinlich gibt es in jedem Casino einen Hollywood-Beauftragten, der nur dafür zuständig ist, das Hotel möglichst lange in irgendeinem Film unterzubringen, denn der Werbeeffekt ist gigantisch: Fans von "Ocean's 11" steigen am liebsten im "Bellagio" ab. Frauen, weil sie glauben, hier sitzen Typen wie George Clooney und Brad Pitt, die versuchen die Bank zu sprengen. Männer, weil sie glauben, hier säßen Frauen, die einen nach ausreichend Drinks vielleicht tatsächlich mit George Clooney oder Brad Pitt verwechseln. Sofern beides nicht klappt: Die Zimmer gehören nach wie vor zu den besten; allerdings selbst unter der Woche auch zu den teuersten.

Für Bachelors: Caesar's Palace

Das "Caesar's" hatten zuletzt nur noch echte Pokerprofis auf dem Zettel - bis der Film "Hangover" kam. Der handelt von vier Typen, die zum Junggesellenabschied nach Vegas fahren, die falschen Drogen nehmen und dann am nächsten Morgen mit einem Baby und einem Tiger in der gründlich zerstörten Suite aufwachen. Klingt beknackt? Dachte ich auch. Aber welch tollkühner Casino-Manager diesen Dreh auch immer genehmigt hat - er wusste es besser. "Hangover" war tatsächlich einer der lustigsten Filme des Jahres und wird dem "Caesar's Palace" die kommenden 20 Jahre sehr viele Junggesellenabschiede bescheren. Hoffentlich versuchen nicht alle, die King-Size-Matratze vom Dach zu schmeißen.

Für Neokonservative: Wynn, Trump und Co.

Las Vegas ist eine Art Hotel-Umschlagplatz. Alle paar Jahre wird ein Resort platt gemacht, um Platz für ein neues, noch größeres zu schaffen. Statt alberner Themenparks wie "New York New York", "Excalibur" oder "Treasure Island" werden heute allerdings zunehmend "klassische" Hotels wie das "Wynn" oder "Trump" gebaut, die wenig Spaß machen, aber dafür umso größere Mengen an Geld akzeptieren - und deswegen auch eher wie große Bürotürme daher kommen. Am 15. Dezember eröffnet das neueste Modell dieser neokonservativen Bewegung: das knapp 4 Milliarden teure "Cosmopolitan" mit fuchsiafarbenen LED-Leuchten in der Fassade. Dafür sind die Slotmachines deutlich näher an den Bordsteinen des Strips gelegen. Innovation!

Für Freunde des gepflegten Trashs: Flamingo

Das "Flamingo" war das erste richtige Luxus-Hotel am Strip. Es wurde 1946 vom berüchtigten Bugsy Siegel eröffnet und noch so viele Duftbäume in der Lobby werden den Geruch von über 60 Jahren Rauch, Schweiß und Tränen nicht aus dem Teppich herausbekommen. Dafür tragen die "Dealer" die hübschesten Uniformen (wie immer gilt: weniger mit zunehmender Stunde) und die Spiegelfassade erscheint im gleichen Pastell-Pink wie man es aus "Miami Vice" und Sonny Crocketts Jacketts kennt, was definitiv nicht an zu vielen Manhattans liegt. Wer sich für diesen klassischen Vegas-Trash begeistert, bucht am besten eine der neuen "Go-Suiten" mit weißen Lederbezügen und pinkfarbenem Badezimmer (hier besser nichts aus "Fear and Loathing in Las Vegas" nachspielen.)

Think Big: MGM Grand

Der smaragdgrün angeleuchtete Kasten war einmal das größte Hotel der Welt und noch immer erinnert die Lobby mehr an eine Bahnhofshalle, in der Rich Kids und Hausfrauen aus Oregon sich ihre ersten teuren Vegas-Spuren verdienen. Dumm nur, wenn man dann ein Zimmer im "Westwing" zugeteilt bekommt, dem Abstellgleis des Resorts, das zwar Fenster besitzt, die man aber ohne Weiteres hätte einsparen können, weil bei dem grün hereinwabernden Licht nicht einmal der niedergeschlagenste Spieler schlafen kann. Wahrscheinlich ist auch das Absicht: Da geht man lieber gleich wieder runter ins Casino, irgendwann muss die Bank ja auch mal Pech haben. Immerhin sind die Restaurants hier überdurchschnittlich gut, vom "L'Atelier de Joel Robuchon" bis "Wolfgang Puck", eine Art Vegas-Pionier, auch wenn er mehr nach Baden-Baden klingt.

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Autor:
Silke Wichert