Nicaragua

Wissenswertes über Nicaragua

Natur und Klima:

Der schmalen pazifischen Küstenebene schließt sich eine Kette mit 30 teils aktiven Vulkanen an. Parallel zur Küste verläuft die tektonische Nicaraguasenke mit dem Managuasee und dem Nicaraguasee, dem größten See Zentralamerikas. Im Zentrum des Landes erheben sich die Ketten der zentralamerikanischen Kordilleren. Den Osten bedeckt ein weites Tiefland, das die Hälfte der Staatsfläche einnimmt. An der karibischen Mosquitoküste mit ihren Lagunen und Nehrungen gehen die Regenwälder und Savannen des Tieflandes in Mangroven- und Sumpfwälder über.

Nicaragua liegt in einer Zone hoher seismischer und vulkanischer Aktivität: 1931 und 1972 zerstörten Erdbeben die Hauptstadt Managua. Der Ausbruch des Vulkans Coseguïna 1835 zählt zu den schwersten Vulkanausbrüchen in historischer Zeit. Die Hurrikane "Joan" und "Mitch" brachten 1988 und 1998 katastrophale Überschwemmungen.

Die durch die Höhenlage nur mäßig warmen Kordilleren wirken als Klimascheide im tropisch-heißen Klima: Während die Karibikküste ganzjährig feuchtheiß ist, konzentrieren sich die Niederschläge an der Pazifikküste auf die Monate Mai bis November.

Bevölkerung:

Die meisten Einwohner sind Weiße und Mestizen, etwa ein Zehntel zählt zu den Kreolen. Fünf Prozent der Bevölkerung sind Wald- und Flussindianer, die ihre eigenen Sprachen sprechen, darunter die Sumo, Miskito und Rama. Etwa zwei Drittel der Bevölkerung leben an der Pazifikküste, jeder fünfte Nicaraguaner lebt in der Hauptstadt Managua. Die karibische Tiefebene ist dagegen kaum besiedelt. Mit 1,9 Prozent ist das Bevölkerungswachstum sehr hoch. Mehr als die Hälfte der Bevölkerung lebt in Armut, viele versuchen durch (zum Teil illegale) Beschäftigung im Ausland ihren Lebensunterhalt zu bestreiten.

Staat und Politik:

Nach der mehrfach revidierten Verfassung von 1987 ist Nicaragua eine präsidiale Republik. Der für eine Amtszeit von fünf Jahren direkt gewählte Präsident ist zugleich Staatsoberhaupt und Regierungschef. Die Nationalversammlung hat 90 Abgeordnete (Legislaturperiode fünf Jahre).

Wichtige Parteien sind die Sandinistische Nationale Befreiungsfront (Frente Sandinista de Liberación Nacional, FSLN), die Liberal-Konstitutionalistische Partei (Partido Liberal Constitucionalista, PLC) sowie die Liberale Allianz (Alianza Liberal Nicaragüense).

Wirtschaft und Verkehr:

Nicaragua gilt mit Haiti als das ärmste Land Lateinamerikas. Trotz Schuldenerlasses von Seiten der Weltbank und des Internationalen Währungsfonds ist die Situation durch eine hohe Auslandsverschuldung, negative Handelsbilanz und extrem ungleiche Einkommensverteilung geprägt. Zudem führen Naturkatastrophen immer wieder zu Rückschlägen.

Wirtschaftliches Rückgrat ist der Agrarsektor. Für den Export werden Baumwolle, Zuckerrohr, Bananen und Kaffee angebaut. Die in der Viehwirtschaft dominierende Rinderwirtschaft produziert ebenfalls für den Export. Das wichtigste Ausfuhrgut liefert mittlerweile die Fischerei: Meeresfrüchte, meist in Form von Krabben und Langusten.

Nicaragua verfügt über reiche Bodenschätze, die bisher kaum erschlossen sind; abgebaut werden Gold, Silber und Kupfer. Die schwach entwickelte Industrie hat ihren Schwerpunkt in der Nahrungs- und Genussmittelverarbeitung. Seit den neunziger Jahren gewinnen Freihandelszonen an Bedeutung; unter anderem werden hier aufgrund des niedrigen Lohnniveaus Textilien für die USA produziert.

Große Hoffnung setzt das Land auf den Tourismus. Durchschnittlich kommen jährlich rund 600.000 ausländische Besucher ins Land, die vor allem die alten Städte León und Granada, die urtümlichen Vulkan- und Seenlandschaften und die Ometepe-Insel im Nicaraguasee besuchen. Ein wichtiger Devisenbringer sind auch die Überweisungen der rund 700.000 in den USA lebenden Nicaraguaner.

Die Verkehrserschließung ist besonders im Osten des Landes noch unzureichend. Das Straßennetz ist weitmaschig; wichtigste Trasse ist die Carretera Panamericana, die das Land von Norden nach Süden durchzieht. Die Eisenbahn wurde 1994 stillgelegt.

 

Geschichte

Somoza-Regime und Sandinisten:

 

Das 1502 von Kolumbus entdeckte Land gehörte nach Ende der spanischen Kolonialzeit 1823 zur Zentralamerikanischen Konföderation und wurde 1838 selbständige Republik. Von 1912 bis 1932 hielten die USA das Land militärisch besetzt. Dagegen kämpfte eine Befreiungsbewegung unter Augusto C. Sandino. Nach dem Abzug der USA konnte sich das diktatorische Regime des Generals Anastasio Somoza García etablieren. Er wurde 1956 ermordet. Seine Söhne Luis Somoza Debayle und Anastasio Somoza Debayle setzten die Herrschaft des Somoza-Clans fort.

In den sechziger Jahren formierte sich die linke Sandinistische Nationale Befreiungsfront (FSLN), die das Regime nach einem Bürgerkrieg 1979 stürzte. Der Sandinisten-Führer Daniel Ortega Saavedra wurde 1985 Präsident. Eine von den USA unterstützte antisandinistische Guerilla ("Contras") bekämpfte die Ortega-Regierung, die sich eng an Kuba und die UdSSR anlehnte.

Politischer Wandel:

Ende der achtziger Jahre setzte ein politischer Wandel ein, der den Bürgerkrieg schließlich beendete. Freie Wahlen gewann 1990 ein bürgerliches Oppositionsbündnis unter Führung von Violeta Barrios de Chamorro, die Präsidentin wurde. Die Präsidentschaftswahlen 1996 gewann Arnoldo Alemán Lacayo von der Liberal-Konstitutionalistischen Partei (PLC). Er schlug einen neoliberalen Wirtschaftskurs ein, der mit wachsender Korruption einherging.

2001 wurde mit Enrique Bolaños Geyerwiederum der Kandidat des PLC zum Präsidenten gewählt. Seine besonders gegen Alemán gerichtete Antikorruptionspolitik führte zu einem Machtkampf mit dem Parlament, der die innen- und wirtschaftspolitische Entwicklung blockierte. Nach dreimaliger erfolgloser Kandidatur wurde 2006 erneut Daniel Ortega zum Präsidenten gewählt.

 


 

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