Kanada Tiefschnee und leere Pisten in Kanada

Im kanadischen Skigebiet Whitewater in der Provinz British Columbia müssen sich Wintersportler die Abfahrten mit fast niemandem teilen. Nur an "Powder Days" herrscht Ausnahmezustand.

Fast schwerelos und mit einer gewissen Leichtigkeit gleite ich den Hang hinunter. Ich schwinge zwischen Tannen hindurch, ducke mich vor tiefhängenden Ästen. Der Wind bläst mir ins Gesicht, er ist eisig. In der Ferne sehe ich schon die Talstation, aber mir bleiben noch ein paar Minuten Tiefschnee-Spaß in dieser kanadischen Winterlandschaft, bevor es mit dem Sessellift wieder auf den Gipfel geht.

Wohl nirgendwo sonst ist der Schnee trockener als in den Bergen Nordamerikas – und besonders die Rocky Mountains sind bekannt für ihren leichten Pulverschnee. Und anders als in den Alpen gönnt man den Wintersportlern das Vergnügen auf den unberührten Hängen, denn hier wird nicht jeder Zentimeter Neuschnee mit einer Raupe gewalzt; so bleibt das Gelände in vielen Abschnitten ungespurt und von vereisten Stellen ist nichts zu sehen.

British Columbia ist für seinen "perfekten" Schnee bekannt

Wie ein samtweicher Teppich fühlt sich der Untergrund an und ermöglicht Skigenuss vom Feinsten. Für ihren "perfekten“ Schnee ist vor allem die Provinz British Columbia im Westen Kanadas bekannt. Da fallen Namen wie Sun Peaks, Lake Louise, Silver Star oder Big White. Doch anders als beispielsweise im bekannten Whistler, wo 2010 auch ein Teil der Olympischen Winterspiele ausgetragen wurde, hält ein kleines Skigebiet in den West-Kootenays im Selkirkgebirge einen zusätzlichen Trumpf im Ärmel: Abfahrten, die ideale Bedingungen bieten und dennoch fast menschenleer sind.

Durch die einzigartige Lage in einer natürlichen Schüssel, der sogenannten "Bowl", stehen in Whitewater trotz der wenigen Lifte – insgesamt sind es nur drei Sessellifte und ein Tellerlift für Kinder – dem Wintersportler knapp 70 Abfahrten in unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden zur Verfügung. Regelmäßig überprüft die Bergwacht die Hänge auf Lawinengefahr und ergreift entsprechende Schutzmaßnahmen – wie zum Beispiel kontrollierte Sprengungen - damit das Wedeln zum sicheren Vergnügen wird.

Die Einheimischen geben gerne eine Mitfahrgelegenheit

Der einzige Nachteil: Die Bretter können morgens nicht direkt vor dem Hotel unter die Stiefel geschnallt werden. Whitewater liegt etwa 15 bis 20 Minuten vom nächsten Ort entfernt, der kanadischen Kleinstadt Nelson. Von dort fährt jedoch täglich ein Skibus hinauf ins Skigebiet und nachmittags wieder zurück. Zudem geben die Einheimischen Wartenden am Straßenrand auch gerne mal eine Mitfahrgelegenheit.

Am späten Nachmittag verzieht sich die Sonne, es beginnt zu schneien, erst leicht, dann immer heftiger. Dicke Flocken fallen vom Himmel und das Thermometer sinkt auf Minus 15 Grad. Spitze Eiszapfen bilden sich an den Dächern der Häuser. Wer jetzt noch nach draußen möchte, sollte sich warm anziehen. Der Schnee rieselt die ganze Nacht. Und auch am nächsten Morgen umhüllt ein dichtes Wolkenkleid die Region am Kootenay See. Doch statt bei heißem Tee gemütlich vor den Kaminen in ihren Häusern im viktorianischen Stil zu sitzen, sind fast alle der 10.000 Einwohner auf den Beinen - oder besser gesagt auf den Skiern.

Leere im Tal, Ausnahmezustand am Berg

Eigentlich ist es ein normaler Werktag, doch Nelson wirkt wie ausgestorben. Die Büros sind leer - viele haben sich spontan einen Tag Urlaub genommen. Cafés sind geschlossen und in einigen Geschäften hängen handgeschriebene Zettel in den Fenstern, auf denen ein entschuldigendes "Sorry, you have to come back later, we are skiing." steht. Leere im Tal, dafür Ausnahmezustand auf 2000 Metern Höhe: Niemand will heute nach so viel Neuschnee den Spaß verpassen. Die Kanadier haben sogar einen Begriff dafür: Es ist "Powder Day" und das bedeutet, für Ski-Enthusiasten gibt es kein Halten mehr.

An solchen Tagen muss man sich dann sogar in Whitewater die Hänge mit anderen Skifahrern teilen, aber keine Sorge, es bleibt immer noch genügend Platz, so dass jeder ungestört seine Spuren durch den Schnee ziehen kann.

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Wissenwertes zu Anreise, Unterkunft und Skipässen:

Anreise: z.B. mit Lufthansa von Frankfurt nach Calgary. Von dort weiter mit dem Greyhound in zehn Stunden bis Nelson. Alternativ gibt es Flüge mit Air Canada nach Castlegar - ein Shuttlebus bringt die Passagiere dann nach Nelson.

Einreise: Mit einem Reisepass ist deutschen Staatsangehörigen die visumfreie Einreise für einen Aufenthalt bis zu sechs Monaten möglich. Ein Rück- oder Weiterflugticket muss vorgezeigt werden.

Skigebiet: Whitewater liegt 15 bis 20 Minuten von Nelson entfernt. Täglich fährt ein Skibus bis zur Talstation. Abfahrt ist um 8:25 Uhr – der Bus hält unter anderem am Hume Hotel, The Whitehouse Backpackers Lodge und Dancing Bear Inn. Rückfahrt ist um 16 Uhr.  

Skisaison und Skipässe: Je nach Schneefall öffnen die Lifte normalerweise Anfang Dezember und schließen Anfang April.Ein Tagesticket kostet umgerechnet 54 Euro, ein Halbtages-Ticket, gültig ab 12:30 Uhr, 38 Euro. Kinder bis sechs Jahre fahren gratis. Wer eine Woche bleibt, für den lohnt sich die "Powder Plus Card“. Sie kostet 63 Euro und ist für sechs aufeinanderfolgende Tage gültig. Am ersten und sechsten Tag können die Lifte kostenlos genutzt werden. An den Tagen zwei bis fünf erhält man sechs Euro Rabatt auf ein Tagesticket.

Unterkunft in Nelson: z.B. Dancing Bear Inn, DZ ab 44 Euro, Bett im Sechser- oder Achter-Zimmer 20 Euro.

Mehr Informationen: www.skiwhitewater.com

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Autor:
Susanna Bloß