Vancouver Island Tofino - Surfer-Paradies im Pazifik

Vancouver ist derzeit Synonym für Wintersport und Medaillenspiegel. Eine Disziplin steht bei Olympia jedoch nicht auf dem Programm, obwohl sie im nahe gelegenen Vancouver Island bei knackiger Kälte viele Anhänger hat: das Surfen im Pazifik.

Im März werden sie wieder dort stehen, aufs Meer hinaus gucken und hektisch die Auslöser ihrer Digitalkameras drücken. Um die 20.000 Wale ziehen dann hier vorbei auf dem Weg von Mexiko nach Alaska. Den Monat darauf stehen andere Touristen dort und betrachten die abertausend Vögel, die über ihre Köpfe hinweg fliegen. Und im September kommen dann die Wale zurück. Ansonsten regnet es viel, sechsmal mehr als im Rest Kanadas. So vergeht das Jahr in Tofino an der Westküste Kanadas in der Provinz British Columbia. Diesem 1700 Einwohner zählenden Kaff an der Westküste von Vancouver Island, knapp 300 Kilometer von Vancouver entfernt.

Die einheimischen Indianer leben vom Fischfang und den Naturschauspieltouristen, die sie mit ihren Motorbooten übers Wasser auf Inseln oder in andere Dörfer der Gegend transportieren. Die hängen gebliebenen Hippies, die seit den 1970er Jahren über die seinerzeit neue Asphalt-Straße hierher kamen, erzählen ungefragt von ihrem Kampf gegen das massive Abholzen des pazifischen Regenwaldes. Besonders gern berichten sie von der größten Massenverhaftung in der Geschichte Kanadas: 1993 wurden unweit von Tofino an die 1000 Umweltaktivisten festgesetzt.

Tofino pflegt nachhaltigen Tourismus

Heute ist Tofino keine naturbelassene Einöde mehr, sondern ein gehobener Rückzugsort, an dem sanfter, nachhaltiger Tourismus gepflegt wird. Wo es neben schlichten Blockhäusern und Bed & Breakfasts auch luxuriöse Unterkünfte, wie etwa das Top-Hotel Wickaninnish Inn (Auszug Gästeliste: Danny DeVito, Uma Thurman, Susan Sarandon, Alanis Morissette) oder das ebenfalls gediegene Long Beach Lodge Resort gibt.

Galerien und niedliche Restaurants sind in vormals rustikalen Ladenlokalen zu finden, es wird erstklassiges, frisches Essen serviert, vor allem Meergetier natürlich. In dem das Dorf einschließenden riesigen Pacific Rim Nationalpark lassen sich bei Wanderungen oder Kajakfahrten großzügige Kiefernbestände und wilde Tiere bestaunen. Es ist, wie so viele Landstriche Kanadas, ein Platz für Freunde ungezügelter Natur. Und an der Küste liefert der tosende Pazifik den passenden Sound dazu.

Tofino ist Hauptstadt für Wellenreiter

Das ganze Jahr über trifft man in Tofino und in Nähe der angrenzenden, kilometerlangen Sandstrände allerdings auch eine Klientel, die aus all den Indianern, alten Hippies und Touristen deutlich heraus sticht. Junge Menschen, überwiegend Männer, muskulös, verwegen aussehend. Das sind die Surfer von Tofino, das Board immer in Griffweite. Denn neben allem anderen ist Tofino eben auch Kanadas Hauptstadt für Wellenreiter.

Während die Besserverdiener in ihren Learjets aus Vancouver nach 35 Flugminuten auf dem niedlichen Flugplatz von Tofino landen, kommen die Surfer in ihren Kleinbussen und Autos übers Wasser hierher. Von Vancouver nach Horshoe, von dort mit der Fähre etwas mehr als anderthalb Stunden durch den Strait of Georgia nach Nanaimo - das ist eine der möglichen Anreisen. Dann sind es noch etwa vier Stunden Autofahrt bis zu ihrem Wellen-Paradies im Clayoquot Sound, jenem zerklüfteten Küstengebiet an der Westseite von Vancouver Island.

Tofino als Surfer-Magnet

Fünf Strände hat die Region um Tofino anzubieten. Der bekannteste ist der von Long Beach, an dem, sagen Kenner, man wie auf Hawaii surfen kann. Besonders während der Wintermonate, in denen der Pazifik besonders große, lang ausrollende Brecher produziert, die sich genüsslich herunterreiten lassen. Dass man dabei keine Shorts, sondern stets einen Neoprenanzug tragen muss, stört keinen echten Tofino Dude. Schließlich beträgt die Wassertemperatur in dieser Gegend immer um 10 Grad Celsius. Und eigentlich lässt sich nur außerhalb der Wellen erspüren, ob es gerade Winter oder Sommer ist. Es sei denn, man kann sich trotz der vorangegangenen, bierseligen Nacht noch daran erinnern, dass man ja eines der beliebten "Christmas Surf Packages" gebucht hat.

Einer von denen, die das Surfrevier am besten kennen, ist Raphael Bruhwiler. Er ist eine Tofino-Legende, einer der mit dem Bretterlsport Geld verdienen kann und eine Surfschule sein eigen nennt. Irgendwann im Herbst letzten Jahres erhielt Bruhwiler einen Anruf von jenen Leuten, die den Olympischen Fackellauf nach Vancouver koordinierten und kurze Zeit später (und nach ein bisschen proben) surfte Bruhwiler mit der offiziellen Olympiafackel vom Pazifik aus auf den Strand von Long Beach. Olympia war in Tofino angekommen - auch ein Ergebnis des gestiegenen Interesses an dem Örtchen, das dessen Charakter entscheidend verändert hat.

Denn im Lauf der letzten Jahren wurde Immobilie auf Immobilie an wohlhabende, nicht in Tofino ansässige Leute verkauft. Besonders attraktiv: die Häuser mit unverbautem Blick auf den Pazifik. Ein solches, wie jenes große Haus am Chesterman Beach, das Raphael Bruwhilers Vater der Familie gebaut hatte und das die Eltern vor Jahren schon für gutes Geld abgestoßen hatten. "Früher war das hier so ein bisschen ein Ganzjahres-Kommune, und auf eine Art ist es schade, dass viele der Strandhäuser nun die meiste Zeit des Jahres über leer stehen", sagt Bruhwiler. "Aber mit all den Touristen, kann ich das machen, womit ich immer schon meinen Lebensunterhalt verdienen wollte: Surfen." Und das geht im Norden des amerikanischen Kontinents an keinem Ort so gut wie eben in Tofino.

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