Jamaika

Wissenswertes über Jamaika

Natur und Klima:

Jamaika ist überwiegend gebirgig. Im Osten erreichen die Blue Mountains eine Höhe von 2256 Metern. Zwei Drittel der Inselfläche bestehen aus zum Teil verkarsteten Kalksteinplateaus, an deren Oberfläche sich örtlich stark bauxithaltige Roterde gebildet hat. Zahlreiche Buchten gliedern die Küste, der Korallenriffe vorgelagert sind.

Jamaika befindet sich ganzjährig unter dem Einfluss des Nordostpassats. In den Blue Mountains fallen über 4000 mm Niederschlag jährlich, die trockene Südküste erhält weniger als 1000 mm. Die Temperaturen schwanken zwischen 24,4 und 27,5 Grad. Häufig ziehen tropische Wirbelstürme über die Insel und richten große Schäden an.

Vorherrschende Vegetation sind Trocken- und Buschsavannen; nur die feuchten Berghänge tragen immergrünen Regenwald, in höheren Lagen Berg- und Nebelwald. An der sumpfigen Nordküste wachsen Mangroven und Kokospalmen.

Bevölkerung:

Größte Bevölkerungsgruppe bilden die Schwarzen und Mulatten (zusammen 91 Prozent), die von afrikanischen Sklaven abstammen. Nach Aufhebung der Sklaverei kamen Inder als Kontraktarbeiter auf die Insel; sie stellen heute neben Chinesen und Weißen kleine Minderheiten dar.

Arbeitslosigkeit und Überbevölkerung veranlassen viele Jamaikaner zur Auswanderung, insbesondere nach Nordamerika und Großbritannien. Eine Besonderheit Jamaikas ist die Glaubensgemeinschaft der Rastafari, die die afrikanischen Wurzeln der Bevölkerungsmehrheit besonders hervorhebt.

Staat und Politik:

Gemäß der Verfassung von 1962 ist Jamaika eine parlamentarische Monarchie im Commonwealth mit dem britischen Monarchen als Staatsoberhaupt, das von einem Generalgouverneur vertreten wird. Die Regierungsgeschäfte leitet der Premierminister, den die stärkste Parlamentsfraktion bestimmt. Die 60 Abgeordneten des Repräsentantenhauses werden für fünf Jahre gewählt, von den 21 Mitgliedern des Senats bestimmt 13 der Premierminister und acht der Oppositionsführer.

Im Zweiparteiensystem stehen sich die sozialdemokratische People's National Party (PNP) und die konservative Jamaica Labour Party (JLP) gegenüber.

Wirtschaft und Verkehr:

Die hohe Staatsverschuldung und die negative Handelsbilanz belasten die Wirtschaftsentwicklung Jamaikas. Auch das seit 2000 anhaltende moderate Wirtschaftswachstum konnte die Arbeitslosigkeit und Unterbeschäftigung bislang nicht deutlich verringern.

Da die heimische Landwirtschaft den nationalen Bedarf nicht decken kann, müssen Nahrungsmittel importiert werden. Für den Export werden auf Großplantagen Bananen und Zuckerrohr, in den Blue Mountains auch Kaffee angebaut. Den größten Exportwert hat jedoch das Halbfertigprodukt Alumina, gewonnen aus den reichen Bauxitvorkommen. Die schwach entwickelte Industrie produziert in erster Linie Nahrungsmittel und Textilien.

Fast zwei Drittel des Bruttoinlandsprodukts werden im Dienstleistungssektor erwirtschaftet. Hauptdevisenquelle sind die Überweisungen der im Ausland lebenden Jamaikaner und der Tourismus. Zwei Drittel der jährlich etwa 2,5 Millionen Touristen kommen aus den USA, viele als Kreuzfahrttouristen.

Das Straßennetz ist gut ausgebaut, eine Küstenstraße führt rund um die Insel. Die größtenteils private Eisenbahn dient auch dem Abtransport von Bauxit.

Geschichte:

Kolonialzeit:

Als Christoph Kolumbus 1494 Jamaika erreichte, lebten dort etwa 60.000 Auruaken-Indianer. Für die spanischen Kolonialmacht (ab 1509) hatte die Insel keine große Bedeutung. Erst die Briten machten sie nach 1655 zum Zentrum des Sklavenhandels und zu einer der wichtigsten Zuckerkolonien. Mit der Aufhebung der Sklaverei im 19. Jahrhundert und dem Vordringen des brasilianischen Zuckerrohrs geriet der Zuckerrohranbau in eine Krise. Als Reaktion auf eine soziale Rebellion schränkte London 1866 die seit 1662 bestehenden Autonomierechte ein. Jamaika bekam den Status einer Kronkolonie. 1944 erhielt Jamaika innere Selbstverwaltung.

Unabhängigkeit:

Von 1958 bis 1961 war Jamaika Mitglied der Karibischen (Westindischen) Föderation, 1962 wurde die Insel unabhängig, blieb aber Mitglied des Commonwealth. Erster Premierminister wurde Alexander Bustamente von der konservativen Jamaica Labour Party (JLP). In den siebizger Jahren regierte Michael Manley (1972 bis 1980, erneut 1989 bis 1992) von der People's National Party (PNP), der eine sozialistisch ausgerichtete Politik betrieb. Premierminister Edward Seaga (1980 bis 1989) von der JLP versuchte die Wirtschaft durch ausländische Investitionen im Tourismus zu stärken.

1992 wurde Percival J. Patterson Regierungschef, der mit der PNP auch die Parlamentswahlen 1993, 1997 und 2002 gewinnen konnte. Mit Portia Simpson-Miller (PNP) gelangte 2006 erstmals eine Frau in das Amt des Premierministers. Innenpolitische Hauptprobleme blieben die starke soziale Ungleichheit und die hohe Rate der Gewaltkriminalität.

Nach 18 Jahren brachten die Wahlen 2007 einen Machtwechsel zugunsten der JLP, deren Führer Bruce Golding neuer Premierminister wurde.

 


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