Honduras

Wissenswertes über Honduras

Natur und Klima:

Das Landesinnere besteht aus einem Bergland, in dem sich mehrere, etwa 2000 Meter hohe Gebirgsketten mit weiten Hochbecken abwechseln. Die stark versumpfte karibische Küste wird von Lagunen gesäumt und bildet im Nordosten die Küstenlandschaft Mosquitia, die ihren Namen den Misquito-Indianern verdankt. Im Süden grenzt das Land am Golf von Fonseca auf einer Breite von 70 Kilometer an den Pazifik. Große Teile der tropischen Regenwälder im Tiefland, der Kiefernwälder im Nordosten und der Berg- und Nebelwälder im Landesinneren wurden gerodet, doch ist immer noch ein Drittel der Staatsfläche von Wald bedeckt.

Im karibischen Tiefland herrscht ein immerfeuchtes tropisches Klima mit Temperaturen über 25 Grad und Niederschlägen von 2400 bis 3000 mm. Die wechselfeuchte Pazifikküste hat eine Regenzeit von Mai bis Oktober. Im Bergland ist das Klima gemäßigt. Hurrikane richten an der Karibikküste häufig große Schäden an.

Bevölkerung:

Die Bevölkerung konzentriert sich auf das Hochland im Nordwesten, das Gebiet um Tegucigalpa sowie den pazifischen Süden. Der Großteil der Honduraner sind Mestizen. An der Karibikküste und auf den vorgelagerten karibischen Inseln leben überwiegend Garífunas, die indianische und afrikanische Vorfahren haben. Im Landesinneren und in Mosquitia gibt es noch kleine Gruppen indianischer Ureinwohner.

Das hohe Bevölkerungswachstum verstärkt die Landflucht und lässt die Elendsviertel der Städte ausufern. Mehr als die Hälfte der Einwohner lebt unterhalb der Armutsgrenze, ein Fünftel sind Analphabeten.

Staat und Politik:

Gemäß der Verfassung von 1982 ist Honduras eine präsidiale Republik mit einem für vier Jahre gewählten Präsidenten als Staatsoberhaupt und Regierungschef. Die Legislative wird vom Nationalkongress gebildet, dessen 128 Abgeordnete alle vier Jahre gewählt werden.

Wichtige Parteien sind die Liberale Partei (Partido Liberal, PL) sowie die konservative Nationale Partei (Partido Nacional, PN).

Wirtschaft und Verkehr:

Eine hohe Arbeitslosenrate und eine extrem hohe Auslandsverschuldung kennzeichnen die wirtschaftliche Situation. Honduras zählt zu den ärmsten Ländern Mittelamerikas und profitiert von dem 2005 beschlossenen internationalen Schuldenerlass.

Die meisten Familienbetriebe produzieren Mais und Bohnen für den Eigenbedarf. Auf den wenigen Großplantagen, die überwiegend in US-amerikanischem Besitz sind, werden Bananen und Kaffee für den Export angebaut. Bedeutung gewinnt die Ausfuhr von Schalentieren. An Bodenschätzen baut ein US-Unternehmen Gold, Silber, Blei und Zink ab. Der Schwerpunkt der schwach entwickelten Industrie liegt in der Verarbeitung von Agrarprodukten.

Dringend benötigte Devisen bringen die Überweisungen der etwa eine Million im Ausland lebenden Honduraner und der Tourismus: Jährlich besuchen 670.000 Touristen Honduras, vor allem die Maya-Ruinen in Copán, die Naturreservate und die Karibikinseln.

Das Straßennetz beschränkt sich auf wenige Hauptstraßen, das Schienennetz verbindet die Plantagen mit den Ausfuhrhäfen Puerto Cortés und San Lorenzo.

 

Geschichte

 

Die Entwicklung bis zum Zweiten Weltkrieg:

Das Gebiet des heutigen Honduras war 300 bis 800 n. Chr. ein Zentrum der indianischen Maya-Kultur. 1502 wurden die Küsten von Kolumbus entdeckt. 1535 bis 1821 gehörte das Land zum spanischen Kolonialreich. Nach dem Scheitern der Zentralamerikanischen Föderation erlangte Honduras 1838 die endgültige Unabhängigkeit. Wiederholten Grenzkonflikten mit den Nachbarstaaten folgte Anfang des 20. Jahrhunderts die wirtschaftliche Erschließung durch US-amerikanische Firmen, die die USA mehrfach mit Miltärinterventionen absicherte. Die Präsidentschaft von Tiburcio Carías Andino, der diktatorisch regierte, brachte in den dreißiger und vierziger Jahren eine gewisse innenpolitische Konsolidierung.

Militärherrschaft und Demokratisierung:

Nach einem Militärputsch 1963 bestimmte General Osvaldo López Arellano (Staatschef 1963 bis 1971 und 1972 bis 1975) den politischen Kurs. Spannungen mit El Salvador führten 1969 zum sogenannten Fußballkrieg. Die Phase der Militärherrschaft endete mit dem Inkrafttreten der neuen Verfassung von 1982, das Land kehrte allmählich zu demokratischen Verhältnissen zurück.

Von Honduras aus operierten in den achtziger Jahren nicaraguanische "Contras" mit US-amerikanischer Unterstützung gegen die im südlichen Nachbarland regierenden Sandinisten. Ein Urteil des Internationalen Gerichtshofes legte 1992 den seit 1969 bestehenden Grenzkonflikt mit El Salvador bei. Liberale und Nationale Partei stellten nach dem Ende der Militärherrschaft die Präsidenten des Landes. Die vergangenen Präsidentschaftswahlen 2005 gewann Manuel Zelaya Rosales (PL). Nach seinem Amtsantritt im folgenden Jahr wurde die lange Jahre umstrittene Grenze mit El Salvador endgültig markiert.

Mit dem Beitritt zur von Venezulea dominierten Wirtschaftsgemeinschaft Alternativa Bolivariana para los pueblos de Nuestra América (Alba) vollzog Honduras 2008 eine Abkehr von der strikten Ausrichtung der Außenpolitik auf die USA. Bestrebungen Zelayas die Verfassung zu ändern, um die Möglichkeit zur Kandidatur für eine zweite Amtszeit zu erhalten, führten 2009 zu einer schweren innenpolitischen Krise. Im Juni 2009 wurde der Präsident abgesetzt und vom Militär außer Landes gebracht.

 


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