Haiti

Wissenswertes über Haiti

Natur und Klima:

Das Land von der Größe Brandenburgs liegt auf dem westlichen Drittel der Karibikinsel Hispaniola. Es besteht überwiegend aus zwei lang gestreckten, durch den Golf von Gonâve getrennten Halbinseln, die von mehreren Gebirgsketten und Senken durchzogen werden. Die weitgehende Vernichtung der natürlichen Vegetation hat zu starker Bodenerosion geführt. Wälder nehmen nur noch 1,4 Prozent der Staatsfläche ein. Haiti liegt in einem erdbebengefährdeten Gebiet und wird häufig von Überschwemmungen und Wirbelstürmen heimgesucht.

In dem wechselfeuchten randtropischen Klima fällt die Trockenzeit auf die Monate Dezember bis März. Während auf die heute waldlosen Gebirgsflanken auf der windzugewandten Seite bis zu 2400 mm Regen niedergehen, fällt in den Tiefebenen und Tälern nur 300 mm Niederschlag.

Bevölkerung:

Die Bevölkerung stammt überwiegend von afrikanischen Sklaven ab, die die französischen Kolonialherren als Plantagenarbeiter ins Land geholt hatten. Auf ihre afrikanischen Wurzeln geht auch der weit verbreitete Voodoo-Kult zurück. Etwa ein Drittel sind Mulatten, eine kleine Minderheit ist weiß. Rund 38 Prozent der Haitianer wohnen in Städten, von der ländlichen Bevölkerung leben vier Fünftel unterhalb der Armutsgrenze.

Das Bevölkerungswachstum ist das höchste aller karibischen Länder, wird jedoch durch eine hohe Säuglingssterblichkeit abgeschwächt. Mit gut 53 Jahren haben die Haitianer die geringste Lebenserwartung in Lateinamerika. Mehr als die Hälfte der Bevölkerung kann nicht lesen und schreiben.

Staat und Politik:

Gemäß der Verfassung von 1987 ist Haiti eine präsidiale Republik mit einem für fünf Jahre direkt gewählten Präsidenten als Staatsoberhaupt. Er ernennt den Premierminister und die Regierung. Das Zweikammerparlament, die Nationalversammlung, besteht aus Abgeordnetenhaus (99 für vier Jahre gewählte Mitglieder) und Senat (30 für sechs Jahre gewählte Mitglieder, alle zwei Jahre wird ein Drittel der Senatoren neu gewählt). Stärkste parteipolitische Kraft ist Lespwa ("Hoffnung"), die Partei des Präsidenten.

Wirtschaft und Verkehr:

Haiti ist das ärmste Land der westlichen Hemisphäre, mehr als die Hälfte der Bevölkerung hat keine Arbeit.

Den größten Teil der Agrarfläche bewirtschaften Kleinbauern, die Reis und Mais für den Eigenbedarf anbauen. Dennoch deckt die Agrarproduktion die Inlandsnachfrage nicht. Etwa acht Prozent der landwirtschaftlich genutzten Fläche gehören ausländischen Großbetrieben, die fast ein Drittel der landwirtschaftlichen Produktion liefern. In erster Linie für den Export bestimmt sind Kaffee, Kakao und Soja.

Die Industrie beschränkt sich vor allem auf die Erzeugung von Zucker und Rum und die Herstellung von Textilien. In Port-au-Prince produzieren US-amerikanische Fertigungsbetriebe Elektro-, Spiel- und Sportwaren. Aufgrund der prekären Sicherheitslage konnte der Tourismus bisher kaum Fuß fassen.

Das Verkehrsnetz ist völlig unzureichend, der Zustand der Straßen ist schlecht. Der Eisenbahnverkehr wurde 1990 eingestellt.

Geschichte:

Der Weg zur Souveränität:

Kolumbus nahm die Insel Hispaniola 1492 für die spanische Krone in Besitz. 1697 mussten die Spanier den Westteil der Insel an Frankreich abgeben. Zuckerrohrplantagen, auf denen afrikanischen Sklaven arbeiteten, brachten der französischen Kolonie enormen Reichtum. Als Folge der Französischen Revolution und der Sklavenbefreiung brach 1791 ein Aufstand der Schwarzen und Mulatten aus.

1804 ließ sich Jean-Jacques Dessalines zum Kaiser von Haiti ausrufen. Nach seiner Ermordung konnte Spanien seinen ehemaligen Besitz zurückerobern. Im Süden entstand eine Mulattenrepublik, im Norden bildete die schwarze Bevölkerung einen Staat. Beide schlossen sich 1820 zusammen und vereinnahmten 1822 auch den spanischen Osten, der sich 1844 als Dominikanische Republik endgültig von Haiti trennte. Von 1849 bis 1859 war das Land wieder Kaiserreich. Danach herrschten Bürgerkriegswirren.

Diktatorische und korrupte Regime:

Aufgrund der inneren Wirren hielten die USA Haiti von 1915 bis 1934 besetzt. Von 1957 bis 1986 herrschten François Duvalier ("Papa Doc") und sein Sohn Jean-Claude Duvalier ("Baby Doc") diktatorisch und stürzten das Land in ein wirtschaftliches Desaster. Der 1990 zum Staatspräsidenten gewählte oppositionelle Priester Jean Bertrand Aristide wurde 1991 durch einen Militärputsch gestürzt, gelangte jedoch 1994 mit Hilfe der USA wieder ins Amt zurück. 1995 wurde René Préval zu seinem Nachfolger gewählt. 2000 gewann Aristide erneut die Präsidentschaftswahlen.

Seit 2003 kam es zu gewaltsamen Unruhen und Demonstrationen gegen sein korruptes Regime, die zur offenen Rebellion eskalierten. 2004 legte Aristide sein Amt nieder und setzte sich ins Ausland ab. Der Uno-Sicherheitsrat entsandte eine Friedenstruppe, um eine Übergangsregierung bei der Rückkehr zu demokratischen Verhältnissen zu unterstützen.

Die Präsidentschaftswahlen 2006 gewann der frühere Amtsinhaber René Préval. Gestiegene Nahrungsmittelpreise lösten 2008 Unruhen unter der Bevölkerung aus und führten zur Absetzung von Premierminister Jacques-Edouard Alexis. Nach dreimonatiger innenpolitischer Krise wurde Michèle Pierre-Louis zur neuen Regierungschefin gewählt.

 


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