Guatemala

Wissenswertes über Guatemala

Natur und Klima:

Zwei Hauptketten der Zentralamerikanischen Kordilleren, die Sierra Madre im Süden und die Altos Cuchumatanes im Westen, umrahmen ein zentrales Hochland (600 bis 1800 Meter). Im Süden reichen die Gipfel der teils noch aktiven Vulkane der Sierra Madre bis auf über 4000 Meter Höhe. Weiter nach Süden fällt die Sierra Madre steil zu dem etwa 60 Kilometer breiten Schwemmlandstreifen an der Pazifikküste ab. Das Hügel- und Sumpfland von Petén im Norden gehört zur Halbinsel Yucatán. Im Osten grenzt Guatemala mit einer Schwemmlandebene im Mündungsbereich des Río Motagua an den Golf von Honduras.

Das tropische wechselfeuchte Klima der Pazifikküste geht mit ansteigender Höhe in warmgemäßigte und kühle Klimate über. Auf der karibischen Seite und im Petén fallen ganzjährig Niederschläge. Hurrikane richten bisweilen schwere Schäden an.

Bevölkerung:

Guatemala ist der bevölkerungsreichste Staat Zentralamerikas. Der Großteil der Bevölkerung lebt im zentralen Hochland. Die Bevölkerung Guatemalas wächst im regionalen Vergleich überdurchschnittlich. Nach offiziellen Angaben lebt über die Hälfte der Einwohner unterhalb der Armutsgrenze, 30 Prozent sind Analphabeten.

Indianer und Mestizen bilden die größten Bevölkerungsgruppen; Schwarze, Mulatten und Zambos sind Minderheiten. Die kleine weiße Oberschicht hält die wirtschaftliche und politische Macht in Händen. Amtssprache ist Spanisch, daneben werden noch 23 verschiedene Maya-Sprachen gesprochen.

Staat und Politik:

Guatemala ist laut Verfassung von 1986 eine präsidiale Republik, deren Präsident gleichzeitig Staatsoberhaupt und Regierungschef. Er wird für eine Amtszeit von vier Jahren direkt gewählt. Das Einkammerparlament besteht aus dem Kongress, dem 158 Abgeordnete angehören. Wichtige Parteien sind die sozialdemokratische Nationale Einheit der Hoffnung (UNE), die Patriotische Partei (PP) sowie die Große Nationale Allianz (GANA).

Wirtschaft:

Der größte Kaffeeproduzent Zentralamerikas exportiert auch Zucker, Bananen und Kardamom. Im Hochland bauen indianische Kleinbauern Mais und Bohnen vorwiegend für den Eigenbedarf an. Viele leisten Saisonarbeit in den Plantagen des Tieflandes.

Seit 1975 fördert und exportiert das Land Erdöl, zudem werden Kupfer, Antimon und Nickel abgebaut. Die Industrie ist überwiegend in der Hauptstadtregion angesiedelt und beschränkt sich vorwiegend auf die Nahrungsmittel-, Tabak- und Textilbranche. Die landschaftlichen Reize und vor allem die Zeugnisse der alten Mayakultur ziehen jährlich etwa 900.000 Touristen an. Eine weitere wichtige Devisenquelle sind die Überweisungen der überwiegend in den USA lebenden guatemaltekischen Gastarbeiter.

Geschichte:

Unabhängigkeit und Herrschaft der Caudillos:

Das ehemalige Zentrum der Mayakultur, die sich in klassischer Zeit (250 bis 900) von der Halbinsel Yucatán bis zur Pazifikküste des heutigen Guatemala erstreckte, unterstand von 1522 bis 1821 der spanischen Krone. Nach dem Ende der Zentralamerikanischen Konföderation wurde Guatemala 1839 selbständige Republik. 1844 bis 1865 herrschte General Rafael Carrera als erster einer längeren Reihe von Caudillos, die das Land autoritär regierten. Unter General Manuel Estrada Cabrera (1898-1920) wuchs der Einfluss der USA. Mit dem Sturz Jorge Ubicos (1931-1944) endete die Epoche der Caudillos.

Bürgerkrieg und Demokratisierung:

Als Staatspräsident Jacobo Arbenz Guzmán (1951 bis 1954) den Einfluss der Großgrundbesitzer und der ausländischen Konzerne einschränken wollte, putschte das von den USA unterstützte Militär, das in den folgenden Jahrzehnten zum bestimmenden Machtfaktor wurde. Seit den sechziger Jahren bekämpfte eine linksextreme Guerilla die verschiedenen Regierungen. Auf der Gegenseite bildeten sich rechtsextreme militante Gruppierungen ("Todesschwadrone"), die mit dem Militär gegen die Guerilla, aber auch gegen die indigene Zivilbevölkerung vorgingen.

Die Wahl einer verfassunggebenden Versammlung leitete 1984 die Demokratisierung ein, 1985 konnten erstmals seit Jahrzehnten freie Wahlen abgehalten werden. Zur Beendigung des langjährigen Bürgerkriegs, der rund 200.000 Todesopfer gefordert hatte, schlossen Guerilla und Regierung im Dezember 1996 ein Friedensabkommen. Die weit verbreitete Korruption sowie die Benachteiligung der indigenen Bevölkerung behinderten aber eine nachhaltige demokratische Entwicklung.

Bei den Präsidentschaftswahlen 2003 konnte sich der konservative Unternehmer Oscar Rafael Berger Perdomo als Kandidat des Wahlbündnisses GANA durchsetzen. Unter seiner Regierung wurde 2005 das Abkommen über die Zentralamerikanische Freihandelszone CAFTA ratifiziert. Ein Hauptproblem der Innenpolitik blieb die starke Dominanz des organisierten Verbrechens, vor dem die Bevölkerung durch staatliche Institutionen nicht ausreichend geschützt werden konnte. Die Präsidentschaftswahlen 2007 gewann Álvaro Colom (UNE), der Kandidat der linken Opposition.

 


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