New York Das legendäre Chelsea Hotel

Das größte Gebäude in New York war das Chelsea-Hotel in der 222 West 23rd Street lediglich bis 1899. Die größte Legende unter New Yorks Hotels ist das Chelsea bis heute: Musiker und Schriftsteller, Filmemacher und Philosophen, Maler und Mätressen - das Hotel Chelsea ist seit Jahrezehnten New Yorks erste Adresse für Frei- und Feingeister aus aller Welt. 

Gelegen im Herzen Chelseas und unweit der pulsierenden Gegenden Soho, Tribeca, Nolita and Broadway, wurde das zwölfstöckige rote Backsteingebäude 1884 ursprünglich als privates Apartment-Gebäude eröffnet, 1905 erfolgte die Umwandlung zum Hotel. Seitdem hat das Hotel Chelsea sich sorgsam seinen Ruf als New Yorker Epizentrum künstlerischer Aktivitäten erarbeitet - so sorgsam, dass das Hotel von der Stadt New York als erstes Hotel überhaupt in die Liste denkmalgeschützter Kulturstätten und historisch interessanter Bauwerke aufgenommen wurde.

Geschichtsträchtige Namen im Hotel Chelsea

Ob als Heimat berühmter Gäste, Geburtsstätte moderner Kunst oder Hort legendär schlechten Benehmens - die Liste geschichtsträchtiger Namen und Ereignisse im Hotel Chelsea ist lang: Mark Twain schrieb hier, Bob Dylan komponierte Lieder, Jimi Hendrix und Janis Joplin kosteten hier die wilden Sechziger in vollen Zügen aus, Leonard Cohen lebte lange hier - und widmete dem Ort mit "Chelsea Hotel #2" 1974 gar einen Song. Andy Warhol entwarf Pop-Art-Kunstwerke für seine Factory, die Beat-Poeten Allen Ginsberg und Gregory Corso wählten den Ort in den Fünfzigern für ihren intellektuellen Austausch.

Schreiberkollege Dylan Thomas währenddessen übertrieb es mit dem künstlerischen Exzess - er starb 1953 im Hotel Chelsea, Diagnose: Alkoholvergiftung. Auch für Nancy Spungen war das Hotel Chelsea am 12. Oktober 1978 Endstation: Sex-Pistols-Sänger Sid Vicious, so wird bis heute vermutet, stach hier seine Freundin zu Tode. Er wurde am Morgen nach dem Mord in polizeilichen Gewahrsam genommen, starb aber im Februar 1979 an einer Heroin-Überdosis, bevor es zum Prozess kommen konnte.

Hotel Chelsea als "Zufluchtsort der Ausgeflippten"

Das Hotel Chelsea als "Zufluchtsort der Ausgeflippten" - der Beiname kommt nicht von ungefähr. In den meisten Fällen jedoch enden die Aufenthalte weit weniger blutig als im Falle von Nancy Spungen, und so genießen bis heute Künstler, Prominente und Normalsterbliche aus aller Welt den guten Service und die stilvolle Umgebung. Das Hotel Chelsea, früher als Langzeitunterkunft beliebt und bekannt, öffnet seit 2007 unter neuer Führung verstärkt auch für Kurzzeitbesucher seine Pforten - vorausgesetzt, man bringt das nötige Kleingeld mit: Preise für ein Doppelzimmer beginnen bei 378 Dollar (rund 260 Euro) und gehen bis 598 Dollar (rund 410 Euro) für eine Suite.

Wer nicht im Hotel Chelsea übernachten möchte, sich aber trotzdem für seine aufregende und lebendige Geschichte interessiert, kann für 40 Dollar (rund 27 Euro) an einer Tour durch das Haus teilnehmen und sich von Guide Jerry Weinstein die Zimmer zeigen lassen. Gestalterisch gleicht kein Raum dem anderen, jedes Zimmer ist mit einem eklektischen Mix aus Tradition und Moderne stilvoll eingerichtet. Nur bei einem Faktor wurde streng auf Uniformität geachtet: Die (besonders für New Yorker Verhältnisse) großzügigen Räume werden dank deckenhoher Fenster lieber mit natürlichem statt nur mit künstlichem Licht erhellt. Ganz wie 1884 also.

Autor:
Nico Cramer