New York Das Bowery Hotel

Eric Goode mag die aktuelle Entwicklung an der Bowery nicht. Der Hotelier und Restaurantbesitzer hat lange hier gewohnt. Und wenn, sagt er, die Straße irgendwann mal so wird wie das Yuppie-Viertel Meatpacking District, die dunklen Seiten und der abenteuerliche Charme also Vergangenheit seien, dann bräche ihm das Herz.

Tatsächlich ist der 52-jährige New Yorker alles andere als unschuldig an der Gentrifizierung der Bowery. Mit seinen Projekten hat Goode den Wandel von der Schmuddelmeile zum Trendviertel sogar eingeleitet. Und inzwischen erstrahlt die Bowery in einem Licht, das für Schatten keinen Platz mehr lässt.

Früher war die Straße, die zwischen East Village und SoHo verläuft, ein echter Schandfleck. Drogensüchtige und Obdachlose bestimmten die Szenerie. Die Suppenküchen der Heilsarmee liefen auf Hochtouren. Viele Leute schliefen auf dem Gehweg. Manche leisteten sich für ein paar Dollar pro Nacht ein dreckiges Zimmer in einer der vielen Absteigen an der Bowery - den sogenannten Flophouses. Die Kriminalität war hoch.

Als Goode 1992 seine Bowery Bar an der Ecke 4th East Street aufmachte, musste er wegen der lieben Nachbarn einen Zaun um das Lokal ziehen. Nur so konnte sein hippes Publikum unter sich bleiben und sich sicher fühlen.

Heute, achtzehn Jahre später, sind solche Mauern nicht mehr nötig. Die Bowery ist zur angesagten Partymeile geworden: Restaurants, Clubs, Bars und das New Museum of Contemporary Arts haben sich hier angesiedelt. Die Mieten haben ordentlich angezogen, Kriminalität ist kein großes Thema mehr. Und Goodes edles Bowery Hotel, das er zusammen mit seinem Geschäftspartner Sean MacPherson 2007 eröffnet hat, ist das Aushängeschild dieses Wandels.

Vor dem schicken Boutiquehotel lagen nie die Obdachlosen, dafür stehen sich dort die Paparazzi die Beine in den Bauch. Stars wie Jennifer Lopez oder Lindsey Lohan lieben das Bowery Hotel. Verständlich, denn Goode und MacPherson haben ein echtes Schmuckstück erschaffen. Marokkanische Kacheln, orientalische Teppiche, edle Möbel, Marmorbäder, 135 Zimmer mit großen Fenstern und viel Luxus. Eine Übernachtung in der 17-stöckigen Nobelherberge kann bis zu 1200 US-Dollar kosten. Dafür gibt es dann aber auch eine geräumige Suite mit Blick auf das Empire State Building.

Zum Hotel gehört auch das angesagte Restaurant "Gemma", in den nur die Hotelgäste in den Genuss einer Reservierung kommen. Externe hingegen müssen Schlange stehen, um einen der stark nachgefragten Tische zu erhalten. Alternativ kann man es sich in der Cocktail Lounge im zweiten Stock des Bowery bequem machen.

Um das Luxushotel herum, finden sich gleichwohl Überbleibsel der alten Bowery. Gegenüber ist das Whitehouse, ein billiges Hostel, das früher als Obdachlosen-Unterkunft diente, inzwischen von Backpackern frequentiert wird. Die Heilsarmee und ein Drogen-Rehabilitations-Center liegen in direkter Nachbarschaft. Abends gehört die Straße nicht mehr den Gescheiterten, sondern den Erfolgreichen. Die Bars und Clubs wie der 1995 wieder eröffnete Bowery Ballroom sind brechend voll.

Goode und MacPherson wissen, was ihr Publikum von ihnen erwartet. Beide sind alte Hasen im Geschäft. Während Goode schon in den 1980er Jahren mit seinem Club "Area" das New Yorker Nachtleben revolutionierte und mit Künstlern wie Warhol und Basquiat befreundet war, machte sich MacPherson in Los Angeles einen Namen mit In-Restaurants wie "Swingers", "Olive" oder der Bar Marmont. Heute sind die Goode und MacPherson nicht mehr nur Gastgeber, sind sind selber Promis - mit kleinen Rollen in TV-Serien, Schauspielerinnen oder Models als Freundinnen, manchmal posieren sie auch für Modemagazine.

Das The Bowery ist selbstverständlich nicht das einzige Projekt der beiden rastlosen Herren. 2008 haben Goode und MacPherson ein altes Seemannsheim, in dem einst auch Titanic-Überlebende unterkamen, in ein Szene-Hotel samt angeschlossenem Club gewandelt. Die Herberge in der einst beschaulichen Jane Street erfreut sich großer Beliebtheit - nur nicht bei den Anwohnern: zu viel Lärm, zu viele Leute, zu viele Partys. Der Protest ist für jedermann nachzulesen. Treffend heißt das Blog .

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Autor:
Denis Krah